Test: iXS Carve 1.0 Mips Helm

Lesezeit: 7 Minuten

Fotos: Mountain Bike Connection Winter – Rupert Fowler & Mirror Media

Wenn ein Markenname über zwei Jahrzehnte die nationale und europäische Downhill-Rennserie Europas prägt, dann ist das mehr als nur Logopräsenz. iXS hat sich diesen Platz in der Gravity-Community hart erarbeitet – durch echtes Engagement. Die neu gegründete iXS Gravity Alliance beweist 2026 eindrücklich, wie tief diese Verbindung geht. Doch hinter jeder Förderung und jeder Rennserie steht die entscheidende Frage: Wie bringt man all diese Erfahrung auf den Kopf eines Fahrers? Wie übersetzt man jahrzehntelange Testkilometer, direktes Fahrerfeedback und den Anspruch einer Schweizer Familie, die seit 1979 Schutzbekleidung baut, in einen Helm, der den modernen Ansprüchen gerecht wird? All ihre Erfahrung und die neueste Technik sind in den Carve 1.0 Mips eingeflossen. In diesem Artikel erklären wir den neuen Helm und berichten, wie er sich auf dem Trail anfühlt.

Wer in der Gravity-Szene unterwegs ist, kommt an iXS nicht vorbei. Seit über zwei Jahrzehnten engagieren sie sich als Titelsponsor für die weitverbreiteten iXS Cup-Downhillrennen, um den Sport zu unterstützen und voranzutreiben. Alles begann mit dem Schweizer Downhill Cup, anschließend folgte die deutsche Serie und danach der  iXS European Downhill Cup – die traditionsreichste Downhill-Rennserie des Kontinents. Mit dem Rookies Cup führten sie ein weiteres Format für Nachwuchsfahrer ein. Das ist kein Engagement auf dem Papier, das ist gelebte Nähe zum Sport, zur Community und vor allem zu den Fahrern, die ihre Produkte am absoluten Limit einsetzen.

Doch iXS geht noch einen Schritt weiter. Mit der iXS Gravity Alliance haben sie für 2026 ein Kollektiv aus über 16 Athleten aus acht Ländern zusammengestellt – von Downhill über Enduro bis Freeride. Das jüngste Mitglied ist 11 Jahre alt, die erfahrensten Mitte 30. Sie alle werden mit iXS-Equipment ausgestattet, bekommen Startgebühren für den iXS Cup bezahlt und treiben die Entwicklung voran. Es ist das nächste Kapitel einer Marke, die seit 1979 hochfunktionale Schutzbekleidung baut – mit einer entscheidenden Rückendeckung: Sie gehört zur Hostettler Group, einem Schweizer Familienunternehmen, das unter anderem seit 50 Jahren Yamaha in der Schweiz vertreibt. Das bedeutet: finanzieller Rückenwind, kurze Entscheidungswege und ein klares Bekenntnis zu echter Innovation.

Und genau das fließt jetzt in den neuen Carve 1.0 Mips ein – einen Helm, der beweisen will, dass Schutz, Komfort und ein schlankes Design keine Gegner sein müssen.

Carve 1.0 Mips

iXS wirft nicht irgendeinen Helm auf den Markt. Der neue Carve 1.0 Mips ist ihr ganzer Stolz. Neben einem gut integrierten Brillenfach und einem Visier, das im Ernstfall einfach abfliegt, kommen mehrere technische Feinheiten zum Einsatz, um dir dein Leben so sicher und bequem wie möglich zu machen.

Der neue iXS Carve 1.0 Mips in all seiner Farbvielfalt.

Head-Guard

Hier kommt das Schweizer Know-how zum Tragen. Während andere Helme lediglich EPS-Schaum mit einer Polycarbonat-Schale verbinden, hat iXS eine interne Verstärkung entwickelt: den Head-Guard. Es ist ein in den EPS-Schaum eingebettetes Nylon-Gerüst, das vor dem Spritzgussprozess in die Form gelegt und dann vollständig mit Schaum umschlossen wird – quasi eine Armierung im Beton. Das Konzept stammt ursprünglich aus dem Fullface-Bereich (Trigger FF) und wurde nun für den Open-Face-Helm adaptiert.

