Test: Marzocchi Z1 Coil GRIP

Marzocchi – Ein Name, unter dem Tradition in der Bikebranche steckt. Aber auch ein Auf und Ab mit verlagerter Produktion und diversen Eignern. Unter dem roten Banner mit ikonischem M-Brücken-Design schwingt man sich zurück zu alten Werten. Unkompliziertes Setup und solide Performance. Die Z1 wird mit Luft- und Stahlfeder angeboten. 30 Jahre nach der ersten Z1 schicken wir die Urenkeling in der Coil-Version auf die Trails. Kann sie mit ihrem simplen Setup und der eingeschränkten Tunebarkeit gegen das Mitbewerberfeld bestehen?

Steckbrief Marzocchi Z1 Coil GRIP 2022

Einsatzbereich AM / Enduro / Trail
36 mm
Federweg 29″: 150, 160, 170 mm / 27,5″: 160, 170, 180 mm
Settings Preload, LSR, C
Federung Stahlfeder
Dämpfung GRIP
Laufradgrößen 29″ / 27,5″
Max. Reifenbreite 2,6″
Achsmaß 15 x 110 mm Boost
Bremsscheibe PM 180–203 mm
Offset 44 mm
Axle-to-Crown ca. 580 mm
Gabelschaft 1,5–1 1/8″
Casting Aluminium
Abstreifer Standard
Fender optional
Farbe Shiny Black / Gloss Red
Gewicht 2.549 g
Garantie 2 Jahre
Preis (UVP) ca. 999 €
Webseite marzocchi.com

TECHNISCHE INFORMATIONEN Marzocchi Z1 Coil

Marzocchi Z1 Coil – Chassis

Da Marzocchi in die Fox-Familie eingeheiratet hat, teilt man sich diverse Eigenheiten. Vergleichbar mit der Fox 36 findet man den gleichen Standrohrdurchmesser, allerdings weniger ausgehohnt und auch nicht im Kashima-Look. Schwarz eloxiert wirkt die Gabel aber dennoch edel in der Kombination mit dem roten Unterbein. 

In der Luftversion schafft es die Gabel auf knapp unter die 2,3 kg-Marke. Mit der härtesten Stahlfeder kommen gut 200 g hinzu und die Waage bleibt bei 2.549 g stehen. Oberer Mittelwert aus unserem Testfeld. 

Die Bremsleitung wird ganz klassisch an der linken Casting-Seite per anschraubbarer Klemmung fixiert.

Die Gabel ist für alle gängigen Laufradgrößen und Federwege erhältlich:

  • Laufradgrößen: 27,5" und 29"

  • Federwege: 150 mm (nur 29"), 160 mm, 170 mm und 180 mm (nur 27,5")

  • Offset: Für 27,5" gibt es 37 mm, für 29" stehen 44 mm und 51 mm zur Wahl.

Marzocchi-M in knalligem Rot mit schwarz eloxierten 36er-Standrohren. Die Bremsleitung wird ganz klassisch an der linken Casting-Seite angeschraubt.

Aussparungen an der Rückseite.

Marzocchi Z1 Coil – Stahlfeder

In einer Welt, in der überall die Luftfeder übernommen zu haben scheint, ist eine Stahlfeder eine Besonderheit. Marzocchi verwendet bei der Z1 eine gehärtete Silizium-Chrom-Stahlfeder. Diese ist, wie der Name „Coil“ verspricht, für ein besonders sensibles und „butterweiches“ Ansprechverhalten bekannt. Um störende Klappergeräusche auf dem Trail zu vermeiden, ist die Feder im oberen Teil von einer Kunststoffhülle umgeben und wird intern zusätzlich von einem Kunststoffzylinder geführt. So klappert sie nicht unkontrolliert im Holm herum.

In der Z1 kommt eine gehärtete Silizium-Chrom-Stahlfeder zum Einsatz. Am oberen Ende sitzt eine Kunststoffhülle, die zusätzlich Klappergeräusche verhindern soll.

Verfügbare Federhärten

Die Gabel wird standardmäßig mit einer mittleren Federhärte (Blau) ausgeliefert. Für andere Gewichtsklassen sind jedoch verschiedene Federraten separat erhältlich. Das Umrüstkit für Besitzer einer Luft-Z1 wiegt je nach Feder zwischen 298 und 377 Gramm. Über den externen Einsteller der Federvorspannung (Topcap) kann man hier noch etwas feintunen.

