High-Tech vs. Pragmatismus: Der große 170-mm-Federgabel-Vergleichstest
Lesezeit: 15 Minuten
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Schwielen an den Händen, dicke Unterarme und endlose Konversationen über #BADUBADUBADU #BÄÄÄHM und #KLONK – hinter uns liegen Monate intensiven Testens. Vom Bikepark Geisskopf hin zu unseren heimischen Hometrails, französischen Bikeparks und italienischen Steinfeldern haben wir sechs der spannendsten Federgabeln im 170er-Segment durch den Testpilot-Prozess geschickt.
In diesem Abschlussbericht lassen wir alle Testeindrücke unseres großen Vergleichs noch einmal Revue passieren. Doch wir wollen nicht nur nackte Zahlen und Federwegskurven liefern. (Hier findest du den Eröffnungsartikel)
Was möchte Testpilot erklären?
Unser Ziel bei Testpilot ist es, die Seele dieser Produkte zu verstehen: Wo liegen ihre wahren Stärken? Welcher Charakter verbirgt sich hinter den Einstellern? Und vor allem: Welche Gabel passt wirklich zu deinem Fahrstil, deinem Gewicht und deinem Budget?
Denn am Ende ist es wie mit der Bike-Geometrie: Es gibt nicht das eine perfekte Produkt für jeden. Ob du die unkomplizierte „Set-and-Forget“-Mentalität einer Stahlfeder suchst, dich im „Setup-Wunderland“ italienischer Entwickler verlieren willst oder nach dem ultimativen, handgefertigten Goldstandard aus den USA strebst – das aktuelle Testfeld zeigt, was der Markt abseits der Main-Player bietet.
Begleitet uns auf einem Deep Dive durch die Highlights unserer Einzeltests und erfahrt im zugehörigen Podcast, was wirklich wichtig ist für eine gute Federgabel.
Was dich in diesem Artikel erwartet:
Kurzübersicht zu jeder Federgabel
Technik & Historie von jedem Modell
Schlüssel-Eigenschaften
Praxis-Check und Podcast-Auszug
Kurzfazit zu jeder Gabel
Unter jedem Abschnitt befindet sich der jeweilige Einzeltest und der entsprechende Timecode für den Podcast.
Viel Spaß beim Lesen, Hören – und noch mehr beim Einstellen eures Fahrwerks!
Lastenheft für den Test
- 1. 170 mm Federweg
- 2. 29 Zoll
- 3. Unterschiedliche Fahrergewichte
- 4. Benchmarking aller Gabeln
- 5. Weitere Trails mit unterschiedlichen Ansprüchen
Alle Test-Federgabeln im Überblick
| Formula Selva V | Fox Podium Factory | Marzocchi Z1 Coil | Öhlins RXF38 m.3 Air | PUSH Industries Nine.One V2 | SR Suntour DUROLUX38 X EVO | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Einsatzbereich | Trail / Enduro | Enduro / aggr. AM / eMTB | AM / Enduro / Trail | Trail / Enduro / eMTB | Trail / Enduro / eMTB | E-Enduro |
| ⌀ | 35 mm | (47 mm upper) 36 mm | 36 mm | 38 mm | 36 mm Stanchions / 44 mm Uppers | 38 mm |
| Federweg | 160 / 170 / 180 mm | 150 / 160 / 170 mm | 150 (nur 29″), 160, 170, 180 (nur 27,5″) mm | 160 / 170 / 180 mm | 140–170 mm | 160 / 170 / 180 mm |
| Settings | CTS, LSC, LSR, Lock | HSC, LSC, HSR, LSR | Preload, LSR, C | LSC, HSC, LSR | HSC & LSC, LSR, Sub Chamber, HBO | Luftdruck, LSC, LSR |
