Test: Öhlins RXF38 m.3 Air
Lesezeit: 9 Minuten
Öhlins ist bekannt für feine Fahrwerkskomponenten. Der schwedische Spezialist, tief verwurzelt im Motorsport, überträgt seit Jahren sein Know-how in die MTB-Welt. Mit der RXF38 m.3 Air präsentieren sie eine Federgabel für die Extreme: Enduro, E-Enduro und Freeride. Mit dem Update auf die m.3 soll sie jedoch nicht mehr ganz so Race-orientiert sein wie ihr Vorgänger. Die Federgabel sticht mit ihrem Twin-Tube-Design und einem Drei-Kammer-Luftsystem aus der Masse heraus.
Welche Möglichkeiten bietet das? Wie macht man das Setup? Und welche Updates gibt es von der m.2-Version auf die neue m.3? Wir haben die Gabel für euch getestet und die Technik dahinter erklärt.
Steckbrief Öhlins RXF38 m.3 Air
| Einsatzbereich | Trail / Enduro / eMTB |
| ⌀ | 38 mm |
| Federweg | 160 / 170 / 180 mm |
| Settings | LSC, HSC, LSR |
| Federung | Drei-Kammer-Luftfeder |
| Dämpfung | TTX18 |
| Laufradgrößen | 29″ / 27,5″ |
| Max. Reifenbreite | 2,6″ |
| Achsmaß | 15 x 110 mm Boost |
| Bremsscheibe | PM 200 mm (max. 230 mm) |
| Offset | 44 mm |
| Axle-to-Crown | ca. 573–593 mm |
| Gabelschaft | 1,5–1 1/8″ |
| Casting | Aluminium |
| Abstreifer | Öhlins by SKF |
| Fender | optional |
| Farbe | Gloss Black |
| Gewicht | 2.313 g |
| Garantie | 2 Jahre |
| Preis (UVP) | ca. 1.499 € |
| Webseite | ohlins.com |
TECHNISCHE INFORMATIONEN Öhlins RXF38 m.3 Air
Öhlins RXF38 m.3 Air – Chassis
Die Basis der RXF38 m.3 bildet ein Chassis, das auf ordentlich Steifigkeit bei kontrolliertem Gewicht ausgelegt ist. Die massiven 38 mm Standrohre sind aus einer speziellen Aluminiumlegierung gefertigt und in der bewährten Öhlins-Gabelkrone eingespannt. Das Casting wird aus leichtem Magnesium gefertigt. Damit ist sie auf harte Belastungen im Bikepark, auf Enduro-Trails sowie am E-MTB ausgelegt und die massivste Öhlins-Gabel im Single-Crown-Bereich.
Neu am Chassis der m.3 ist die optimierte Beschichtung der Gleitflächen – zusätzliche Bearbeitungsschritte sollen die Oberfläche noch reibungsarmer machen.
Die schwimmend gelagerte Steckachse kommt im modernen 15 x 110 mm-Boost-Standard daher und wird zur sicheren Fixierung von der rechten Seite eingeführt, angezogen und anschließend mit einer zusätzlichen Schraube gesichert, um Nabentoleranzen auszugleichen.
Neu an der m.3 ist die optimierte Beschichtung der Gleitflächen für eine geringere Reibung. Das Casting bleibt unverändert.
Die Bremsscheibenaufnahme ist für 200 mm Scheiben vorgesehen. Mit Adaptern kann man die Bremspower nach oben schrauben. Scheibengrößen bis zu maximal 230 mm sind erlaubt.
Ein optionales Feature für alle, die gerne auf einen Fender setzen: Die RXF38 m.3 verfügt über Bohrungen an der Rückseite der Brücke. Allerdings beschränkt sich die Auswahl hier auf Drittanbieter-Lösungen, da Öhlins selbst keinen Fender anbietet. Mudhugger bietet zum Beispiel einen passenden Adapter für ihren Fender an.
Bremsscheibenaufnahme für 200 mm Scheiben. Maximal sind 230 mm möglich.
Mit drei Schrauben können Drittanbieter-Fender nachgerüstet werden.
Öhlins RXF38 m.3 Air – Luftfeder
Die Öhlins RXF38 m.3 gibt es sowohl mit Luft- als auch mit Coilfeder. In unserem Test beziehen wir uns rein auf die Luft-Version. Wer zwischen den beiden Glaubensrichtungen unschlüssig ist, kann seine Luftversion der Gabel mit einem Umrüstkit auch später noch auf Coil umrüsten.
