DT Swiss 1700 Laufräder Familien Update
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Die Schweizer von DT Swiss setzen seit 1994 auf das Thema Haltbarkeit und Innovation. Nun wurde ihre bewährte 1700er-Laufradserie überarbeitet. XC, Trail, Enduro und E-MTB. Wir haben uns die technischen Daten genau angesehen und verraten, was die neuen XRC, XM, EX und HX 1700-Modelle ausmacht, wo die Unterschiede liegen und für wen sich ein Upgrade lohnt.
Fotos: DT Swiss
Technische Informationen DT Swiss 1700 Serie
Kategoriespezifische, asymmetrische Felgen
DT 350 Naben
DF-Technologie = Anti-Pedalrückschlag
Speichen und Nippel
Die neue 1700er-Familie wurde weiter optimiert und bekommt durchdachte Updates. Neu ist, dass nun alle 1700-Felgen asymmetrisch aufgebaut sind. „Asymmetrisch“ bedeutet, dass die Speichennippelaufnahme nicht mittig, sondern etwas seitlich versetzt ist.
Kraftflüsse sollen optimiert werden und am Ende gibt es auch (fast) gleich lange Speichen, einen gegenüber dem Vorgänger einheitlicheren Speichenwinkel und vor allem eine gleichmäßige Speichenspannung auf der Zug- und Gegenseite. Das macht das Laufrad nicht nur steifer, sondern auch haltbarer.
Kombiniert mit kategoriespezifischen Profilen, Speichen und Naben, die auf die jeweiligen Einsatzbereiche zugeschnitten sind, ergibt das ein durchdachtes Gesamtpaket und Portfolio.
Die aktuelle 1700er-Serie teilt sich in vier Hauptkategorien auf:
XRC 1700: Für Cross Country – das einzige 1700-Laufrad mit Carbonfelge.
XM 1700: Für Trail und All Mountain.
EX 1700: Für Enduro, Downhill, Bikepark und Freeride.
HX 1700: Für E-MTBs (Hybrid).
Steckbrief DT SWISS 1700 SERIE
| XRC 1700 SPLINE | XM 1700 SPLINE | EX 1700 CLASSIC | HX 1700 SPLINE | |
|---|---|---|---|---|
| Einsatzbereich | Cross Country | Trail / All Mountain | Enduro / DH / Bikepark / Freeride | E-MTB |
| Felgenmaterial | Carbon, asymmetrisch | Aluminium, asymmetrisch | Aluminium, asymmetrisch | Aluminium, asymmetrisch |
| Felgenkombi | Carbon leicht vorne/hinten | Alu leicht vorne, Alu mittel hinten | Alu mittel vorne, Alu stabil hinten | Alu mittel vorne, Alu stabil hinten |
| Nabe | 350 Straightpull mit 54T Ratchet SL | 350 DEG mit DF (72T) | 350 CLASSIC DEG mit DF (72T) | 350 Hybrid Straightpull mit DF (60T) |
| Einbaubreite vorne | 15 x 110 mm | 15 x 110 mm | 15 x 110 mm / 20 x 110 mm | 15 x 110 mm |
| Einbaubreite hinten | 148 x 12 mm | 148 x 12 mm | 148 x 12 mm / 157 x 12 mm | 148 x 12 mm |
| DF Technology | Nicht vorhanden | Ja (0° / 10° / 20°) | Ja (0° / 10° / 20°) | Ja (0° / 10°) |
| Speichen | DT Competition Race, Straightpull | DT Competition Race, Straightpull | DT Competition Race, J-Bend | DT Hybrid II, Straightpull |
| Speichenanzahl | 24 vorne / 24 hinten | 28 vorne / 28 hinten | 28 vorne / 32 hinten | 28 vorne / 28 hinten |
| Felgen-Hook | Hookless | Hooked | Hooked | Hooked |
| Gewicht (Set 29") | 1.410 g | 1.881 g | 2.010 g | 2.127 g |
| Max. Systemgewicht | 120 kg | 130 kg | 130 kg | 150 kg |
| ASTM Kategorie | 3 | 4 | 5 | 4 |
| Preis (UVP) | Ab 1.299,80 € | Ab 749,80 € | Ab 749,80 € | Ab 759,80 € |
TECHNISCHE INFORMATIONEN DT SWISS 1700 Serie
Die Schweizer haben an vielen kleinen Stellschrauben gedreht, die in der Summe ein überzeugendes Gesamtpaket ergeben.