Feder Härte Fahrergewicht
Lila Soft (weich) 54–68 kg (120–150 lbs)
Blau (Serienfeder) Medium (mittel) 68–82 kg (150–180 lbs)
Grün Firm (hart) 82–95 kg (180–210 lbs)
Gelb Extra Firm (sehr hart) 95–113 kg (210–250 lbs)

Über den Preload-Knopf kann man die Federvorspannung und den Sag präzise auf das Fahrergewicht und den Fahrstil einstellen.

Und hier für alle, die es bunt und visueller mögen.

Air Assist System – Das Besondere an dieser Stahlfeder

Eine typische Sorge bei reinen Stahlfedergabeln ist die lineare Kennlinie, die ein Durchschlagen bei harten Schlägen begünstigen kann. Marzocchi hat hierfür eine clevere Lösung namens Air Assist System integriert. Dabei wird die im Luftraum der Tauchrohre eingeschlossene Luft gezielt genutzt. 

Marzocchi hat das Luftvolumen so berechnet, dass diese Luftkammer am Ende des Federwegs für die passende Progression sorgt und regelt damit ebenfalls den Durchschlagschutz. Einstellbar ist das allerdings nicht.

Marzocchi Z1 Coil – Dämpfung

Sich in einer Familie zu unterstützen, ist wichtig. Besonders mit italienischen Wurzeln. So erbt die Marzocchi Z1 von der Muttergesellschaft FOX den GRIP-Dämpfer. Ein Kartuschensystem, das ursprünglich als kostengünstige Lösung konzipiert wurde, aber schnell für seine solide Performance und Langlebigkeit gefeiert wurde. 

Entwickelt von Ingenieur Damon Gilbert und inspiriert von der Motocross-Technologie der 90er-Jahre, sorgt eine in sich eigentlich geschlossene Kartusche für eine kontinuierliche Dämpfung. Öl und Luft können sich nicht mischen. Es wird der Kartusche aber erlaubt, Öl aus dem Schmierbad aufzunehmen, denn dann muss der Hauptdichtkopf nicht hermetisch dicht sein und produziert so auch weniger Reibung.

Zieht sich das Öl nun in den Kartuschenbody, wird dieses einfach oben durch die Bewegung des mit Federkraft vorgespannten Trennkolbens über eine Ausgleichsfräsung wieder „ausgespuckt“. Das hält nicht nur das Öl in der Kartusche frischer, die Kartusche hat nebenbei auch so etwas Ähnliches wie Selbstheilungskräfte, die durch starke Kompressionen aktiviert werden.

Aus unserer Erfahrung können wir bestätigen, dass diese Architektur durchaus langlebig ist und eine konsistente Leistung bietet.

Einstellmöglichkeiten

Die GRIP-Dämpfung bietet dem Fahrer zwei wesentliche Einstellmöglichkeiten, die über die roten und goldenen Regler justiert werden.

Die Marzocchi Z1 verfügt über keine separate Low-Speed- und High-Speed-Druckstufeneinstellung. Alles ist bewusst einfach gehalten und bietet genau die Einsteller, die einem Großteil der Anwender reichen sollten. Druckstufe und Zugstufe. Das macht das Setup unkompliziert und alles ist schnell erledigt.

  • Druckstufe (goldener Regler, linker Gabelholm oben): Ungerastert und simpel von offen bis zum Lockout. Marzocchi empfiehlt, diese Einstellung komplett offen zu halten.

  • Zugstufe (roter Regler, rechter Gabelholm unten): Wie beschrieben belässt Marzocchi es bei der GRIP-Kartusche bei einer Einstellbarkeit für die Lowspeed-Zugstufe. Je nach Federhärte gibt es Empfehlungen für das erste Setup. Später kann man natürlich nach persönlicher Vorliebe nochmal langsamer oder schneller regeln.

Stufenlose Druckstufen-Verstellung – Marzocchi empfiehlt, es möglichst offen zu fahren.

Typisch FOX GRIP-Kartusche: ein roter Lowspeed-Zugstufen-Knopf.

Setup der Marzocchi Z1 Coil

Keine Luft. Kein Problem. Bevor es auf den Trail geht, sollte man natürlich die passende Feder eingebaut haben. Ein Sticker auf der Rückseite der Gabel gibt zusätzliche Empfehlungen, wie man die Zugstufe passend einstellen sollte. 

Schmale drei bis vier Klicks kommen hier als Startpunkt infrage. Auch wenn das immer eine Frage der individuellen Präferenzen ist, so kann man hier eigentlich kaum falsch liegen. 