| Federung | Dual-Chamber-V-Air | FLOAT EVOL GlideCore Air | Stahlfeder | Three-Chamber Air Spring | Coil-Spring mit Sub Chamber | AIR EQ |
| Dämpfung | CTS + Internal Floating | GRIP X2 | GRIP | TTX18 | NINEONE | RC+ |
| Laufradgrößen | 29″ | 29″ | 29″ / 27,5″ | 29″ / 27,5″ | 29″ / 27,5″ | 29″ |
| Max. Reifenbreite | 2,6″ | 2,6″ | 2,6″ | 2,6″ | 2,6″ | 2,6″ |
| Achsmaß | 15 x 110 mm Boost | 20 x 110 mm Boost | 15 x 110 mm Boost | 15 x 110 mm Boost | 15 x 110 mm Boost | 15 x 110 mm Boost |
| Bremsscheibe | PM, max. 220 mm | PM 200 mm (bis 230 mm) | PM 180–203 mm | PM 200 mm (max. 230 mm) | PM 180–203 mm (220–223 mm Adapter) | PM 203 mm (max. 220 mm) |
| Offset | 43 mm | 44 mm | 44 mm | 44 mm | 44 mm (29″) / 37 mm (27,5″) | 44 mm |
| Axle-to-Crown | 583 mm bei 170 mm | ca. 577–587 mm | ca. 580 mm | ca. 573–593 mm | 551–581 mm (je nach Travel) | 580 mm bei 160 mm |
| Gabelschaft | 1,5–1 1/8″ | 1,5–1 1/8″ | 1,5–1 1/8″ | 1,5–1 1/8″ | 1,5–1 1/8″ | 1,5–1 1/8″ |
| Casting | Aluminium | Aluminium | Aluminium | Aluminium | Aluminium | Aluminium |
| Abstreifer | Standard | Fox by SKF | Standard | Öhlins by SKF | Push ULF Seals | SKF |
| Fender | optional | optional | optional | optional | optional | Lange/kurze Version |
| Farbe | Matt Schwarz / Ultraviolet | Kashima / Schwarz | Shiny Black / Gloss Red | Gloss Black | Schwarz / Bronze Varianten | Metallic Slate; Gloss Black |
| Gewicht | 2.070 g | 2.780 g | 2.549 g | 2.313 g | 2.941 g | 2.656 g |
| Garantie | 2 Jahre + 10 Jahre Support | 2 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre | 2 Jahre |
| Preis (UVP) | ca. 1.307 € | ca. 2.400 € | ca. 999 € | ca. 1.499 € | ca. 2.399 € | ca. 899 € |
| Webseite | rideformula.com | ridefox.com | marzocchi.com | ohlins.com | pushindustries.com | srsuntour.com |
SR Suntour Durolux38 X – Unser „Raw Diamond“
Der Toyota unter den Federgabeln
Robust, verlässlich und ohne unnötigen Schnickschnack: Bei der Übergabe an unser Testteam wurde die SR Suntour DUROLUX38 X als ein „Toyota“ bezeichnet. Ein Name der im Automobil-Offroad-Bereich für einen sauberen Fertigungsprozess und maximale Belastbarkeit steht. Als „Hardcore“-Variante (38 X) ist sie ein massiver Teilnehmer in unserem Vergleichstest, der speziell für den harten Enduro-, Freeride- und E-Bike-Einsatz konzipiert wurde. Mit einem Gewicht von 2.656 g ist sie zwar kein Leichtgewicht, wandelt diese Masse aber konsequent in enorme Steifigkeit und Souveränität um, wenn das Gelände grob wird.
Technik & Historie: Fokus auf das Wesentliche
SR Suntour bricht mit dem der Idee anderer Hersteller immer mehr Knöpfe an den Topmodellen zur Verfügung zu stellen. Die RC+PCS-Kartusche bietet einen Einsteller für die Druck- und einen für die Zugstufe. Mehr gibt es nicht. Auf der Luftseite findet sich die EQ-Luftfeder (Equalizer).
Einfachheit als Konzept: Statt einer Flut an Verstellern setzt Suntour auf einen kombinierten Druckstufenknopf, der High- und Lowspeed-Druckstufe gleichzeitig beeinflusst.