Bei unserer Test-Gabel arbeitet auf der linken Seite die Luftfeder-Einheit. Das Herzstück ist ein Drei-Kammer-Luftfeder-System, das sich von den überwiegend verbreiteten Zwei-Kammer-Designs abhebt. Die komplette Lufteinheit ist ein in sich gekapseltes System und arbeitet damit frei vom Chassis-Flex. Die Haupt-Luftkammer besteht aus einer Positiv- sowie Negativkammer, die Ramp-Up-Luftkammer ist somit die dritte Kammer, über die sich die komplette Kennlinie und die Endprogression anpassen lassen.
Bei der RXF38 gibt es ein Ventil für die Hauptkammer …
und ein Ventil für die Ramp-Up-Kammer.
Befüllt man die Hauptkammer über das Ventil auf der rechten Gabel-Oberseite, findet über einen Bypass, der zwischen positiver und negativer Luftkammer sitzt, ein automatischer Ausgleich statt. Das sorgt laut Hersteller für ein ideal aufeinander abgestimmtes Druckverhältnis.
In der Negativ-Luftkammer gab es von m.2 auf m.3 ein Update. Die vorherige RXF38 wurde als pure Enduro-Race-Gabel entwickelt. Sie hatte einen kleinen Spacer in der negativen Kammer – von diesem verabschiedete sich Öhlins mit der m.3-Version. Mit Spacer war die alte Gabel auf den ersten Millimetern des Federwegs zwar sehr sensibel, bot danach aber deutlich mehr Gegenhalt, um einen aggressiven Racing-Fahrstil zu unterstützen. Das Feedback von vielen Fahrern war, dass es hier auf langen Abfahrten zu anstrengend am Lenker wurde – Öhlins reagierte entsprechend. Durch die vergrößerte Kammer erhält man nun eine sensiblere Gabel mit einem komfortableren Verhalten.
Das hier gezeigte Schnittmuster ist von der m.2-Version. Der weiße Bereich in der Negativ-Luftkammer ist der beschriebene Spacer.
Die dritte Kammer, die Ramp-Up-Kammer, bietet da, wo andere Hersteller nur auf Kunststoff-Spacer zur Verkleinerung der Hauptkammer die Progression erhöhen, deutlich mehr Spielraum. Sie ist mit einem eigenen Ventil an der linken Unterseite der RXF38 ausgestattet. Die Ramp-Up-Kammer arbeitet mit einem deutlich höheren Druck als die Hauptkammer. Steigt der Druck in der Hauptkammer, setzt sich der Ramp-Up-Kolben in Bewegung. Je mehr Luft man hier einfüllt, desto stärker wird die Progression im Federweg.
Das hier gezeigte Schnittmuster ist von der m.2-Version.
Wie auch in der Negativ-Luftkammer wurde das Volumen der Ramp-Up-Luftkammer optimiert. Jedoch wurde sie am unteren Ende mit drei Gummi-Spacer auf einem Bereich von insgesamt 93 mm verkleinert anstatt vergrößert. Durch die Gesamtüberarbeitung der Gabel wurde die Progressionskurve von Öhlins angepasst.
Die nachfolgende Grafik stammt aus dem Blister Review:
Blau = m.3-Kennlinie I Gelb = m.2-Kennlinie
Für alle, die in der m.3. lieber das stramme Race-Setting der Vorgängerin bevorzugen, gibt es die Möglichkeit, über das Öhlins-Servicecenter (in Deutschland MRC Trading) die Abstimmung anpassen zu lassen.
Öhlins RXF38 m.3 Air – Dämpfung
Wie bei der Luftfeder hat Öhlins auch bei der m.3-Dämpfung das grundlegende Design nicht geändert. Auf der rechten Gabelseite verbirgt sich die TTX18-Dämpfungs-Kartusche. TTX steht für Twin Tube Technology, ein Erbe aus dem Motorsport, das Öhlins konsequent weiterentwickelt hat. Im Gegensatz zu Mono-Tube-Bauweisen fließt das Öl hier durch zwei konzentrisch angeordnete Rohre. Das soll für eine konstante Dämpfungsleistung sorgen – selbst unter extremer Hitzeentwicklung bei langen Abfahrten. Kavitation, also das unkontrollierte Aufschäumen des Öls, möchte man hier effektiv verhindern.
