Test: Zink Vacay – Urlaub von der Enduro-Norm

Lesezeit: 10 Minuten

Cam Zink. Der Name allein ist quasi schon ein Versprechen. Der Mann, der 360 Drops im Schlaf beherrscht, der Rampage-Gewinner und Crankworx-Champion – er hat Freeride geprägt. Was macht ein solcher Typ, wenn die vorhandenen Bikes seinen Ansprüchen nicht genügen? Richtig. Er baut seine eigene. Cam suchte das Bike, das es nicht gab: eines, das sich zum Manualen wie ein BMX anfühlt, in der Luft tänzelt, aber ihn auch im steilen Gelände nicht aus der Ruhe bringt. Gesucht, nicht gefunden – also selbst entwickelt und produziert. Das Vacay ist kein Urlaub von der Arbeit, es ist der Urlaub von der Enduro-Norm.

Wir haben uns das Zink Bikes Vacay für euch angeschaut. Kein Hi-Mod-Carbon, das nach einer verpatzten Rotation ins Grab wandert. Ein bewährtes Hinterbau-Design. 150 mm durchdachter und verzeihender Aluminium-Rahmen.

150 mm bei der Rampage? Für diese Art Event wünscht sich selbst Cam Zink etwas mehr Federweg. Bei der letztjährigen Veranstaltung sah man ihn zum ersten Mal auf einem eigenen DH-Prototypen. Kürzlich folgte die Veröffentlichung des Serien-Bikes. Das Zader. 190 mm. Gleiche Plattform. Lift Technology.

Das neue Zader Downhill- und Park-Bike mit 190 mm am Heck.

Aber heute geht es um das Vacay.

Wer mehr über Cam und den Start von Zink Bikes wissen möchte, kann sich hier den Testpilot-Podcast mit ihm anhören.

Steckbrief Zink Bikes Vacay

Einsatzzweck Freeride, Trail
Größen Small, Regular, Large
Rahmenmaterial Aluminium
Federweg v/h 150–160 mm (bis 180 mm möglich) / 150 mm
Dämpfer-Einbaumaß 230 x 65 mm
Laufradgröße Mullet 29"/27,5" (Komplett 27,5" möglich)
Bremsaufnahme 180 mm Post Mount
Steuersatz ZS 44/56
Zugführung Intern und extern
Tretlager 73 mm BSA
Hinterradnabe 12 x 148 mm (Boost)
Sattelstütze 31,6 mm
Sattelklemme 34,9 mm
Flaschenhalter Fidlock Ready (Base integriert)
Schaltauge UDH (Universal Derailleur Hanger)
Garantie Lebenslänglich
Rahmen Gewicht 3,5 kg (ohne Dämpfer)
Komplettbike Gewicht 17,2 kg (Testbike mit RockShox-Setup und Pedalen)
Farbe Piano Gloss / Raw / Alpine White / Troy Lee Designs Polished Apple Candy
Preis Rahmen: ab 1.563,95 €
Komplettbike: ab 4.727,95 €

Das Vacay mit 150 mm Federweg. Mit dieser Ausstattung bringt es 17,2 kg auf die Waage.

Zink Bikes Vacay

Fast 7 Jahre tüftelte Cam überwiegend alleine an seiner Idee vom perfekten Bike. Nach unzähligen Stunden im CAD und den ersten Prototypen, launchte er Ende 2024 das Vacay. Laut Zink Bikes ist es der Grund, warum die Marke überhaupt gegründet wurde.

If this bike existed anywhere else, we wouldn’t have felt the need to create it.“ – Cam Zink

Gefertigt wird in Asien. Aber nicht bei einer x-beliebigen Firma. Den Produzenten kennt Cam seit 20 Jahren, dort werden nämlich auch die Sensus-Produkte hergestellt. Die Endkontrolle ist Chefsache – Cam kontrolliert und signiert jeden Rahmen persönlich.

150 mm Mullet-Bikes gibt es viele. Schaut man beim Vacay genauer hin, fällt einem wirklich nichts Vergleichbares ein. 420 mm Kettenstreben in Größe Small und Regular, 426 mm bei Größe Large. In Kombination mit dem 4-Gelenker Horst Link-Hinterbausystem ist das Herzstück die sogenannte „Lift Technology“. Damit soll das Vorderrad des Vacays spielend einfach anzulupfen sein – von Backflip-Drops über Manuals bis hin zu Bunnyhops über querliegende Baumstämme. 

