Checkliste Service – So startest du perfekt in die saison

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Zwischenzeitlich sollte jeder die Nase in die Frühlingsluft gestreckt haben und die ersten Ausfahrten auf trockenen Trails genießen. Die Saison startet. Während man die eingerosteten Gelenke und den Winterspeck in Schwung bringt, sollte man auch sein Bike etwas genauer begutachten. Einiges lässt sich als Hobbyschrauber im Keller oder der Garage erledigen. Für manche Arbeiten ist Spezialwerkzeug und ein Fachmann notwendig. Zusammen mit Josh von BikesPeak geben wir euch hier eine Übersicht an Punkten, die ihr beachten solltet und was jeweils an Kosten auf euch zukommen kann.

Grundsätzliches

Der Drahtesel aus alten Zeiten lässt sich oft mit etwas Liebe und Zeit im eigenen Hobbykeller selbst richten. Technik und Aufwand sind simpel durchschaubar. Wenn es zu High-End-Teilen kommt und E-Bikes wird es schnell komplexer.

Auch wenn es auf Youtube viele DIY Videos gibt folgen gerne unangenehme Überraschungen. Euer kompetenter Händler vor Ort hat nicht nur alle Spezialwerkzeuge, sondern auch die passende Analyse-Software wie auch das neueste Update für euer E-Bike und die passende Schulung vom Hersteller.

Der Rahmen

Schnell denkt man an Details wie Bremsbeläge oder die Lagerung des Hinterbaus. Man sollte aber auch das Herzstück des Bikes im Blick haben: den Rahmen. Es gilt, dass nur ein sauberes Fahrrad ein schnelles Fahrrad ist. Nach einer liebevollen Handwäsche, kontrolliert jeden Winkel auf, Risse oder Lackabplatzer. Bei Rahmen aus Metall schaut besonders gut hin an Schweißnähten, der Tretlagerregion und im Bereich des Steuerrohrs. Auch kleine Haarrisse können auf Dauer zum Sicherheitsrisiko werden.

Warum das wichtig ist: Ein beschädigter Rahmen kann im Gelände brechen und das kann unschön ausgehen. Frühzeitig entdeckt, lassen sich sogar an Carbonrahmen manche Schäden reparieren. Teilweise kann so ein Schaden auch von der Herstellergarantie abgedeckt sein.

Was kann man selbst machen? Sichtprüfung mit guter Beleuchtung und eventuell einer Lupe.

Werkstatt-Check: Falls Unsicherheiten bestehen, lohnt sich ein Besuch beim Fachmann. Eine Sichtprüfung kostet für Stammkunden meist nichts. Wird es zeitaufwendiger kann ein Rissprüfverfahren (z. B. mit Farbeindringverfahren oder Thermographie) für Gabel und Rahmen zwischen 100–280 € kosten.

Hinterbaulagerung

Ohne Kugellager dreht sich bei den Fullies meist nichts. Jeder Drehpunkt ist durch die Saison harten Dauerbelastungen ausgesetzt. Alles sollte auf Spiel, Knackgeräusche und leichtgängige Bewegung geprüft werden. Dazu einfach das Hinterrad abnehmen, die Dämpferaufnahme lösen und die Umlenkhebel manuell bewegen.

Warum das wichtig ist: Verschlissene Lager sorgen nicht nur für schlechtes Fahrverhalten und Energieverlust, sondern können auch die Lageraufnahmen im Rahmen beschädigen – und das wird dann deutlich teurer als ein neuer Satz Lager.

Was kann man selbst machen? Sicht- und Fühlkontrolle. Wer das passende Werkzeug hat, kann Lager auch selbst tauschen – ist aber je nach Modell aufwendig und es kann einiges leicht schiefgehen. Wer sich hier nicht auskennt, besser Finger weg und ab zum Fachmann.

Werkstatt-Check: Der Preis ist abhängig vom Bike, der Anzahl der Lager und der Lagerart.