Für die Druckstufe finden sich zwei externe Einsteller an der rechten Gabel-Oberseite. Die Low-Speed-Compression stellt 16 Klicks zur Verfügung und die High-Speed-Compression kommt mit 3 Positionen aus. Es gibt noch eine vierte Position (vollständig im Uhrzeigersinn), die eine Lock-Out-ähnliche Plattform für Uphills bietet.
Die Zugstufe verfügt über 16 Klicks, um die Ausfedergeschwindigkeit entsprechend anzupassen.
Blauer Regler = LSC. Schwarzer, äußerer Regler = HSC.
Goldener Rebound-Knopf am linken Gabelbein.
Was ist dann neu an der m.3-Kartusche?
Die RXF38 m.3 erhält einen neuen Shim-Tune mit einer leichteren Druckstufen-Abstimmung. Durch die Anpassung der Kennlinie und Endprogression über die Ramp-Up-Kammer, benötigt man weniger Dämpfung. Hier arbeitet jetzt die C30-Variante anstelle der C40-Version. Die Infos und die zugehörige Grafik stammen aus dem Blister Review:
Setup der Öhlins RXF38 m.3 Air
Eine Setup-Tabelle findet man an der Rückseite des rechten Gabelbeins. Laut Handbuch empfehlen die Schweden einen Sag von 10–15 %, doch am besten richtet ihr euch zuerst einmal nach der aufgeklebten Tabelle – das entspricht ca. 20 % Sag.
| Fahrergewicht | Hauptkammer | Ramp-Up-Kammer |
|---|---|---|
| 50-60 kg (110-132 lbs) | 70-80 psi | 160-170 psi |
| 60-70 kg (132-154 lbs) | 80-90 psi | 170-180 psi |
| 70-80 kg (154-176 lbs) | 90-100 psi | 180-190 psi |
| 80-90 kg (176-198 lbs) | 100-110 psi | 190-200 psi |
| 90-100 kg (198-220 lbs) | 110-120 psi | 200-210 psi |
| 100-110 kg (220-243 lbs) | 120-130 psi | 210-220 psi |
| 110-120 kg (243-265 lbs) | 130-140 psi | 220-230 psi |
Yannick landete mit ca. 74 kg bei 94 psi in der Hauptkammer und 195 psi in der Ramp-Up-Kammer. Damit liegt er beim Main-Luftdruck exakt bei der Herstellervorgabe, geht aber für etwas mehr Durchschlagschutz mit dem Ramp-Up-Druck nach oben.
Wichtig, um eine korrekte Funktion zu erhalten: Zuerst die Ramp-Up-Kammer an der linken Unterseite der Gabel mit dem Druck befüllen. Anschließend die Hauptkammer auf der linken Oberseite befüllen. Ein Druckausgleich durch mehrmaliges Einfedern ist nicht nötig, da sich die Positiv- und Negativkammer in der Main-Einheit über den Bypass automatisch ausgleichen.
Hat man das Gefühl, dass nach dem Befüllen der Kammern die Gabel nicht die korrekte Länge eingenommen hat oder man es einfach kontrollieren möchte, kann man die folgenden Werte prüfen:
| Federweg (mm) | Abstreifring bis Gabelkrone (mm) | Achse bis Gabelkrone (mm) |
|---|---|---|
| 160 | 162 | 573 |
| 170 | 172 | 583 |
| 180 | 182 | 593 |
Stimmt die Länge nicht, muss man manuell nachhelfen. Ziehe dafür den Lenker ca. 10 Mal nach oben, während eine andere Person das Vorderrad auf dem Boden hält, bis die Gabel ihre ursprüngliche Länge wieder erreicht hat.
Erhält man zu viel Sag, pumpt man etwas mehr Luft in die Hauptkammer. Bei zu wenig Sag, lässt man dort Luft ab. Bei großen Luftdruckänderungen von mehr als 10 psi (in der Haupt- oder Ramp-Up-Kammer) sollte man zuerst die komplette Luft aus der Hauptkammer ablassen und anschließend wieder mit der Druckänderung in der Ramp-Up-Kammer beginnen.