Die Vorteile sind dreifach:

  1. Höhere Strukturfestigkeit: Bei einem Aufprall bricht der EPS-Schaum gezielt, um Energie zu absorbieren. Der Head-Guard verhindert, dass der Helm komplett auseinanderfällt, und hält die Struktur zusammen – besonders wichtig bei mehreren Aufprallpunkten, wie sie bei einem rollenden Sturz den Berg hinunter passieren können.

  2. Größere Ventilationsöffnungen: Normale Helme haben begrenzte Belüftungsöffnungen, weil CE-Tests wie der Penetrationstest (ein spitzer Gegenstand darf nicht durch die Schale dringen) das erlauben. Mit dem Nylon-Gitter über den Öffnungen kann iXS große Öffnungen in den Helm schneiden, ohne die Sicherheit zu gefährden. Die Folge: hohe Luftdurchlässigkeit.

  3. Bessere Kraftverteilung: Der Head-Guard leitet Aufprallenergie auf eine größere Fläche weiter – weniger Spitzendruck auf eine Stelle.

Mips Air Node

Die Mips Air Node ist die neueste Generation des Rotationsschutzsystems. Statt einer geschlossenen, die Belüftung hemmenden Folie arbeiten hier gezielt platzierte, niedrigreibende Pads. iXS hat das System nahtlos integriert, ohne die großen Ventilationskanäle zu blockieren. Hoher Rotationsschutz bei hoher Belüftung – das ist kein Widerspruch mehr.

Das Mips Air Node-System erlaubt eine gute Belüftung. Die Polster werden mit Klett in der Helmschale fixiert.

360° ErgoFit & FIDLOCK-Verschluss

Das neue 360° ErgoFit-System ist eine Evolution des Systems aus dem Trigger Evo – diesen Helm konnte man bereits sehr individuell anpassen. Am Hinterkopf befinden sich EVA-Schaum-Polster, die sich mit der Zeit exakt an deine Kopfform anpassen – wie ein gut eingefahrener Skischuh. Das Einstellrad am Hinterkopf hat im Vergleich zum Vorgänger doppelt so viele Rastungen und doppelt so starke Anbindungspunkte (vier statt zwei). Es fühlt sich präziser und robuster an.

Dazu kommen eine dreistufige Höhenverstellung und eine vierstufige Verstellung der Stirnpassform (über zwei beidseitige Slider).

Der vordere Teil sitzt fest an einer Stelle, kann aber durch vier Positionen an die vordere Kopfform angepasst werden.

Hinten in der Helmschale kann das System an drei unterschiedlich hohen Stellen im Helm eingeklickt werden.

Der FIDLOCK SNAP-Magnetverschluss ist nicht neu, aber iXS setzt auf die neueste Generation. Auch mit Handschuhen oder einhändig möglich: Schnalz, zu. Fertig. 

Steckbrief iXS Carve 1.0 Mips

Einsatzbereich Trail, All-Mountain, Enduro
Bauweise Multi-Shell In-Mold mit patentierter Head-Guard Verstärkung (Nylon-Innengerüst)
Schutzsysteme Mips Air Node (Rotationsschutz), Head-Guard Impact Reinforcement
Belüftung Große In-Mold Ventilationskanäle (durch Head-Guard erst möglich)
Retention System 360° ErgoFit mit Mikro-Dial, 3-stufiger Höhenverstellung und 4-stufiger Horizontalverstellung
Verschluss FIDLOCK SNAP Magnetbuckle (neueste Generation)
Features Integrierte Sonnenbrillen-Garage, abnehmbarer 3-stufiger Snap-on/off Schirm, verlängerter Hinterkopfschutz, breite Gurtteiler, hitzeformbares EVA-Schaum im Hinterkopf
Zertifizierung EN 1078, CPSC
Größen S (53-56 cm), M (56-59 cm), L (59-62 cm)
Gewicht S (400 g) | M (440 g) | L (490 g)
Farben Black, Off White, Olive, Red-Black
Preis 219,00 € UVP
Verfügbarkeit Ab sofort