  • Austausch inkl. Auspressen und Einpressen der Lager: ca. 100–150 €

Suspension

Dämpfer und Federgabel sind Hightech-Bauteile, die regelmäßig gewartet werden müssen. Ein Service umfasst typischerweise den Austausch der Schmier- und Dichtmittel sowie die Prüfung auf Undichtigkeiten oder Verschleiß. Jeder Hersteller hat zumeist eine Richtlinie, die sich an den Fahrstunden ausrichtet. Aber auch wenn ihr vielleicht nicht so viel auf dem Bike unterwegs wart, kann es sinnvoll sein einmal im Jahr zumindest einen Schmierölservice zu machen. Ein Fahrwerk wird über die Zeit langsam schlechter ansprechen und die Funktion nicht mehr auf dem höchsten Level bleiben. Oft sind Fahrer frustriert und denken an Tuning. Meist reicht ein simpler Service, um die ideale Funktion wieder herzustellen. Wer sein Fahrwerk bis zum bitteren Ende geißelt und erst dann über Service nachdenkt, wenn sich ein dunkler Ölfilm auf den Standrohren befindet, sollte sich auf deutlich höhere Kosten einstellen.

Warum das wichtig ist: Nur mit regelmäßigem Service arbeitet die Federung geschmeidig und behält ihre Performance. Wird zu lange gewartet, drohen teure Folgeschäden an Kolbenstangen, Standrohren oder Luftkammern.

Was kann man selbst machen? Wer sich auskennt, kann einfache Lower-Leg- oder Luftkammerservices machen – allerdings nur mit Spezialwerkzeug und Know-how.

Werkstatt-Check:

  • Gabel- oder Dämpferservice (Basis): ca. 90 €

  • Komplettservice der Dämpfungskartusche inkl. Dichtungswechsel: 150–200 €

Laufräder

Die Laufräder sollten auf Rundlauf und Speichenspannung geprüft werden. Ein seitlich oder vertikal „eierndes“ Rad wirkt sich nicht nur negativ auf Fahrverhalten und Bremsperformance aus. Jeder zusätzliche Schlag kann auf ein vorgeschädigtes Laufrad mehr Auswirkungen haben als auf ein Laufrad mit gesunder und gleichmäßiger Speichenspannung.

Ähnlich wie der Hinterbau finden sich in den Naben der Laufräder ebenfalls Kugellager. Diese sind auch oft nach einer Saison und unfreiwilliger Hochdruckdusche bei der Schnellreinigung auszutauschen.

Warum das wichtig ist: Ungleichmäßige Spannung kann zu Speichenbrüchen führen, instabile Felgen gefährden die Sicherheit. Ein zentriertes Laufrad läuft ruhiger und hält länger. Frische Lager helfen jeden Input von euch in Vortrieb umzuwandeln. Nichts wird verschwendet und es geht sauber vorwärts.

Wenn ein Lager ausgeschlagen ist werden auch die benachbarten Bauteile schneller verschleißen. Nabenkörper oder Freiläufe zu ersetzen ist teurer als frühzeitig die Lager zu tauschen.

Was kann man selbst machen? Kleinere Zentrierarbeiten sind mit einem Zentrierschlüssel möglich – wer Übung hat, kann auch einzelne Speichen ersetzen. Man sollte die notwendige Speichenspannung kennen und frisches Felgenband im Haus haben. Klingt kompliziert? Kein Zentrierständer im Keller? Ab zum Fachmann.

Werkstatt-Check:

  • Laufrad zentrieren: 15–30 € pro Rad

  • Speichen ersetzen & zentrieren: 25–50 € pro Rad

Reifen

Im Frühjahr lohnt sich ein genauer Blick auf die Reifenflanken, das Profil und den Luftdruck. Auch die Dichtmilch in Tubeless-Reifen sollte kontrolliert und ggf. erneuert werden. Wer sich die Mühe gemacht hatte auf Winterreifen mit einem offenerem Profil oder einer Gummimischung für niedrigere Temperaturen umzurüsten sollte jetzt die schnelleren Pneus aufziehen.

Warum das wichtig ist: Risse in der Flanke oder ausgehärtetes Gummi führen schnell zu Pannen. Und ohne frische Dichtmilch funktioniert ein Tubeless-Setup nicht zuverlässig. Grobstollige Reifen sind für Loamer passend aber die meisten Trails sind bald wieder härter und darauf rollen Matschreifen nicht nur schlechter auch der Grip ist nicht ideal.