Die High-Speed-Compression regelt ein Spezialventil mit Öhlins-Patent, das kaum ein anderer Hersteller so nutzt. Die Low-Speed-Compression liegt im Verstellbereich immer gut zwischen den drei HSC-Positionen. In der Praxis kann man sagen, dass man fünf Klicks LSC rausdrehen kann, wenn man einen Klick HSC reindreht. Für die meisten Fahrer ist es ein guter Startpunkt, mit einem Klick HSC (im Uhrzeigersinn) zu starten.
Durch die großen Stufen der High-Speed-Druckstufe lässt sich schnell eine gute Balance zum Hinterbau finden. Aufgrund der Twin-Tube-Bauweise und wie sich die Gabel auf dem Trail anfühlt, kann es zur Herausforderung werden, eine Öhlins-Federgabel passend zu einem „Nicht“-Öhlins-Dämpfer abzustimmen. Wer hier Wert auf das gleiche Feeling legt, sollte darüber nachdenken, das gesamte Fahrwerk von Öhlins zu beziehen.
Luftdruck-Angaben in Abhängigkeit zum Fahrergewicht findet man auf der Casting-Rückseite. Der Main-Chamber druckt passte ziemlich gut, dafür gingen wir mit dem Ramp-Up-Druck nach oben.
Ramp-Up-Kammer vs. Volumenspacer
Mit der Ramp-Up-Kammer verzichtet Öhlins auf klassische Volumenspacer. Die Ramp-Up-Funktion gab es bereits bei der m.2-Version und ist somit keine neue Technik. Bei der m.3 haben die Schweden zwar das Volumen dieser Kammer verkleinert, um die Progression etwas zu erhöhen, jedoch lässt sie sich immer noch separat zur Main-Luftkammer anpassen.
Die Möglichkeit, den Ramp-Up-Luftdruck unabhängig vom Grunddruck in der Hauptkammer einzustellen, erlaubt ein sehr feines Tuning des Durchschlagschutzes – das wäre mit herkömmlichen Volumenspacer so nicht möglich. So sollen sich auch große Hucks oder tiefe Drops sicher abfedern lassen, ohne dass die Gabel im mittleren Federwegsbereich zu zickig wird.
Eine weitere Neuerung befindet sich am Ende der Dämpfungs-Kartusche – der sogenannte „Spring Booster“. Dieses zusätzliche Bauteil nutzt die im Casting eingeschlossene Luft unterhalb der Kartusche für einen kleinen, zusätzlichen Durchschlagschutz. Die Luftmenge ist fest definiert und kann weder angepasst, noch abgeschaltet werden.
Durch die Optimierung der Ramp-Up-Kammer sowie das Hinzufügen des Spring Boosters wurde die Progressionskurve an die Gesamtüberarbeitung der RXF38 m.3 Air angepasst.
Informationen zur Funktion und Kennlinie gibt es bei den technischen Informationen unter dem Punkt „Öhlins RXF38 m.3 Air – Luftfeder“.
Öhlins RXF38 m.3 Air Steckachse und Vorderrad einbauen
Die schwimmend gelagerte 15 x 110 mm-Boost-Steckachse soll bei richtiger Verwendung dafür sorgen, dass sich die Gabel beim Laufrad-Einbau nicht verspannt und Nabentoleranzen ausgleicht.
Korrekte MONTAGE DER 15 x 110 MM-BOOST-STECKACHSE
Das Vorderrad in die Ausfallenden einsetzen und die Achse durch das rechte Ausfallende und die Nabe schieben.
Steckachse mit einem 5 mm Sechskantschlüssel anziehen (6 Nm).
Federgabel ein paar Mal durchfedern.
Klemmschraube auf der Antriebsseite mit einem 5 mm Sechskantschlüssel festziehen (6 Nm).
Damit nichts schiefgeht, stehen die Anzugsdrehmomente auf der Achse und Gabel.
Auf dem Trail
Um auf den Trail zu starten bzw. um auf dem Trail richtig Gas zu geben, kann es etwas länger dauern als mit einer simpleren Federgabel. Um das richtige Setup zwischen Main- und Ramp-Up-Kammer in Kombination mit der Druckstufe zu finden, sollte man ein paar Runs (am besten im Bikepark) einplanen. Kleine Luftdruckänderungen, vor allem in der Hauptkammer, haben einen großen Einfluss auf der Strecke.