Größe Regular mit 420 mm kurzen Kettenstreben. Die Lift Technology soll einfach aufs Hinterrad helfen.

Doch das war noch nicht alles. Das Vacay lässt sich sehr stark individualisieren.

Designt wurde es um ein Mullet-Setup mit 29” Vorderrad und 27,5” Hinterrad. Freerider, die es noch wendiger haben möchten, können auch ein 27,5er Vorderrad verbauen. Ein 29” Hinterrad wirst du nicht rein bekommen.

Das Mullet-Setup wurde für 150–160 mm Federgabeln entwickelt. Allerdings gibt Cam das Rad bis 180 mm an der Front frei – dabei weist er aber darauf hin, dass die längeren Gabeln (bedingt durch die höhere Einbauhöhe) besser mit einem 27,5er Vorderrad funktionieren.

Entwickelt wurde das Vacay für 150–160 mm Federgabeln. Es geht aber auch bis 180 mm. Wir verbauten 170er Gabeln.

An der hinteren Dämpferaufnahme sitzt ein Flip Chip mit dem die Geometrie angepasst werden kann. Ab Werk lässt sich zwischen der High- und Low-Einstellung wählen. (zur Geometrie-Tabelle)

Dafür löst man die hintere Dämpferschraube, nimmt die Chips heraus und dreht sie um 180°. Alternativ gibt es noch einen zweiten Chip mit einer Bohrung in der Mitte für eine Stellung dazwischen.

Ein weiteres cooles Feature ist die Option auf innen und außen verlegte Züge. Wer sich das Gefummel und Entlüften sparen will, macht sie einfach extern mit Kabelbindern fest.

An der hinteren Dämpferaufnahme sitzt ein Flip Chip, der sich herausnehmen und um 180° drehen lässt. Alternativ gibt es noch einen Chip mit einer Bohrung in der Mitte für eine Geometrie-Anpassung dazwischen.

Leitung innen oder außen? In unserem Fall haben wir die Bremsleitung außen verlegt. Cool ist, dass es beide Optionen gibt.

Bei der Farbe lässt sich aus vier verschiedenen Optionen wählen: Piano Gloss, Raw, Alpine White oder Troy Lee Designs Polished Apple Candy. Unser Testbike kam mit der schwarzen Troy Lee Special Edition – diese ist momentan nicht mehr verfügbar, dafür gibt es jetzt die Polished Apple Candy-Variante. Die Vacay-Rahmen kommen mit einer Unterschrift von Cam Zink höchstpersönlich.

Um viel Beinfreiheit zu bekommen, lässt sich in den Small Rahmen eine 180 mm, in Regular eine 200 mm und in Large eine 210 mm lange Dropper Post montieren.

Wir verbauten eine 180 mm Stütze von Bike Yoke. Bis 200 mm Stützen passen in die Größe Regular.

Single Crown, Doppelbrücke, Mullet, Full 27, Coil- und Luft-Dämpfer. Das Team von Zink Bikes bekam schon jede Menge wilde und exotische Aufbauten zu Gesicht. Lass deiner Fantasie freien Lauf. Baue es dir exakt nach deinen Bedürfnissen auf.

Wenn du stolzer Besitzer eines Zink Bikes werden möchtest, kannst du entweder direkt aus den USA auf deren Webseite bestellen. Mittlerweile gibt es allerdings auch bald die ersten Händler in Deutschland.

Geometrie

Die Geometriedaten des Vacay auf Basis eines Mullet-Setups und einer 160 mm Federgabel:

Größe Small
(High/Low)
Regular
(High/Low)
Large
(High/Low)
Reach 438 / 426 mm 476 / 464 mm 497 / 485 mm
Stack 618 / 629 mm 635 / 643 mm 648 / 657 mm
Kettenstreben 420 mm 420 mm 426 mm
Lenkwinkel 65° / 63.9° 65° / 63.9° 65° / 63.9°
Sitzwinkel 79° / 77,8° 79° / 77,8° 79° / 77,8°
BB Drop 23 / 37 mm 23 / 37 mm 23 / 37 mm
Steuerrohr 110 mm 125 mm 132 mm
Radstand 1192 / 1204 mm 1236 / 1248 mm 1267 / 1286 mm

Custom Vacay

Ein Paket stand vor der Tür. Darin ein Vacay-Rahmenset. Schwarze Troy Lee Designs Special Edition. Vivid Ultimate-Luftdämpfer. Größe Regular bei 1,78 m. Das Vacay machte Urlaub bei uns. Dennoch musste es schuften. Flugmeilen inklusive.