Der „TAP“-Faktor: Unsere Testgabel benötigte anfangs eine Kalibrierung der Buchsen, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Hier setzt Suntour für die Zukunft auf das TAP-Verfahren (Total Alignment Process), bei dem die Buchsen bereits ab Werk perfekt im Casting ausgerichtet werden, um Reibung von vornherein zu eliminieren.
Praxis-Check & Podcast-Talk: Präzision vs. Flex
In der Konversation unseres Podcasts wurde schnell klar: Die DUROLUX38 X wird der Idee von SR Suntour in puncto Extreme gerecht. Während sie für Fahrer über der 0,1-Tonnen-Marke oder aggressive E-Biker durch ihre Bremssteifigkeit und Präzision in Steinfeldern besticht, bietet sie für leichtere Piloten eine Herausforderung.
Podcast-Takeaway: „Für Fahrer unter 75 kg kann die massive Steifigkeit fast schon zu viel des Guten sein. Hier neigt die Gabel eher zum „Deflektieren“ an Querwurzeln, statt sich dem Untergrund geschmeidig anzuschmiegen.“
Wer die Gabel jedoch mit entsprechendem Nachdruck fährt, wird mit einer Dämpfungsqualität belohnt, die nicht nur über die Progression, sondern aktiv über die Schaftgeschwindigkeit arbeitet und so wertvollen Federweg für echte Notfälle reserviert.
Einzeltest-Fazit: Performance zum Kampfpreis
Die DUROLUX38 X langweilt sich auf moderaten Flowtrails förmlich – sie verlangt nach Speed und harten Einschlägen. Wer bereit ist, auf eine Armada an Knöpfen zu verzichten, erhält eine Gabel, die in Sachen Robustheit und Dämpfung ganz vorne mitspielt. Sie ist mehr als nur ein Budget-Tipp: sie ist eine Ansage an den Wettbewerb, besonders wenn man das Preis-Leistungs-Verhältnis betrachtet.
„Verlässlich. vielleicht nicht die Leichteste. aber sie funktioniert. Einfach.“ Chris
Zum Deep-Dive: SR Suntour Durolux38 X im detaillierten Einzeltest
Höre die komplette Analyse im Podcast– (SR Suntour DUROLUX38 ab Minute 22:16)
Marzocchi Z1 Coil – Das „Down 2 Earth“-Sorglos-Paket
Einfachheit als Siegermodell
Manchmal ist einfach einfach einfacher. Die Marzocchi Z1 Coil ist die Gabel für alle, die keine Lust auf Luftdrucktabellen und Pumpen-Odysseen haben. Sie nutzt das bewährte 36-mm-Chassis von FOX und kombiniert es mit einer klassischen Stahlfeder sowie dem unkomplizierten GRIP-Dämpfer. Das Ergebnis ist eine Gabel, die für Pragmatiker und Bikepark-Dauergäste gebaut wurde, die Wert auf Performance ohne Setup-Stress legen.
Technik & Historie: Die Rückkehr der Stahlfeder
Die Z1 Coil bietet das, was Luftgabeln oft nur mühsam simulieren können: ein unnachahmliches, feinfühliges Ansprechverhalten und eine typische Stahlfeder-Federkennlinie.
Progressiver Durchschlagschutz: Da Stahlfedern bauartbedingt linear sind, nutzt Marzocchi ein cleveres System, bei dem das Luftvolumen im Casting (unterhalb der Feder) als natürlicher Endanschlagschutz fungiert. So wird ein hartes Durchschlagen effektiv verhindert.
Wartungsarmut vs. Gewicht: Mit vier verfügbaren Federhärten (für Fahrergewichte von 54 bis 114 kg) ist die Abstimmung zwar grober als bei Luft, dafür aber „set and forget“. Das Mehrgewicht der Stahlfeder (ca. 300 – 400 g) wird durch die überlegene Traktion und den minimalen Serviceaufwand mehr als wettgemacht.
Praxis-Check & Podcast-Talk: „Set and Forget“ im harten Einsatz
In unserem Podcast-Talk kristallisierte sich die Z1 als das ultimative „Arbeitspferd“ heraus. Sie macht keine Faxen und funktioniert einfach immer. Wo man den Unterschied zu den High-End-Gabeln merkt, ist der direkte Vergleich im Grenzbereich.