Nimmt man sich allerdings die nötige Zeit, wird man mit einer auf seine Bedürfnisse fein abgestimmten Federgabel belohnt. Etwas weniger Luftdruck in der Hauptkammer für ein sensibleres Ansprechen und mehr Grip auf dem Trail. Etwas mehr Luftdruck in der Hauptkammer, um höher im Federweg zu stehen. Die Abstimmung der Ramp-Up-Kammer funktioniert wirklich gut und man spürt, wie mit steigendem Luftdruck auch der Gegenhalt zunimmt, ohne Sensibilität im ersten Federwegsbereich einzubüßen.
Beim Hauptkammer-Luftdruck landeten wir ziemlich genau bei der Öhlins-Vorgabe, während wir den Druck in der Ramp-Up-Kammer Stück für Stück erhöhten. Bekommt man einen großen Schlag von beispielsweise einem sehr stumpfen Drop durchgereicht und erreicht das Federwegsende, wird man das mit der Öhlins nicht nur spüren, sondern auch hören. Es macht sich ein metallisches, unangenehmes „Klong“ bemerkbar. Befindet man sich auch nur einen Millimeter vor diesem Punkt, wird der Schlag sanft abgedämpft. Hier gilt es für den einen Prozent der Fälle, eine gute Balance zu finden, die zum persönlichen Fahrstil passt.
Hat man die Federkennlinie im Griff, kann man sich dem Feintuning der Druck- und Zugstufe widmen. Wir haben es im technischen Bereich beschrieben: Öhlins hat vergleichsweise wenige Klicks auf der Highspeed-Druckstufe. Man sollte sich hier so orientieren, dass man die Lowspeed-Druckstufe zuerst zudreht, dann, wenn man am Ende ihres Einstellbereichs ankommt, einen Klick Highspeed-Druckstufe zudreht und die Lowspeed-Druckstufe wieder herausdreht. Immer noch zu wenig Dämpfung? Dann wiederholt man das gleiche Spiel von vorn.
Die Luftseite hat durch ihre Architektur und individuelle Philosophie bereits das Potenzial, eine wirklich starke Grundlage für ein gutes Fahrgefühl auf dem Trail zu bieten. Für die meisten Anwender wird sich der gegenüber den anderen Suspension-Herstellern, grob gerasterte Einstellbereich, als Segen erweisen. Absolute Nerds werden vielleicht den Klick dazwischen vermissen.
Hat man sich auf die RXF38 eingewöhnt, so belohnt sie den Zeitaufwand mit ordentlich Grip. Das war der herausragendste Testeindruck aller Fahrer. Das steife Chassis hilft, Lenkimpulse direkt zu übertragen, während die Federgabel den Boden kontrolliert.
Was im normalen Fahrbetrieb und auch bei schnellen, rumpeligen Sektionen auf dem Boden gut funktioniert, fordert beim Abziehen an Kanten und Sprüngen seinen Tribut. Wer sich gerne mal mit dem Fahrwerk hilft, indem er vor einer Kante oder in einer Kompression das Fahrwerk aktiv von oben komprimiert, um mithilfe der Zugstufe „Pop“ zu generieren, wird nicht das bekommen, was andere Hersteller bieten. Es ist schlicht eine Philosophiefrage – hier liegt die Stärke und der Schwerpunkt bei Öhlins auf dem Grip und der Bodenverbundenheit.
So erwischten wir uns im Laufe des Testings, wie wir Sprünge lieber wegdrückten als aktiv abzuziehen. Der spezielle Shim-Tune von Öhlins und die vergrößerte Negativ-Luftkammer verringern den Gegenhalt beim Vorladen der Federgabel. Relevant für eher aktive Fahrer. Dafür klebt die RXF38 m.3 gut am Boden und überzeugt mit Grip. Bei gröbsten Unebenheiten arbeitet sie unaufgeregt und hält die Linie. Gleichzeitig ist sie steif genug, um bei schnellen Geschwindigkeiten und hartem Geschepper nicht aus der Ruhe zu kommen wie auch ihre Lenkpräzision zu bewahren.
Technischer Bericht
Zu Beginn hatten wir einen holprigen Start mit der RXF38 m.3. Wie aus dem Nichts gab die Gabel während des Fahrens mehr Federweg frei und verlor an Präzision und sackte in sich zusammen. Die Ursache war ein kleiner, scharfer Grat am Bypass, der zum Ausgleichen der Positiv- und Negativ-Luftkammer dient. Dieser Grat beschädigte eine Gummidichtung, was das beschriebene Problem hervorrief.
