Test: Bluegrass Venture Vest – Protektor-Rucksack-Kombi
Lesezeit: 7 Minuten
Fotos: Mountain Bike Connection Winter – Rupert Fowler & Bluegrass
Man kennt das Dilemma. Der Enduro-Tag wird lang. Snacks, Trinkblase, Tools und die nötigsten Ersatzteile wandern in den Rucksack. Die Trails erfordern Rücken- und Brustprotektoren. Plötzlich hat man sich da ziemlich viel umgeschnallt. Der Rucksack rutscht auf dem Protektor. Irgendwie unangenehm. Und dann ist es noch heiß. Der Schweiß staut sich. Bluegrass, die Italiener bekannt für Gravity-Helme und Protektoren, haben sich diesem Problem gewidmet. Ihre Venture Vest kombiniert beides – eine Protektorenweste mit Verstaumöglichkeiten. Wir stellen euch das neue Konzept vor und verraten, wie sie sich auf dem Trail anfühlt.
Bluegrass ist die Gravity-Sparte von MET, einer italienischen Familienmarke, die seit 1987 ausschließlich Fahrradhelme baut. Während MET für den Allrounder steht, ist Bluegrass die Heimat für alles, was von Trail bis Downhill, Enduro, Freeride und BMX reicht. Sie waren schon immer bekannt für ihre durchdachten Rückenprotektoren und Soft Goods. Aber mit der Venture Vest gehen sie einen völlig neuen Weg.
Die Idee kam von ihren eigenen Enduro-Racern, die mit zu vielen Schichten kämpften: Protektor darunter und obendrauf dann noch einen Trinkrucksack. Ziel war es, alles in einem Teil zu vereinen – komfortabel, beweglich und clever. Inspiration fanden sie nicht in der MTB-Welt, sondern im Trailrunning. Die Venture Vest ist das Ergebnis: eine leichte, atmungsaktive Weste mit hohem Tragekomfort, die Schutz und Stauraum vereint.
Bluegrass Venture Vest
Stell dir vor, du ziehst ein Teil an, das deinen Rücken und deine Brust schützt, gleichzeitig aber Platz für alles Nötige bietet – ohne einen schweren, zusätzlichen Rucksack. Genau das ist die Venture Vest von Bluegrass.
Die Idee: Verschmelze einen leichten Trailrunning-Rucksack/Weste mit einem zertifizierten Protektor. Das Ergebnis ist eine Hybrid-Weste für E‑MTB, Enduro und All-Mountain, die sich so anfühlt, als wäre sie ein Teil von dir.
Die Vorderseite mit mehreren Taschen und …
die Rückseite mit weiteren Verstaumöglichkeiten.
Hier sind die technischen Highlights:
Protektorenlevel
Im Rücken steckt ein EN1621-zertifizierter Type B Level 2 Protektor. Laut Bluegrass bietet dieser bis zu 50 % mehr Energieaufnahme bei einem Aufprall.
Vor der Brust sitzt ein EN1621-zertifizierter Type B Level 1 Protektor, der im Vergleich zu älteren Modellen bis zu 30 % mehr Fläche abdeckt.
Beide Protektoren sind von SAS-TEC, einem Material, das ähnlich wie D3O funktioniert, aber noch etwas leichter und flexibler ist.
Je nach Größe (S, M, L) erhält man unterschiedlich lange Rückenprotektoren.
Der SAS-TEC-Brustprotektor bietet einen Level 1-Schutz.
Der Level 2-Rückenprotektor verändert sich in der Länge mit der Größe. Von links nach rechts: S, M, L
Protektorenweste mit Taschen
Die Weste hat fünf Taschen, die alle frei zugänglich über den Protektoren liegen. Klingt erstmal unspektakulär, ist aber super: Bei einem Crash drückt dir der Inhalt nicht zusätzlich in den Körper, sondern wird durch den Protektor geschützt.
Zwei vertikale Fronttaschen – z. B. für dein Handy, Riegel oder Gels.
Eine kleine, vertikale Reißverschlusstasche für Karten, Schlüssel oder im Fall von Emma (Bluegrass-Produktentwicklerin) für ihre Ohrringe.
Hinten gibt es ein großes, horizontales Reißverschlussfach für größere Gegenstände wie Tools, Riegel oder einen Schlauch.