Podcast-Takeaway: „Die Z1 macht, was sie soll, und man kommt ohne Probleme überall runter. Im direkten Vergleich zum restlichen Testfeld ist es am Lenker auf langen Abfahrten eine Spur anstrengender, da sie in Sachen Dämpfungs-Feinheiten nicht ganz mit den absoluten Top-Modellen mithält.“
Besonders für schwere Fahrer und grobes Gelände ist sie jedoch ein idealer Partner, da das Chassis steif genug ist und sie eine souveräne Grundabstimmung bietet.
Einzeltest-Fazit: Die Wahl der Pragmatiker
Wer ehrlich zu sich selbst ist und nicht ständig an Reglern drehen möchte, findet in der Marzocchi Z1 Coil eine Gabel, die in puncto Zuverlässigkeit und Funktion selbst deutlich teurere High-End-Kartuschen alt aussehen lässt. Sie ist der Preis-Leistungs-König für alle, die „Gewicht“ für zweitrangig halten, solange die Traktion am Vorderrad stimmt.
„Es ist immer so bisserl eine Grundsatzfrage, weil federn tun sie alle, sie flubbern auch ohne den letzten Einsteller meist noch alles weg.“ – Jens
Zum Deep-Dive: Marzocchi Z1 Coil im detaillierten Einzeltest
Höre die komplette Analyse im Podcast – (Marzocchi Z1 Coil ab Minute 40:10)
Öhlins RXF38 m.3 – Das „Dark Horse“ aus Schweden
Fokus auf Traktion und Komfort
Mit der Mark III Version der RXF38 hat Öhlins den Fokus spürbar verschoben. Während die Vorgänger Generationen oft als extrem straff und rein „race-orientiert" wahrgenommen wurden, präsentiert sich die m.3 als echte Traktionsmaschine. Sie ist die Gabel für Fahrer, die maximale Bodenhaftung suchen, ohne dabei auf das typische Öhlins-Feeling zu verzichten. Wer dennoch das straffere Setting der Vorgängerin sucht, kann dies weiterhin durch interne Anpassungen realisieren.
Technik & Historie: Das Triple-Chamber-Geheimnis
Das technologische Alleinstellungsmerkmal von Öhlins bleibt das Triple-Chamber-System, das in der m.3-Version konsequent weiterentwickelt wurde:
Drei Kammern für volle Kontrolle: Neben der Positiv- und Negativkammer ermöglicht eine dritte Kammer (Ramp-up) die Justierung der Endprogression direkt über die Pumpe – ganz ohne den Einsatz von Volumenspacern (Tokens).
Verbessertes Ansprechverhalten: Durch eine vergrößerte Negativkammer klebt das Vorderrad förmlich am Boden. Ein besonderer Bonus für Individualisten: Da die Luftfeder in einer geschlossenen Patrone sitzt, können die Standrohr-Innenseiten nicht verkratzen. Ein Umbau auf Stahlfeder (Coil) ist somit jederzeit spurlos möglich. Sprich man kann auch zurück zur Luftversion, wenn gewünscht.
Praxis-Check & Podcast-Talk: Die „Ground Hugging Machine“
In der Podcast-Diskussion wurde schnell klar, dass die Öhlins eine ganz eigene Charakteristik besitzt. Sie vermittelt ein hohes Sicherheitsempfinden, fordert aber einen aktiven Fahrstil, wenn man in die Luft gehen will.
Podcast-Takeaway: „Die Gabel generiert massiv Traktion und bügelt Steinfelder gnadenlos glatt. Dieses 'Ground Hugging' sorgt dafür, dass man in verblockten Sektionen einfach die Bremse offen lassen kann. Der Preis dafür: Sie bietet bauartbedingt etwas weniger 'Pop' und Feedback als etwa eine FOX oder Push.“
Wer gerne an jeder Wurzel abzieht, muss bei der Öhlins etwas mehr Körpereinsatz investieren – wer hingegen maximale Laufruhe sucht, findet hier seine perfekte Partnerin.