Kategoriespezifische, asymmetrische Felgen
Wie bereits erwähnt, ist die größte Neuerung der Felgen das asymmetrische Design.
Da im XC das Gewicht eine große Rolle spielt, kommen bei dem XRC 1700-Laufradsatz Carbonfelgen zum Einsatz. Das verrät auch schon das C hinter XR.
Für die anderen Bereiche (XM, EX und HX Modelle) gibt es insgesamt drei verschiedene Alu-Felgenprofile, die je nach Einsatzzweck gezielt zum Einsatz kommen. Es gibt sozusagen eine leichte, eine mittlere und eine schwere (robuste) Felge – mit überarbeitetem Felgenbett und Hook. Die Kombinationen setzen sich wie folgt zusammen:
| Laufradsatz | Felgen-Material | Felgen-Typ (vorne/hinten) |
|---|---|---|
| XRC 1700 | Carbon | leicht/leicht |
| XM 1700 | Aluminium | leicht/mittel |
| EX 1700 | Aluminium | mittel/schwer |
| HX 1700 | Aluminium | mittel/schwer |
Durch das asymmetrische Design sitzen die Nippel nicht mittig, sondern leicht versetzt zur Seite.
DT 350 Naben
Alle 1700er-Laufräder kommen mit DTs 350-Nabe. Sie hat sich in der Szene einen Ruf erarbeitet und steht für Haltbarkeit und einfache Wartbarkeit. Aber auch hier unterscheiden sich die Ausführungen je nach dem Einsatzzweck:
XRC: 350 mit 54 Zähnen Ratchet SL für minimales Gewicht
XM: 350 DEG mit 72 Zähnen und DF-Technologie (dazu später mehr im Detail)
EX: 350 DEG mit 72T und DF-Technologie
HX: Verstärkte 350 Hybrid-Nabe für E-MTB mit 60 Zähnen und eingeschränkter DF-Technologie
Bei der HX 350 Hybrid-Nabe wurde das Nabengehäuse verstärkt und der Freilaufkörper von Aluminium auf Stahl umgestellt – für eine lange Lebensdauer unter den höheren Belastungen immer stärker werdenden E-MTBs.
Den EX-Laufradsatz für den Enduro- und Downhill-Einsatz bekommt man als einzige Variante auch für Super Boost-Hinterbauten (157 x 12 mm) und für 20 mm Steckachsen (20 x 110 mm).
XRC, XM und HX sind ausschließlich im 148 x 12 mm-Boost-Standard und 15 x 110 mm fürs Vorderrad erhältlich.
Die 350 mit Ratchet DEG DF-Freilauf. DF? Das wird im nächsten Punkt erklärt.
Die verstärkten 350 Hybrid-Naben im HX-Laufradsatz fürs E-MTB sind entsprechend gekennzeichnet.
DF-Technologie = Anti-Pedalrückschlag
Alle XM-, EX- und HX-Modelle kommen in der Update-Version mit integrierter DF-Technologie (Degrees of Freedom) – mit einer Ausnahme: Die XRC 1700 für Cross Country verzichtet darauf, um Gewicht zu sparen.
DF ist ein in den Freilauf integriertes System, das den Pedalrückschlag reduziert. Je nach Kategorie und Wunsch kann der Freilaufkörper bei XM und EX 0°, 10° oder 20° und bei HX 0° oder 10° nachgeben, bevor er einrastet. Beim HX fürs E-MTB ist der Winkel auf maximal 10° limitiert, um die hohen Drehmomente moderner E-Motoren sicher zu übertragen.