Über dem hinteren Reißverschlussfach befindet sich ein weiteres offenes Fach für schnellen Zugriff auf eine Windbreaker-Weste oder Jacke – das kann man seitlich von links oder rechts einfach mit der Hand erreichen.
Der Rückenprotektor lässt sich über eine große Öffnung auf der Rückseite herausnehmen. Zusätzlich kann man es als weiteres Fach für noch größere Gegenstände oder eine Trinkblase mit bis zu 1,5 Litern nutzen.
Der Brustprotektor ist ebenfalls von innen herausnehmbar. Somit kann man die Weste ohne Protektoren in die Waschmaschine geben oder ihn auch nur als Rückenprotektor nutzen.
In den offenen, vertikalen Fronttaschen lassen sich zum Beispiel Tools, Riegel oder ein Handy unterbringen. Der Stretch hat genug Kraft, dass es auf dem Trail nicht herausfällt. Diese Tasche gibt es einmal links und einmal rechts.
Auf der linken Vorderseite gibt es noch eine kleine Tasche mit Reißverschluss für Schlüssel oder Karten.
Auf der Rückseite befindet sich eine weitere Reißverschlusstasche – diese bietet mehr Stauraum als die Fronttasche.
Darüber ist eine weitere offene, elastische Tasche für eine dünne Jacke.
Rücken- sowie Brustprotektor lassen sich über eine Öffnung einfach herausnehmen. So kann man die Weste unkompliziert waschen.
Trinkblase
Im Fach des Rückenprotektors kann eine Trinkblase mit bis zu 1,5 Litern Volumen untergebracht werden. Oben im Fach gibt es eine Befestigung für die Blase. Der Schlauch der Trinkblase kann wahlweise über eine kleine Öffnung auf der rechten oder der linken Seite über die Schulter nach vorn verlegt werden. An den Trägern befinden sich pro Seite zwei weitere kleine Schlaufen, durch die der Schlauch fixiert werden kann – so wirbelt er auf dem Trail nicht herum.
Die Trinkblase wird mit einem Strap fixiert. Der Schlauch führt über die Schulter heraus.
Das Mundstück wird auf der Vorderseite durch zwei Schlaufen geführt und auf der anderen Seite eingefädelt.
Atmungsaktivität und Passform
Der Frontprotektor ist mit Löchern versehen, um die Luftzirkulation zu erhöhen.
Das Einstellsystem mit den elastischen Schnüren erlaubt es, die Passform während der Fahrt blitzschnell und einhändig zu justieren. Über Druckknöpfe können die Schnüre am Ende des Trails wieder gelockert werden. Die überschüssige Schnur verschwindet sauber in kleinen Taschen. Mit Reißverschlüssen an beiden Seiten lässt sich die Weste auch einhändig öffnen.
Durch die flexiblen SAS-TEC-Protektoren passt sich der Sitz individuell deiner Körperform an.
Steckbrief Bluegrass Venture Vest
| Produktname | Bluegrass Venture Vest |
| Typ | Hybride Protektorenweste (Backpack-Ersatz) |
| Einsatzbereich | E-MTB, Enduro, All-Mountain, Trail |
| Zertifizierung | Rücken: EN1621, Type B Level 2 | Brust: EN1621, Type B Level 1 |
| Protektorenmaterial | SAS-TEC (herausnehmbar zum Waschen) |
| Größen | S, M, L – geeignet für eine breite Palette an Körperformen |
| Passform (Brust- & Taillenumfang in cm) | S Brust 84-90 cm Taille 73-79 | M Brust 91-97 Taille 80-86 | L Brust 98-104 Taille 87-93 |
| Stauraum | 5 Taschen (davon 2 mit Reißverschluss), strategisch über den Protektoren platziert. |
| Hydration | Kompatibel mit Trinkblasen bis zu 1,5 Litern (Blase nicht im Lieferumfang enthalten). Im großen Rückenfach ist eine Halterung für die Blase und eine Schlaufe für den Schlauch integriert. |
| Besonderheiten | Seitliche Reißverschlüsse & Quick-Release-Einstellung, atmungsaktiver Front-Mesh, ergonomischer Schnitt, elastische Schnüre zum Festziehen, waschbar (nach Entnahme der Protektoren). |
| Gewicht | S 715 g, M 785 g, L 845 g |