Einzeltest-Fazit: Präzisionswerkzeug für Technik-Nerds
Die RXF38 m.3 ist eine Gabel für Rider, die sich gerne mit ihrem Fahrwerk auseinandersetzen wollen. Durch das Zusammenspiel der drei Kammern lässt sich die Kennlinie so fein justieren wie bei kaum einer anderen Gabel am Markt. Sie ist das ultimative Werkzeug für alle, die ein „Sofa-Feeling“ bei maximaler Kontrolle suchen und bereit sind, Zeit in das perfekte Setup zu investieren.
„Dieses Ground Hugging ... die planniert einfach durch. Also das gibt dir ein wirklich hohes Sicherheitsempfinden.“ – Chris
Höre die komplette Analyse im Podcast – (Öhlins RXF38 m.3 ab Minute 58:20)
Formula Selva V – Ein italienischer „Hidden Gem“
Die Diva mit dem breiten Stance
Die Formula Selva V ist die italienische Diva im Testfeld – und das im bestmöglichen Sinne. Während der Trend unaufhaltsam zu immer massiveren Standrohren geht, beweist Formula mit 35 mm, dass wahre Stabilität woanders entsteht. Durch die markante, breite Bauweise der Gabelkrone (breiter Stance) bietet sie eine ganz eigene Balance zwischen Präzision, Nachgiebigkeit und erhöhtem Grip. Ihr niedriges Gewicht und die Möglichkeit eine hohe Agilität ohne Abstriche bei der Kontrolle zu entlocken, kann beeindrucken.
Technik & Historie: Das Baukasten-Prinzip (CTS & Neopos)
Formula verfolgt einen konsequent modularen Ansatz, der die Selva zu einer der anpassungsfähigsten Gabeln am Markt macht:
CTS (Compression Tuning System): Das Herzstück der Dämpfung. Statt nur an Rädchen zu drehen, erlaubt Formula den Tausch des gesamten Druckstufen-Ventils innerhalb weniger Minuten. Mit sieben verschiedenen Ventilen – von „Super Soft“ bis „E-Bike Racing“ – lässt sich der Grundcharakter der Gabel grundlegend verändern.
Neopos-Technologie: Diese speziellen Schaumstoff-Volumenspacer arbeiten in der Luftkammer. Im Gegensatz zu festen Plastik-Tokens komprimieren sie sich unterschiedlich schnell, je nach Schlaggeschwindigkeit. So sorgen sie für eine linearere Progression im mittleren Federweg, während sie bei harten Durchschlägen den nötigen Support bieten.
Praxis-Check & Podcast-Talk: Ein Paradies für Individualisten
In unserem Podcast wurde deutlich: Die Selva V ist kein Produkt von der Stange, das man einfach einbaut und vergisst. Sie ist eine Einladung, sich mit der eigenen Fahrweise auseinanderzusetzen.
Podcast-Takeaway: „Die Selva ist eine Gabel für Individualisten. Man muss bereit sein, Zeit in das Setup und die CTS-Optionen zu investieren. Wer das tut, wird mit einer Leichtfüßigkeit belohnt, die im 38er-Segment selten geworden ist. Wer jedoch nur „draufsitzen und losfahren“ will, läuft Gefahr, in einem Setup steckenzubleiben, das möglicherweise gar nicht zum eigenen Fahrstil passt.“
Einzeltest-Fazit: Maßgeschneiderte Performance
Die Selva V blickt auf Jahre der Evolution zurück. Sie beweist, dass cleveres Engineering schwere Geschütze ersetzen kann. Wer die Muße besitzt, die CTS-Einsätze und Neopos-Kombinationen zu testen, erhält ein Fahrwerk, das exakt auf die persönlichen Vorlieben maßgeschneidert ist. Ein echtes „Hidden Gem“ für Kenner, die Wert auf Agilität und technische Anpassbarkeit legen.