Auf dem Trail

Der Carve 1.0 war im Testzeitraum ein beliebter Begleiter für meine Trailrunden. Das 360° ErgoFit-System bot einen großen Einstellbereich. Mit 57 cm Kopfumfang griff ich zu Größe M. Anpassen musste ich hier jedoch nichts. Helm auf. Ab auf den Trail. Die drei Positionen der Höhenverstellung probierte ich zwar aus, landete am Schluss aber wieder in der standardmäßigen Mittelstellung. Alle Einstellmöglichkeiten waren nicht kompliziert, sondern einfach logisch und mit wenigen Handgriffen realisierbar. Das Mips Air Node-System saß unscheinbar im Helm. Nichts wackelte oder verschob sich – auch wenn es auf dem Trail mal mehr rumpelte. Das Tragegefühl des Helms begeisterte mich sofort. Kein Drücken oder Verrutschen – für einen klaren Kopf auf dem Trail. 

Für die Kühlung des Kopfs sorgten die vielen Öffnungen – damit sticht der Carve viele Konkurrenten aus. Die Ventilationsöffnungen auf der Oberseite sind so groß, dass man von oben durch den Helm auf die Kopfhaut schauen kann. Trotzdem hat der Helm eine durchgehende, geschlossene Außenhaut. Der Luftzug war spürbar. Gerade für mich als schnell-schwitzender Fahrer bot das einen klaren Mehrwert. 

Die Brille ließ sich sehr einfach und mit etwas Übung auch einhändig während der Fahrt im vorgesehenen Brillenfach verstauen. Im Inneren des Helms gibt es auf jeder Seite eine kleine Vertiefung, sodass die Brillenbügel nicht am Kopf anstießen und mit der Zeit keinen Druck am Kopf aufbauen konnten – sehr angenehm. Steckt man sie in normaler Position hinein, kann je nach Brillengröße und Modell der untere Brillenteil etwas in das Sichtfeld ragen. Sollte das stören, kann man die Brille auch auf den Kopf gedreht in das Fach schieben. Bei besonders großen Modellen muss man dafür eventuell das Visier in die mittlere von drei Stufen klappen. Im Falle eines Crashes kann das Visier abfliegen – es saß aber auch so fest, dass es nicht einfach abfiel, wenn man leicht dagegenkam oder den Helm im Auto transportierte.

Die Brille sitzt bequem im Brillenfach – auch beim After-Ride-Bier.

Dafür sorgt diese kleine Aussparung im Helm.

Fazit

Der iXS Carve 1.0 Mips ist ein gelungenes Gesamtprodukt, das mit einer gut einstellbaren Passform und cleverer Technik zu Punkten weiß. Auch wenn er auf dem Papier nicht der leichteste Helm seiner Klasse ist, wird er auf dem Trail durch seinen angenehmen Sitz nicht zur Last. Mit dem individuell anpassbaren 360° ErgoFit-System sowie dem fein abgestuften Einstellrädchen lässt sich die Passform perfekt auf den Kopf einstellen. Das Brillenfach ist mit den Aussparungen geschickt gelöst und bereitet keine Kopfschmerzen. Der FIDLOCK-Magnetverschluss rundet den Helm durch eine intuitive und schnelle Handhabung gekonnt ab. Wer bei seinem Helm nicht auf das letzte Gramm schaut und dafür lieber eine solide Technik gepaart mit einer herausragenden Belüftung sucht, ist mit dem iXS Carve 1.0 Mips gut beraten.

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Autor – YANNICK NOLL

Größe: 178 cm

Gewicht: 75 kg

Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert. 

Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.


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