Je mehr Grad, desto weniger Rückschlag spürt man in ruppigen Abfahrten am Pedal. Möchte man das nicht, hat man mit der 0°-Stellung das gleiche Gefühl wie bei einer klassischen Nabe. Wer wissen möchte, wie das genau funktioniert, kann hier unseren Testbericht dazu lesen.
0°: Direkte Reaktion, kein Spiel.
10°: Guter Kompromiss aus Reaktion und Komfort.
20°: Große Reduktion des Pedalrückschlags, was gerade bei heftigen Schlägen mehr Kontrolle und Ruhe bringt – dafür ein größerer Leerweg.
Im Gegensatz zu den Alu-Modellen hat die 350er Nabe im XRC-Laufradsatz kein DF-System, um Gewicht zu sparen.
| Laufradsatz | Einsatzbereich | Degrees of Freedom |
|---|---|---|
| XRC 1700 | Cross Country | 0° |
| XM 1700 | Trail / All Mountain | 0°, 10°, 20° |
| EX 1700 | Enduro / Downhill / Bikepark / Freeride | 0°, 10°, 20° |
| HX 1700 | E-MTB | 0°, 10° |
Je nach Stellung der inneren Scheibe ergeben sich 0°, 10° oder 20° Leerweg oder „Freiheitswinkel“. Hier abgebildet ist der größte 20° Winkel.
Links die Hybrid-Version – also fürs E-Bike mit maximal 10° Leerweg – und rechts im Bild die Standard-Version mit 0°, 10° und 20°.
Speichen und Nippel
Für die Speichen der XRC-, XM- und EX-Laufräder setzt DT auf die bewährten DT Competition Race-Modelle. Sie haben eine extra dünne Mittelung (2,0 mm – 1,6 mm – 2,0 mm) und sparen so Gewicht.
Beim HX-Satz für E-MTB kommen speziell entwickelte „Hybrid“-Speichen zum Einsatz – sie erhöhen sowohl die Seiten- als auch die Torsionssteifigkeit, wodurch das Laufrad besser für die höheren Belastungen von E-MTBs geeignet ist.
An XRC, XM und auch an dem HX für E-MTB finden sich Straightpull-Speichen – dafür steht der Zusatz SPLINE in der Produktbeschreibung.
Am Enduro-Laufradsatz EX gehen die Schweizer auf klassische J-Bend-Speichen – daher der Zusatz CLASSIC. Diese Art von Speiche kann im Ernstfall einfacher getauscht werden. Zusätzlich kommen am EX-Hinterrad 32 Speichen zum Einsatz, was diesen Laufradsatz auf das höchste ASTM 5-Level hebt.
Ein Detail, das uns besonders gut gefällt: Überall kommen Alu-Nippel mit Pro Lock zum Einsatz – die halten besser und verhindern, dass das Tubeless-Tape beschädigt wird.
Je nach Einsatzzweck werden unterschiedlich viele Speichen am Vorder- und Hinterrad verbaut:
| Laufradsatz | Speichen-Modell | Speichen-Art | Anzahl vorn/hinten |
|---|---|---|---|
| XRC 1700 SPLINE | DT Complite | Straightpull | 24/24 Speichen |
| XM 1700 SPLINE | DT Complite | Straightpull | 28/28 Speichen |
| EX 1700 CLASSIC | DT Complite | J-Bend | 28/32 Speichen |
| HX 1700 SPLINE | DT Hybrid E-MTB | Straightpull | 28/28 Speichen |
Die 350er mit J-Bend-Speichen aus dem EX 1700 CLASSIC-Laufradsatz.
Die Straightpull-Speichen haben einen geraden Speichenkopf und werden daher auch gerade in den Nabenflansch eingeführt.
AUF DEM TRAIL (First Ride)
Ein Laufrad ist ein sehr unterschätztes Bauteil, wenn es darum geht, wie sich ein Bike auf dem Trail anfühlt. Mit dem Einzug von Carbonfelgen wurde das Thema auf den Kopf gestellt und nach vielen Irrfahrten in Richtung „noch steifer“ und „noch leichter“ erkannten die Hersteller, dass man die Fahrqualität und Haltbarkeit etwas vernachlässigt hatte. Carbonfelgen wurden schwerer und das Wort „Compliance“ fand seinen Weg in die Produktkommunikation.