Für den Fox 38 2027-Test wanderte zuerst ein komplettes Fox-Fahrwerk ins Bike. Später folgte ein Aufbau mit dem originalen RockShox-Dämpfer und einer roten ZEB Ultimate, passend zum Farbdesign des Rahmens.

Auf dem Trail

Das Vacay wurde auf Trails in San Remo, Heidelberg, Aschaffenburg und den Kratertrails getestet. Von Geballer bis zur großen Jumpline war somit alles vertreten. 

Start im Low-Setup. Wui! Das Bike ging wirklich spielend leicht aufs Hinterrad. Dank des niedrigen Tretlagers stand man bereits auf dem Parkplatz tief im Bike. Man bekam einen ersten Eindruck, wie es sich auf Absprüngen anfühlen könnte. Allerdings startete ich mit Strecken bei denen es mehr rumpelte, um den vollen Einsatzbereich des Vacays zu erforschen. 

Uphill

Doch bevor es nach unten geht, muss man nach oben kommen. Auf dem Vacay saß man angenehm aufrecht. Eine Tour ist kein Problem. Auf Uphill-Trails mit herausragenden Steinen machte sich jedoch recht schnell das tiefe Tretlager bemerkbar. Low-Einstellung: 37 mm Tretlagerabsenkung. Pedalierte ich unachtsam vor mich hin, begrüßten die Steine meine Pedale. Plante man die Kurbelumdrehungen vorausschauend, konnte man ein „Klonk“ gut vermeiden. Meine XTR-Kurbeln hatten eine Länge von 170 mm – falls möglich, würde ich empfehlen kürzere zu montieren. Auf technischeren Uphills verlagerte ich mein Gewicht, bedingt durch die kurzen Kettenstreben, des Öfteren, um konstant Druck auf beiden Reifen zu erhalten. Vor, zurück. Vor, zurück. Später tauschte ich meinen 35 mm langen Vorbau gegen einen 50er.

Das Vacay wurde auch nie als Bergziege beworben. Wer die beste Performance in technischen Anstiegen sucht, könnte mit ihm an der falschen Adresse sein. Ist dir das allerdings egal und Tech-Uphills sind sowieso nicht dein Ding? Du möchtest einfach nur von Trail zu Trail kommen? Dann bringt dich das Vacay solide nach oben.

Downhill

Ich startete mit 30 % Sag am Dämpfer. Die Progression des Hinterbaus ist spürbar. Den Dämpfer durchzuschlagen, war nicht möglich. Beim Fox Float X2 waren zwei Volumenspacer und beim RockShox Vivid ein Token verbaut. Schließlich baute ich bei beiden Dämpfern alle Volumenspacer/Tokens aus. Gleichzeitig erhöhte ich den Luftdruck in den Dämpfern. Dadurch stand ich höher im Bike und erhielt mehr „aktiven Federweg“. Ein weiterer Vorteil: die 170 mm Kurbelarme hatten (minimal) mehr Platz zum Boden. Denn was sich bereits beim Uphill abzeichnete, war auch im Downhill spürbar.

Mit dem Flip Chip in der Low-Einstellung blieb man auf steinigen Strecken wie in San Remo oder Heidelberg schon mal mit der Kurbel hängen. Auf flowigeren Trails, ohne herausstehende Objekte, war das kein Problem. Hier profitierte man vom sicheren, tiefen Stand im Bike und einem stabilen Fahrgefühl. In Kombination mit den kurzen Kettenstreben half das tiefe Tretlager noch leichter in den Manual. Das unterscheidet auch das Vacay zu vielen anderen Bikes auf dem Markt.