Der güldene Einsteller für die Druckstufe dreht stufenlos bis zum Lock. Vermutlich wird die Zielgruppe für diese Gabel diese Funktion kaum brauchen, aber sie wäre vorhanden.

Ab in die Mitte damit und man ist bereit für den Trail.

Welche Federhärte man benötigt, steht auf der Rückseite des Castings. Die Farbe der Feder erkennt man an der Kunststoffhülle um die Feder.

Federtausch. Federweg. Volumenspacer?

Federtausch

Wer es gerne strammer oder weicher mag oder grundsätzlich mit der mitgelieferten Standard-Feder nicht glücklich wird, kann sich über die Topcap auf der linken Seite der Z1 Zugang verschaffen. Darunter steckt die Feder, umschlossen von einem farbkodierten Kunststoffverhüterli. Klappern soll hier minimiert werden. So sieht die Explosionszeichnung und die Anleitung vom Hersteller aus:

Federweg

Wer jetzt ganz genau hingeschaut hat, dem sind die Federwegs-Spacer (Travel Spacer) aufgefallen. Damit kann man seine Gabel recht einfach intern auf drei verschiedene Federwegslängen anpassen – die Federwege variieren allerdings zwischen den beiden Laufradgrößen.

  • 27,5 Zoll: 160, 170 und 180 mm

  • 29 Zoll: 150, 160 und 170 mm

Und so muss man die Spacer anordnen, um den entsprechenden Hub zu erhalten:

Volumenspacer

Die hat es natürlich nicht. Hierfür gibt es den bereits erwähnten Air Assist, der die im Luftraum der Tauchrohre eingeschlossene Luft gezielt nutzt und einen Durchschlagschutz am Ende des Federwegs zur Verfügung stellt.

Wer innerhalb der Federhärte feinabstimmen möchte, kann das lediglich über die Vorspannung in begrenztem Maße.

Marzocchi Z1 Coil Steckachse und Vorderrad einbauen

Als Achssystem kommt die bewährte 15 x 110 Boost-Steckachse zum Einsatz. Für die Leute, die kein Werkzeug in die Hand nehmen möchten, gibt es eine Version mit Quickrelease. Optisch aufgeräumter (und minimal leichter) geht es mit der Kabolt-Version. Hierfür braucht es einen 6er-Sechskantschlüssel.

Ein Ausgleich für mögliche, Schwankungen bei der Nabenbreite wie bei der Fox 36 und 38 gibt es nicht.

Boost-Steckachse von der linken Seite reinstecken und mit 17 Nm festziehen – fertig.

Auf dem Trail

Marzocchis Z1 Coil mit GRIP-Kartusche gibt einem von dem ersten Meter an dieses vertraute, warme Gefühl im Bauch. Denn hier gilt: einfach losfahren, keine Gedanken verschwenden. Solange man nicht genau zwischen zwei Federhärten liegt, ist das Setup nach dem Einstellen des Sags eigentlich erledigt. Keine Dämpferpumpe im Rucksack, kein Gefummel mit Setup-Tabellen – einfach und ohne Grübelei den Trail genießen.

So entlastet genießt man die Fahrt. Typisches Coilfeeling stellt sich ein. Die Z1 steht souverän im Federweg. Keine Negativ-Luftkammer hilft ihr beim Ansprechen auf die kleinen Unebenheiten – und das braucht sie auch gar nicht. Sie flubbert auch so schon vor sich hin. Das endlos beschriebene „Loch im (sagenumwobenen) mittleren Federwegsbereich“ gibt es coil-typisch sowieso nicht.

Gleichzeitig ist immer ausreichend Gegenhalt da, egal ob beim Reinpuschen in Wellen oder zum Fahrwerk aufladen, beim Leichtmachen und Überspringen von Wurzel- und Steinfeldern.

Wer hier gerne maximal stramm unterwegs ist, greift zum goldenen „Lautstärkeregler“ – der GIRP-Druckstufeneinstellung. Rasterfrei fühlt man sich am Anfang etwas unsicher, wo man jetzt gerade von der Dämpfung steht, aber man gewöhnt sich schnell daran. 

Steht der Ring für den genutzten Federweg (zu) weit oben oder fühlt man sich nach vorn gezogen, wenn es Schläge von vorn hagelt? Einfach etwas lauter – äää – Dämpfung zudrehen. Spätestens nach einigen Ausfahrten ist einem bewusst, wo der Wohlfühlbereich der Einstellung liegt – und man stellt die Grip-Kartusche zwischendurch mal etwas härter oder weicher. 