„Wenn du dir da die Zeit rein investierst, wirst du auf jeden Fall belohnt mit einer sehr gut funktionierenden Gabel, genauso wie du es eigentlich magst.“ Chris
Höre die komplette Analyse im Podcast – (Formula Selva V ab Minute 47:40)
FOX Podium – „Tipp E-Bike“ Ein Statement auf den Kopf gestellt
Evolution und ein neuer Ansatz in einer Gabel
Die FOX Podium ist eine radikale Erscheinung und das Ergebnis einer langen Entwicklungsgeschichte. 14 Jahre nach den ersten Prototypen bringt FOX eine Single-Crown Upside-Down-Gabel in Serie, die optisch wie technisch neue Maßstäbe setzt. Mit massiven 47-mm-Außenrohren direkt unter der Krone ist sie nicht nur ein Hingucker, sondern die perfekte Ergänzung für moderne, wuchtige E-Bike-Rahmen und Heavy-Duty-Enduros.
Technik & Historie: Das Upside-Down-Prinzip neu gedacht
Das USD-Konzept der Podium bricht mit dem Standard-Design und nutzt physikalische Vorteile konsequent aus:
Permanente Schmierung: Da die Gabel „auf dem Kopf“ steht, befinden sich die Dichtungen und Buchsen im permanenten Ölbad. Das Resultat ist ein extrem sensibles Ansprechverhalten, das herkömmliche Bauweisen oft in den Schatten stellt.
Maximale Steifigkeit an den Kraftpunkten: Die höchsten Biegekräfte treten bei einer Federgabel direkt an der Krone auf. Genau dort sitzen bei der Podium die dicksten Rohre. Ihr Bushing-Overlap ist hoch, wodurch sie in jeder Situation sauber arbeiten kann
Innenleben der nächsten Generation: Im Inneren arbeitet bereits die neue GRIP X2-Kartusche, die auch das Herzstück der aktuellen 2027er Modelle wie der FOX 38 (Einzeltest FOX 38 lesen) bildet.
Praxis-Check & Podcast-Talk: Ruhe und Grip im Grenzbereich
In der Podcast-Runde wurde vor allem über das einzigartige Fahrgefühl diskutiert. Die Podium „plowt“ (pflügt) souverän durch schweres Gelände und lässt sich auch von harten Schlägen nicht aus der Ruhe bringen.
Podcast-Takeaway: „Die oft kritisierte mangelnde Torsionssteifigkeit von USD-Gabeln war im Testalltag kaum ein Thema. Im Gegenteil: Die Gabel generiert in extremer Schräglage massiv Grip, da sie minimale, kontrollierte Verwindungen zulässt, die das Vorderrad ungestört durch Steinfelder führt. Mit knapp 2.780 g ist sie ein Schwergewicht, das aber perfekt zum Systemgewicht eines E-MTBs passt.“
Einzeltest-Fazit: High-End für schwere Einsätze
Die FOX Podium ist kein Spielzeug, sondern ein Statement. Sie bietet eines der sensibelsten Ansprechverhalten am Markt und eine Optik, die polarisiert. Zwar sind Wartungsaufwand und Komplexität systembedingt etwas höher, doch das Fahrgefühl ist einzigartig. Wer das Maximum an Style und Performance für sein E-Bike sucht, kommt an der Podium nicht vorbei.
„Sie ist geil! [...] massiv, passt wahnsinnig gut zu voluminösen Carbonrahmen, zu voluminösen E-Bikes.“ – Jens
Höre die komplette Analyse im Podcast – (FOX Podium ab Stunde 1:14:50)
Push Industries Nine.One V2 – Das „Chef’s Kiss“-Meisterwerk
Wenn Perfektion keine Preisfrage ist
Wenn Geld eine untergeordnete Rolle spielt und nur die absolute technische Perfektion zählt, führt dich dein Weg zu Push Industries. Die Nine.One V2 ist weit mehr als ein Serienprodukt – sie ist ein in Handarbeit in Colorado gefertigtes Luxusteil für Vollblut-MTB-Nerds. Wer hier investiert, zahlt nicht nur für Hardware, sondern für maximale Kundennähe, einen exzellenten Service und eine individuelle Custom-Abstimmung, die ab Werk präzise auf das Fahrergewicht und den persönlichen Fahrstil zugeschnitten wird.