Was kann man selbst machen? Kontrolle und Austausch der Dichtmilch sind einfach machbar. Auch der Wechsel von Reifen ist mit ein wenig Übung gut zu schaffen. Man kann überlegen sich ein Dichtmilch-Kit zuzulegen, welches ein Nachfüllen von Dichtmilch durchs Ventil (mit ausgeschraubtem Kern) ermöglicht. Das spart Zeit und Mühe.

Werkstatt-Check:

  • Tubeless-Service inkl. Dichtmilch: 20–30 € pro Reifen

  • Reifenwechsel (Standardreifen): 15–20 € pro Reifen (Kosten für den Reifen kommen natürlich obendrauf und gegebenenfalls entstehen noch Kosten für Dichtmilch oder neue Ventileinsätze.)

Bremsen

Nach längeren Standzeiten sollte man die Bremse genau überprüfen. Euer Rad hing vertikal an der Wand? Manche Bremsen mögen das nicht so gerne und es kann sein, dass eine Luftblase in die Leitung gewandert ist. Dann ist der Druckpunkt weg oder schwammig. Bremsbeläge sollten auf Abnutzung geprüft, Bremsscheiben auf Verzug und die gesamte Anlage entlüftet werden – besonders nach längerer Standzeit.

Warum das wichtig ist: Schlechte Bremsperformance oder Luft in der Leitung ist auf dem Trail ein No-Go. Auch Belagreste oder verölte Scheiben beeinträchtigen die Funktion erheblich.

Was kann man selbst machen? Belagwechsel geht schnell. Stellt sicher, dass eure Scheiben nicht verschmutzt sind. Insbesondere Öl oder Fett kann die neuen Beläge direkt unbrauchbar machen. Entlüften kann, je nach System etwas komplizierter sein und erfordert Spezialwerkzeug, die richtige Bremsflüssigkeit und Übung.

Werkstatt-Check:

  • Entlüften (pro Bremse): 25–35 €

  • Belagwechsel inkl. Material: ca. 25–40 € pro Bremse

Antrieb

Im Antrieb steckt viel Verschleiß – vor allem bei Vielfahrern oder bei matschigen Bedingungen. Besonders die Kette muss regelmäßig mit einer Lehre auf Längung geprüft werden. Ist sie zu weit gedehnt, sollte sie ersetzt werden, um Kassette und Kettenblatt zu schonen. Auch die Kassette, das vordere Kettenblatt sowie die Kurbel verdienen Aufmerksamkeit: Sichtkontrolle auf abgenutzte Zähne oder Schäden ist Pflicht. Dazu gehört auch ein Check des Schaltwerks – läuft es sauber durch die Gänge oder hakt es? Wer sich ein höherpreisiges Bike gegönnt hat sollte insbesondere auf den Antrieb ein Auge haben. Die Kosten für Kassette und Kette können einem die Tränen in die Augen treiben. Die gute Nachricht. Auch die niedrigeren Gruppen von SRAM und Shimano funktionieren auf einem sehr guten Level. Hier kann man bei einem notwendigen Tausch Geld sparen.

Warum das wichtig ist: Eine verschlissene Kette greift nicht mehr korrekt ins Ritzelpaket, was zu schlechtem Schaltverhalten und vorzeitigem Verschleiß an Kassette und Kettenblatt führt. Wird der Wechsel rechtzeitig gemacht, spart man sich den Komplettaustausch. Und eine Carbonkurbel mit tiefen Furchen von Steinkontakt kann an diesen Stellen brechen. Das Schaltwerk sollte sauber die Gänge wechseln. Das beugt Verschleiss vor und schont die Nerven auf dem Trail.

Was kann man selbst machen? Kettenmessung, Sichtprüfung und sogar der Austausch von Kette und Kassette sind mit etwas Werkzeug machbar. Für manche ist Schaltwerkeinstellung ein Mysterium. Wer genug Nerven hat und ein zwei Youtube-Videos anschaut kann es sich draufschaffen. Für weniger geduldige Biker lohnt der Gang in den Bikeshop.