| Preis (UVP) | 250 € |
| Verfügbarkeit | Ab sofort |
Auf dem Trail
Erstes Anlegen. Die Bluegrass Venture Vest fühlt sich angenehm an – nicht zu schwer. 785 Gramm. Größe M. Und das mit einem Level 2-Rückenprotektor. Da sticht sie viele Konkurrenten aus. Fährt man mit einem Rucksack, würde das Gewicht noch on top kommen. Die dünnen Träger schmiegen sich sanft dem Nacken an. Kein Drücken. Kein Ziehen. Zuerst schließt man die beiden seitlichen Reißverschlüsse. Auch nach mehrmaliger Verwendung und bei verschiedenen Wetterbedingungen schließen und öffnen sie nach wie vor problemlos. Zum Schließen benötigt es zwei Hände, zum Öffnen reicht eine. Für den Uphill muss man die Weste nicht festzurren. Lockerer Sitz. Ohne Wackeln. Durch die Löcher im Brustprotektor strömt spürbar viel Luft an den Oberkörper. Die Konkurrenz hat meist eine geschlossenere Struktur. Punkt für die Venture. An besonders heißen Tagen? Öffnet man die seitlichen Reißverschlüsse. Der Sitz leidet etwas, dafür gibt’s mehr Luft.
Traileinstieg voraus. Fasten your Protektorenweste. Über die elastischen Schnüre strafft man sie. Zipp. Zipp. Fertig. Durch die hohe Biegsamkeit der beiden Protektorenplatten sitzt die Bluegrass Venture Vest eng am Körper. Nichts verrutscht. Auch bei der Abfahrt nicht. Über die Luftlöcher im Rückenprotektor kann Hitze vom Oberkörper entweichen. Nutzt man eine Trinkblase, hat man hier natürlich Einbußen. Mit einem Rucksack ist es aber auf jeden Fall unangenehmer.
Thema Rucksack. Alles, was in die angesagten kleinen Trinkrucksäcke oder -westen mit bis zu 8 Litern passt, geht auch in die Venture Vest. Sie bietet ein cleveres Taschendesign. Sogar sperrige Gegenstände wie eine Dämpfer- oder Luftpumpe passen in das große Fach des Rückenprotektors. Riegel, Gels und ein kleines Multitool sind in den offenen vorderen Taschen direkt erreichbar. Ein Handy findet dort ebenfalls Platz – das habe ich aber gerne in der Hosentasche.
Die Trinkblase lässt sich wie in einem Trinkrucksack per Klettschlaufe fixieren. Für das Mundstück könnte die Öffnung am Nacken etwas größer sein – man bekommt ihn aber durch. Mit den Schlaufen auf den Trägern lässt sich der Schlauch einklemmen und bleibt während der Abfahrt an Ort und Stelle.
Mit Größe M und 1,78 m könnte der Rückenprotektor nach meinem Geschmack etwas länger sein. In Größe L wird er zwar länger, passt mir vom Brust- und Taillenumfang allerdings nicht mehr.
Im Bikepark oder auf Touren mit wenigen Gegenständen in den Taschen lässt sich die Bluegrass Venture Vest auch unter dem Trikot oder Shirt tragen. Um an die Fächer zu kommen, muss man dafür aber natürlich sein Oberteil anheben – aber es geht.
Fazit
Die Bluegrass Venture Vest ist ein gelungener Mix aus Protektorenweste und Trinkrucksack. Sie punktet mit angenehmer Passform und guter Belüftung. In ihren durchdachten Taschen findet fast alles Platz, was sonst im Rucksack landet – dessen Zusatzgewicht entfällt. Zugleich profitiert man von einer besseren Belüftung, als man sie mit einem Rucksack hat. Die Kombination aus zertifiziertem Level 2-Rücken- und Level 1-Brustschutz, anschmiegender Ergonomie und dem Stauraum einer Trailrunning-Weste ist eine spannende Option für alle, die sonst mit Protektor und zusätzlichem Rucksack unterwegs sind. Auch an Tagen ohne Trinkblase, Tools oder Riegel greife ich inzwischen gerne zur Venture Vest zurück.
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Autor – YANNICK NOLL
Größe: 178 cm
Gewicht: 75 kg
Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert.
Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.