Technik & Historie: Die Symbiose aus Stahl und High-Tech
Push kombiniert das unvergleichliche Gefühl einer Stahlfeder mit hochkomplexen Dämpfungs-Features, die technische Maßstäbe setzen:
Das Sub-Chamber-System: Das absolute Highlight ist die „Sub-Chamber“. Sie fungiert als simpel zuschaltbarer Durchschlagschutz und erlaubt eine feine Anpassung der Federkennlinie, ohne das sensible Ansprechverhalten der Stahlfeder zu beeinträchtigen.
Hydraulischer Durchschlagschutz (HBO): Ergänzend zur Sub-Chamber sorgt ein via Dämpferpumpe feinjustierbarer, hydraulischer Endanschlag für eine „sanfte Ankunft“ am Federwegsende – selbst bei den härtesten Landungen und massivsten Kompressionen.
Präzision im Detail: Von den spezialgefertigten Gleitbuchsen bis hin zur Dämpfungsarchitektur ist jedes Bauteil auf maximale Performance und minimale Reibung getrimmt.
Praxis-Check & Podcast-Talk: Der neue Goldstandard
In unserer Podcast-Analyse kristallisierte sich die Nine.One schnell als die Benchmark des gesamten Testfelds heraus. Sie verschiebt die Grenzen dessen, was man von einer Federgabel an Laufruhe und Traktion erwarten kann.
Podcast-Takeaway: „Die Push ist der neue Goldstandard. Die Kombination aus Stahlfeder-Sensibilität und dieser hochkomplexen Dämpfung lässt den Fahrer schlicht vergessen, dass er gerade durch ein verblocktes Steinfeld pflügt. Der größte Aha-Effekt: Man muss nicht mehr aktiv gegen Linien kämpfen – die Gabel erledigt die Arbeit für dich. Die Bandbreite zwischen sattem Fahrverhalten und der Möglichkeit sie trotzdem leicht vom Boden zu bekommen, ist beeindruckend.“
Einzeltest-Fazit: Ein Luxusgut mit Substanz
Mit einem Preis von ca. 2.400 Euro markiert die Nine.One das obere Ende der Fahnenstange. Doch hinter dem hohen Preis steht eine Substanz, die kein Großserienhersteller in dieser Form bieten kann. Sie liefert ein Niveau an Individualisierung und Support, das sie zur ultimativen Wahl für Fahrer macht, die das maximal Machbare suchen. Wer bereit ist, für Perfektion zu zahlen, findet hier sein Traum-Fahrwerk.
„Der größte Aha-Effekt an der Push ist, dass du nicht mehr gegen Linien kämpfen musst.“ Yannick
Zum Deep-Dive: Push Industries Nine.One im detaillierten Einzeltest
Höre die komplette Analyse im Podcast– (Push Industries Nine.One V2 ab Stunde 1:38:42)
Das Fazit des Test-Teams: Setup ist alles
Unser aktueller Vergleichstest macht es wieder einmal deutlich: In der heutigen Zeit gibt es kaum noch „schlechte“ Federgabeln. Das, was die Federgabeln so auf dem Trail abliefern, liegt auf einem Level so hoch wie nie zuvor. Der wahre Schlüssel zur Performance liegt nicht darin, die Karte durchzuziehen und das Topmodel zu kaufen. Jedes Produkt, und sei es noch so simpel, kann mit einem korrekten Setup, passend zum eigenen Fahrergewicht und Fahrstil, viel Spaß bereiten.
Innovation abseits der Giganten
Es ist auffällig, dass insbesondere die kleineren Hersteller und „Boutique-Brands“ die technologische Innovation massiv vorantreiben. Individuelle Lösungen wie das Formula CTS, die Push Sub-Chamber, hydraulische Endanschläge oder die werkzeuglose Progressionsanpassung via Luftdruck (Öhlins) zeigen, dass es abseits der großen Player maßgeschneiderte Antworten auf spezifische Anforderungen gibt.