Mit der Zeit wechselte ich auf den steinigen Trails rund um Heidelberg auf das High-Setting. Tretlagerabsenkung: 23 mm. Unabhängig von der Flip Chip-Position fühlte sich das Vacay auf Trails, die weniger ruppig waren, grundsätzlich wohler. Bei vielen kleinen, aufeinanderfolgenden Schlägen wurde es bei steigender Geschwindigkeit unruhig. Ich experimentierte mit verschiedensten Dämpfereinstellungen. Die e*13 Sidekick-Nabe (LINK) brachte etwas Ruhe an den Fuß. Dennoch zügelte ich meinen Fahrstil gegenüber einem Enduro-Racebike oder potenten Trail-Bike.

Doch Cam Zink wollte ja nicht noch eine weitere Ballerbude bauen. Mit Leichtigkeit von Kurve zu Kurve fliegen oder von Welle zu Welle surfen wird zum Kinderspiel. Die progressive Charakteristik liefert Trail-Feedback und lässt sich flink über den Trail pushen. Und das macht wirklich Spaß. Kein Bike, das einfach nur stupide über den Wurzelteppich bolzen will. Abziehen und Spielen ist die Devise. Durch die spezielle Geometrie erhält man ein agiles Fahrgefühl gepaart mit einem stabilen Stand im Rad. Wenn du weißt, was du tust, ist es dir ein guter Partner.

Jumptrails

Wer sich überlegt, das Zink Vacay als nächstes Bike zuzulegen, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit regelmäßig auf dem einen oder anderen Jumptrail unterwegs sein. Wie viel Freeride und Airtime stecken also in einem 150er Bike von Cam Zink? 

Ab auf die Jumptrails. Hier öffnete mir das Vacay die Augen und spielte seine absoluten Stärken aus. Der progressive Hinterbau und das tiefe Tretlager wurden mein bester Freund. 

Dank der progressiven Kennlinie sackte weder auf dem Absprung noch in der Landung der Dämpfer durch und stellte immer ausreichend Reserven sowie Gegenhalt zur Verfügung. Aufgrund des tiefen Tretlagers stand ich auch bei hohen, steilen Absprüngen entspannt im Bike und konnte mich komplett auf die Absprungphase konzentrieren. In der Luft punktete das Vacay mit einem einfachen, spielerischen Handling. Auch wenn ich der falsche Kandidat für Backflips, 360s und jegliche andere Rotationen bin, kann ich mir gut vorstellen, wie ein Fahrer mit entsprechenden Skills das Bike mit Leichtigkeit durch die Luft wirbelt.

Und wenn dabei doch etwas schiefgeht? Der Alu-Rahmen ist robust genug, sollte er mal ohne Fahrer durch die Luft fliegen, und steif genug, sollte man mal schräger in der Landung ankommen als geplant.

Wer denkt, das Bike hätte einen poppigen Hinterbau, irrt sich. Es ist sehr kontrollier- und berechenbar. Das Heck wird dir nie entgegen schnalzen. Gerade auf Jumps ist das ein Vorteil. Niemand möchte auf dem Absprung von einem kickenden Hinterbau überrascht werden. Vor allem nicht auf 14 Meter Doubles wie an den Kratertrails.

Gerade auf der großen Jumpline fühlt man sich pudelwohl. Das Bike ist berechenbar und folgt genau dem Fahrer-Input.

Fazit

Das Vacay ist ein Bike mit Einsatzzweck, der in dieser Art kaum von anderen Herstellern bedient wird. Damit möchte es auch gar nicht jedem gefallen. Es hat seinen eigenen Charakter. Und wie auch im echten Leben, ist nicht jeder mit jedem kompatibel. Wenn du ein Race-Enduro suchst, das alles auf dem Trail plattbügelt, wirst du hier wahrscheinlich nicht fündig.

Das Zink Vacay ist eine Manual-Maschine mit dem Herzen eines Freeriders. Du liebst Jumps und Airtime? Du suchst einen robusten Alu-Rahmen mit agilem Handling – und das auch noch zu einem echt fairen Preis? Dann ist das Zink Bikes Vacay ein echter Geheimtipp und die Lösung für deine Ansprüche, die du sonst nirgendwo bekommst. Es riecht nach Freeride, Dirt-Jumps und nach purem Fahrspaß abseits von Rennlizenzen.

Ihr wollt mehr Tests?


Autor – YANNICK NOLL

Größe: 178 cm

Gewicht: 75 kg

Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert. 

Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.


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Podcast: Nerding Out with Darren Murphy of Push Industries