Wir schickten die Gabel ein und MRC Trading behob das Problem – seitdem funktioniert die RXF38 einwandfrei. Im Nachgang zu unserem Test wurde nun ein Spezialwerkzeug eingeführt, das genau dieses Problem in Zukunft beheben soll.
Hier das offizielle Statement von Öhlins:
Thank you for sharing the detailed feedback regarding the incident during your testing of the RXF38 m.3. We take all field feedback very seriously, especially when it relates to rider safety and product performance.After the fork was returned to MRC, our authorized service partner, it was disassembled, honed and checked during an initial inspection. During a subsequent and more detailed assessment, a sharp edge at the transfer port was identified. The sharp edge can damage the seal and lead to a reduction of support, as described.
As part of our continuous quality assurance process, we have:
- issued a service bulletin to all authorized service centers, defining an additional inspection and rework step at the transfer port if a new air spring loses pressure in the main chamber.
- implemented additional quality control measures within our production process to further reduce the likelihood of this issue occurring.
In your case, the air unit was reworked according to the latest specifications and subjected to a full functional and quality check prior to being returned, ensuring full compliance with our standards.
We appreciate your open and professional communication, as well as your technically well-founded approach to product testing. We value technically grounded feedback and constructive dialogue as an important part of our product development process. Should you wish to discuss the topic further or review the measures taken in more detail, we would be happy to arrange a technical exchange.
– Karl Szmechel, Sales & Marketing MTB
Wie sieht das ideale Anwenderprofil für die Öhlins RXF38 m.3 Air aus?
Dass man beim Setup-Prozess zwei anstatt nur einer Luftkammer korrekt befüllen muss, sollte man auf dem Schirm haben. Wer gerne an seiner Gabel tüftelt und Zeit investieren möchte, um das Verhältnis aus Sensibilität, Grip und Gegenhalt ideal auf seine Bedürfnisse abzustimmen, wird mit der Öhlins RXF38 m.3 einen zuverlässigen Partner an seiner Seite bekommen.
Mit viel Input beim Abziehen geht die Öhlins auch in die Luft, wird aber wahrscheinlich die Fahrer glücklicher machen, die eher auf dem Boden bleiben wollen. Hier fühlt sich die RXF38 m.3 wohl und bereitet Freude beim Hacken durch Steinfelder. Durch die Anpassung der Negativ-Luftkammer ist die RXF38 m.3 komfortabler als ihr Vorgängermodell und holt die Fahrer ab, die die m.2 zu anstrengend empfanden.
FAZIT
Öhlins verlagert das Anwenderprofil der RXF38 m.3 etwas weg vom reinen Racer als Zielgruppe und bleibt sich dennoch treu. Man will alle Möglichkeiten zur Anpassung der Federkennlinie anbieten und gleichzeitig den Verstellbereich der Dämpfung durch wenige Klicks nutzerfreundlicher machen.
Auf der Luftseite bedeutet das für den Anwender entsprechenden Mehraufwand. Dämpferseitig wird man schneller zum Ziel kommen. Wer willig ist, die Zeit zu investieren, kann so eine Abstimmung finden, die vor allem viel Grip und Verbundenheit mit dem Boden bietet.
| Was ist erwähnenswert? | Dinge, die man bedenken sollte. |
|---|---|
|
|
Wie geht es weiter?
Dies war der letzte Einzeltest dieses Feldtests, aber es kommt noch mehr. Wir werden eine ausführliche Diskussion aufzeichen und alle Gabeln miteinander vergleichen. Das Ganze wird dann ebenfalls nochmal als Bericht aufbereitet. Abonniert daher unseren Newsletter, um keine der kommenden Artikel zu verpassen.
Ihr erhaltet Updates lieber über Instagram? Dort könnt ihr uns folgen.
Hier findet ihr noch einmal alle Federgabel-Tests: zu den Artikeln
DU WILLST MEHR TESTS?
Autor – Jens Staudt
Größe: 191 cm
Gewicht: 103 kg
Fahrstil: Mit seinem Race-Hintergrund sind die Linien geplant, auch wenn es mal rumpelt. Wenn möglich, werden Passagen übersprungen. Die ganze Breite eines Trails sollte man nutzen. Andere würden sagen – kompromisslos.
Motivation: Ein Produkt sollte sorgenfrei und möglichst lange funktionieren. Wenn man weniger schrauben muss, kann man mehr fahren. Er bastelt gerne und schaut, wie das Bike noch optimiert werden kann.