Die Z1 reagiert deutlich auf das Ändern der Einstellung und bietet entsprechend höhere Dämpfungskräfte, gibt dadurch weniger Federweg frei und sorgt so für eine höhere Front in Sektionen mit wiederholten schnellen Schlägen. Von der Qualität der Dämpfung liegt man auf einem soliden, guten Niveau. 

Wer sich am unteren Ende einer Federhärte bewegt, wird vielleicht sowieso selten am Regler drehen. Einfach offen lassen, gut ist. Auch die Zugstufe arbeitet souverän und eine getrennte Einstellung von High- und Lowspeed vermisst man hier eigentlich nie.

Wird es mal richtig grob und die Drops hoch, muss man sich keine Sorgen über zu häufige unangenehme Durchschläge machen. Das von Marzocchis Air Assist genutzte Luftvolumen im Casting sorgt für genau die richtige Portion Progression. So hat man es nicht mit einer komplett linearen Gabel zu tun, sondern mit einem stimmigen Gesamtpaket. Übertreibt man es aber mit der Drophöhe oder landet bewusst oder unbewusst mit zu viel Druck, dann kann es am Lenker schon mal ordentlich klopfen. Wer hier ganz hart im Nehmen ist und regelmäßig an den Endanschlag geht, könnte sich einen etwas dickeren Puffer wünschen – aber dafür gibt’s zum Glück den Tuner des Vertrauens.

Technischer Bericht 

Hier können wir es kurz halten: Die Gabel läuft und läuft und läuft. 

Wie sieht das ideale Anwenderprofil für die Marzocchi Z1 Coil aus?

Hauptsache, es federt. Die Devise ist klar und deutlich. Wer technisch nicht in den Kaninchenbau abtauchen möchte und lieber einfach nur fahren will, findet in der Z1 vielleicht den persönlichen heiligen Gral. Trotz simpler Dämpfungskartusche und eingeschränkter Verstellbarkeit gibt es kaum Schwächen an dieser Federgabel. Ja – andere Kartuschen und Highend-Ausführungen haben in extremen Situationen und bei massivem Dauerbeschuss durch Schläge die Nase vorn, sind kraftschonender und etwas kontrollierter. Das kommt aber zu einem höheren Preis, kürzeren Wartungsintervallen und Zeitaufwand bei der Abstimmung.

FAZIT

Was will man mehr? In einer Welt, in der alles komplizierter und noch mehr geregelt wird, braucht es manchmal schlicht weniger. Keine Dämpferpumpe, keine wiederholten Setup-Fahrten und keine Verwirrung um zu viele Verstellmöglichkeiten. Hast du die passende Federhärte verbaut sowie dein Rebound- und Druckstufen-Setting gefunden, musst du hier eigentlich nie mehr etwas verstellen.

Die Marzocchi Z1 GRIP ist in ihrer Coil-Variante ein Arbeitspferd ohne Überraschungen – und das im positivsten Sinne.

Was ist erwähnenswert? Dinge die man bedenken sollte.
  • Absolut simpel und verständlich für jedermann
  • Eher auf der steifen Seite, trotz 36 mm Standrohren
  • Unkompliziert
  • Wer zwischen zwei Federhärten liegt, sollte beide probieren.
  • Sei ehrlich mit dir. Wie viel verstellst du an der Gabel wirklich?

Wie geht es weiter?

Im nächsten Test behandeln wir die Push Nine One V2. Die zweite Upside-Down-Federgabel in unserem Test. Selten sieht man sie auf dem Trail und wir fragen uns: Warum eigentlich? Genau wie die Marzocchi Z1 aus diesem Test ist es eine Coil-Gabel. Eine spannende Kombi, die für einige Überraschungen sorgte.

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Autor – Jens Staudt

Größe: 191 cm

Gewicht: 103 kg

Fahrstil: Mit seinem Race-Hintergrund sind die Linien geplant, auch wenn es mal rumpelt. Wenn möglich, werden Passagen übersprungen. Die ganze Breite eines Trails sollte man nutzen. Andere würden sagen – kompromisslos.

Motivation: Ein Produkt sollte sorgenfrei und möglichst lange funktionieren. Wenn man weniger schrauben muss, kann man mehr fahren. Er bastelt gerne und schaut, wie das Bike noch optimiert werden kann.



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Review: Marzocchi Z1 Coil GRIP

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