Nun hat sich das Mountainbiken mit den E-Bikes zusätzlich verändert. Höhere Belastungen auf die Naben durch mehr Zug auf der Kette, schwerere Bikes und dadurch härtere Einschläge auf die Felgen.
Bei DT trägt man dem Rechnung und wir konnten einen ersten Eindruck davon bekommen, wie sie das Lastenheft abgearbeitet haben.
Alles hält. – Ok – das wäre jetzt etwas kurzgegriffen, aber von der Grundaussage können wir das aktuell so unterschreiben. Wir konnten auf den Trails in Molini di Triora, in San Romolo und der Schwäbischen Alb schon einiges versuchen, um den neuen Laufrädern von DT Verformungen beizubringen.
Soweit, kein Murren und keine Dellen. Selbst als wir es herausforderten und den Luftdruck an den (Schwalbe Gravity) Reifen unter unserem 0,1-Tonner (Jens) auf 1,6 Bar an der Front und 1,8 Bar am Heck am 24 kg E-Bike senkten, blieben alle Aluminium-Felgenhörner der EX- und HX 1700-Laufräder aufrecht.
Harte Hucks – kein Problem. Bisher gab kein Laufrad nach.
Die zusätzlichen Kräfte unter schweren Enduro‑E‑Bikes sind nicht zu unterschätzen und hier lief alles wie ein Schweizer Uhrwerk – oder eben Laufrad. Unser Testbike hatte eine hohe Reifenfreiheit und es zeigte sich kein Reifenabrieb im Hinterbau.
Im Langzeittest müssen wir noch herausfinden, wie hoch der seitliche Flex ist und wo man sich hier im Gesamtfeld platziert. Nach aktuellen Eindrücken liegt man hier tendenziell eher auf der steiferen Seite.
Momentan haben wir noch keine Testbedingungen, die extreme Querkräfte in Kombination mit sehr hohen Geschwindigkeiten erlauben. Wenn es wieder etwas trockener wird, werden wir aber berichten!
Das Update der Zahnscheiben auf ein durchgängiges DF-System (bis auf XRC) begrüßen wir sehr! Wieder einmal hat sich im Test gezeigt, dass man die Abfahrtsfähigkeiten der Testbikes deutlich erweitern kann, wenn man den Leerweg der Nabe erhöht.
DT SWISS 1700 Laufräder – Erster Eindruck
Die 1700er-Serie kommt daher mit sinnvollen Updates und hat für jeden Fahrstil und jedes Bike einen passenden Laufradsatz zu bieten. Durch den Einsatz von leichteren Felgen am Vorderrad, schwereren am Hinterrad sowie verschiedenen Naben, Speichen und deren Anzahl, findet man einen guten Kompromiss aus Komfort, Gewicht und Haltbarkeit. Alle Trail-Piloten können ab sofort von DTs DF-System profitieren und erhalten ein ruhigeres Fahrgefühl auf dem Trail.
Für einen attraktiven Preis bekommt man ein Laufrad, das mit einer hochwertigen Nabe, moderner Technologie und handgefertigter DT Swiss-Qualität daherkommt.
DU WILLST MEHR TESTS?
Autor – Jens Staudt
Größe: 191 cm
Gewicht: 103 kg
Fahrstil: Mit seinem Race-Hintergrund sind die Linien geplant, auch wenn es mal rumpelt. Wenn möglich, werden Passagen übersprungen. Die ganze Breite eines Trails sollte man nutzen. Andere würden sagen – kompromisslos.
Motivation: Ein Produkt sollte sorgenfrei und möglichst lange funktionieren. Wenn man weniger schrauben muss, kann man mehr fahren. Er bastelt gerne und schaut, wie das Bike noch optimiert werden kann.