Werkstatt-Check:

  • Kettenprüfung & -tausch: ca. 20–40 € (zzgl. Material)

  • Kassette & Kettenblatt tauschen: 40–70 € (zzgl. Material)

  • Schaltwerk einstellen & Check: 15–30 €

  • Kurbel prüfen & ggf. nachziehen: 20–30 €

Lenkzentrale

Was zur Hölle klappert da die ganze Zeit? Ein Steuersatz ist gerne mal locker und sollte nachgespannt werden. Vorbau, Lenker und Lager hat man nicht direkt auf dem Schirm aber auch hier sollte man genauer prüfen ob irgendwo ein Schaden oder Verschleiß vorliegt.

Warum das wichtig ist: Ein sauber eingestellter Steuersatz sorgt für präzises Lenkverhalten und verhindert langfristige Schäden an Rahmen oder Lagerflächen. Zu fest angezogene Bremshebel können Kerben in Carbonlenkern hinterlassen, die später zu Sollbruchstellen werden. Niemand will erleben wie ein Lenker auf dem Trail bricht.

Werden die Kabel durch den Steuersatz geführt sollte ebenfalls der Gabelschaft auf Abrieb geprüft werden. Besonders wichtig ist das bei Gravel-Bikes und Rennrädern und Carbonschäften.

Was kann man selbst machen? Steuersatz einstellen ist einfach, wenn man weiß wie. Fetten und Reinigen geht auch zu Hause. Wenn die Lager am Ende sind, muss man wissen welches man genau braucht, da es sehr viele Varianten gibt.

Werkstatt-Check:

  • Steuersatz reinigen, fetten, einstellen: ca. 20–40 €

  • Steuersatz mit innenliegenden Zügen reinigen, fetten, einstellen: ca. 150 €

  • Lager tauschen (inkl. Ausbau): ca. 40–80 €

Bonus: E-Bikes – Motor und Akku

Bei E-Mountainbikes kommt noch der Antrieb ins Spiel. Hier empfiehlt sich ein Software-Check, ggf. ein Firmware-Update, sowie die Überprüfung von Kontakten und Akku-Kapazität. Remotes für den Modi-Wechsel bekommen gerne mal etwas ab bei einem Crash oder ungewolltem Kniekontakt. Funktionieren die noch einwandfrei? Kann ich alle Modi sauber wechseln?

Warum das wichtig ist: Fehlerhafte Sensorik, verdreckte Kontakte oder veraltete Software führen schnell zu Problemen. Frühzeitige Wartung verlängert die Lebensdauer und sorgt für volle Leistung.

Was kann man selbst machen? Sichtprüfung, Kontaktpflege mit geeignetem Spray.

Werkstatt-Check:

  • Systemdiagnose & Update: 30–50 €

  • Komplettcheck inkl. Akkuprüfung: 50–80 €

Fazit

Frühjahrscheck mit allen Punkten habt ihr gemacht oder solltet ihr vielleicht am geliebten Bike nochmal genauer hinschauen? Oft können größere Schäden im Vorfeld erkannt werden. Die Kosten für eine Reparatur sind dann geringer. Insbesondere an Antrieb und Suspension. Grundsätzlich gilt, wer sich im Frühjahr etwas Zeit für sein Material nimmt, profitiert doppelt: Zum einen läuft alles reibungslos, knackfrei und präzise – genau so, wie es sein soll. Zum anderen verlängert regelmäßiger Service die Lebensdauer aller Komponenten und schützt vor teuren Überraschungen mitten in der Saison.

Ob auf flowigen Trails, steilen Anstiegen oder schnellen und technischen Abfahrten – wenn das Bike perfekt funktioniert, bleibt der Kopf frei für das, was wirklich zählt: der Spaß am Fahren. Also ran ans Werkzeug oder ab zur Werkstatt – euer Bike wird es euch danken!

Ihr wollt Podcasts hören beim Schrauben? Hier gibts Futter für die Ohren.


Autor – Jens Staudt

Größe: 191 cm

Gewicht: 103 kg

Fahrstil: Mit seinem Race-Hintergrund sind die Linien geplant, auch wenn es mal rumpelt. Wenn möglich, werden Passagen übersprungen. Die ganze Breite eines Trails sollte man nutzen. Andere würden sagen – kompromisslos.

Motivation: Ein Produkt sollte sorgenfrei und möglichst lange funktionieren. Wenn man weniger schrauben muss, kann man mehr fahren. Er bastelt gerne und schaut, wie das Bike noch optimiert werden kann.


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