Optimierung statt Neukauf
Parallel dazu hat sich eine hochprofessionelle Service- und Tuning-Szene etabliert. Sie sorgt nicht nur dafür, dass bestehende Fahrwerke wieder ihre volle Leistung bringen, sondern ermöglicht durch interne Anpassungen (Custom Tuning) eine Performance, die oft weit über den Serienzustand hinausgeht. Das Angebot am Markt war selten so spannend und vielfältig wie heute.
In den letzten Jahren haben sich eine Vielzahl an kompetenten Suspensioncentern mit dem Thema „individuelles Tuning“ ein weiteres Standbein geschaffen. Wobei man hier natürlich auch wissen muss, dass „Tuning“ kein wirklich hart definierter Begriff ist.
Größtenteils versteht man darunter, gebrauchte Gabeln mit den neuesten Technologien des eigentlichen Herstellers upzudaten. Das wäre in etwa vergleichbar mit einem kompletten Betriebsprogrammupdate bei deinem in die Jahre gekommenen Laptop. Die Hardware bleibt gleich, aber die Abläufe in der Software sind effizienter, schneller und „smoother“.
Beispiele: Rockshox Charger 3 zu 3.1, Fox Grip/Grip2 mit aktuelleren Shimstacks, Öhlins RXF38 m.2 zu m.3.
Die nächste Stufe Laptop-Tuning wäre dann ein Upgrade des Arbeitsspeichers, der bei Federgabeln oft in Form eines Austauschs der kompletten Dämpfungskartusche besteht. Hier kommt Originalware genauso zum Einsatz wie Zubehörware.
Beispiele Original: Rockshox Charger 2 zu Charger 3.1 oder Fox Grip/Grip2 zu GripX/GripX2
Beispiele Zubehör: MRP Lift, FAST Suspension, Avalanche Racing
Zwischen diesen beiden „einfachen“ Tuningmöglichkeiten besteht eine riesige Grauzone, in der sich eine Vielzahl an Herstellern und weitere Optionen tummeln: Vorsprung Smashpot-Stahlfedersystem, Vorsprung Luftkappe/Secus, RampAir-Progressionsverstellung, M-Suspensiontech-Tuningkits, FluidFocus-Tuningkits, WPS-Tuningkits und noch einige bzw. viele mehr.
Die wahre Kunst eines Tuners besteht darin, den Kunden und seine Bedürfnisse genau zu verstehen, kompetent zu beraten und auch vor möglichen teuren Fehlgängen zu schützen. Hier ist technisches Wissen genauso gefragt wie Empathie. Traut euch, euer individuelles Problem zu schildern, und die Chancen stehen gut, ein „Custom-Tuning“ zu bekommen, das eure „Alte“ weit besser funktionieren lässt als „the latest and greatest“.
Aller Anfang sollte aber immer ein Komplettservice sein, denn das ist die essenzielle Grundlage, bevor man im Kaninchenbau Tuning abtaucht.
Das abschließende Wort unserer Tester:
„Wenn die Federgabel nicht gut funktioniert, dann seid ihr unzufrieden. [...] Probiert erst einmal das, was ihr bereits habt, wirklich perfekt einzustellen.“
Du willst tiefer in die Materie?
Höre hier die gesamte Podcast-Episode mit allen Details zum Vergleichstest
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Autor – Jens Staudt
Größe: 191 cm
Gewicht: 103 kg
Fahrstil: Mit seinem Race-Hintergrund sind die Linien geplant, auch wenn es mal rumpelt. Wenn möglich, werden Passagen übersprungen. Die ganze Breite eines Trails sollte man nutzen. Andere würden sagen – kompromisslos.
Motivation: Ein Produkt sollte sorgenfrei und möglichst lange funktionieren. Wenn man weniger schrauben muss, kann man mehr fahren. Er bastelt gerne und schaut, wie das Bike noch optimiert werden kann.

