Schwalbe Romy im Test: Trail Pro- vs. das überarbeitete Gravity Pro-Casing
Lesezeit: 17 Minuten
Mit der großen Portfolio-Neuordnung für die Saison 2026/2027 stellte Schwalbe ihr Reifensortiment komplett auf den Kopf. Neben der Einführung einer neuen Nomenklatur rollt mit dem Schwalbe Romy ein brandneuer MTB-Reifen ins Rampenlicht. Zudem hat der deutsche Reifenspezialist die Gravity-Karkasse der PRO-Serie überarbeitet. Wir werfen einen detaillierten Blick auf den Romy, vergleichen das überarbeitete Gravity PRO-Casing mit dem bewährten Trail-Casing und klären, was die Radial-Technologie in der Praxis bringt.
Historie & Story
Schwalbe überraschte die MTB-Welt erstmals mit der Vorstellung der neuartigen Radial-Bauweise bei den Modellen Albert, Magic Mary und Shredda. Die Grundidee dahinter: Eine flexiblere Karkasse sorgt für eine deutlich vergrößerte Lauffläche und damit für mehr Grip, Dämpfung und Sicherheit.
Im Rahmen der aktuellen Portfolio-Neuordnung und Änderung der Modellbezeichnungen werden alte Profile ausrangiert und gegen neue ersetzt.
Statt vielen, unübersichtlichen Linien gibt es ab sofort drei klare Produktfamilien: GRAVITY, TRAIL und RACE. Diese Bezeichnungen stehen künftig sowohl für den Einsatzzweck als auch direkt für die Karkassenkonstruktion. Zudem vereinfacht Schwalbe die Hierarchie:
Schwalbe Line (bisher Active / Performance Line): Preishit für den Alltag mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Schwalbe Pro Line (bisher Evolution Line): Die Highend-Performance-Reifen mit neusten Materialien und Entwicklungsgrundlagen direkt aus dem Weltcup.
Genau in diesem Zuge stellte Schwalbe die Romy vor. Als Nachfolger des legendären Hans Dampf schließt die Romy die Lücke zwischen einem aggressiven Downhill-Profil und eher zahmen All-Mountain-Reifen.
Wer einen genauen Überblick über alle neuen Profile, Modellupdates und Highlights haben möchte, sollte hier den entsprechenden Artikel aus dem April 2026 lesen: Zum Übersichtsartikel
Noch mehr Insider-Infos und Technik-Deep-Dive gibt’s im kürzlich veröffentlichten Podcast mit Schwalbes Produktmanager Carl Kämper: Zum Podcast
Das neue Design ähnelt optisch zwar dem der alten Radialreifen, ist im Detail jedoch anders. Auf der Flanke steht nun nicht mehr das Modell im Vordergrund, sondern die entsprechende Familie – zum Beispiel: SCHWALBE TRAIL oder eben SCHWALBE TRAIL PRO. Das Modell befindet sich jetzt im „Kleingedruckten“ und unterstreicht die Philosophie, dass man seinen Reifen zuerst nach dem Einsatzzweck und erst dann nach dem Profil aussucht.
Kurzer Abriss: Radial vs. Diagonal
Wer unseren großen Vergleichstest zwischen Diagonal- und Radialreifen gelesen hat, kennt das Grundprinzip:
Diagonalreifen (klassisch): Die Karkassfäden verlaufen im 45°-Winkel zur Laufrichtung. Das sorgt für eine steife Struktur und hohe Eigenstabilität bei hohen Kräften, reduziert jedoch das Nachgeben bei punktuellen Hindernissen. Die Kontaktfläche zwischen Reifen und Boden ist somit geringer.
Radialreifen: Die Karkassfäden sind in einem deutlich stumpferen Winkel (< 45°) angeordnet. Die Walkarbeit, also die permanente Verformung, findet hier primär in der Seitenwand statt. Dadurch ist der Reifen deutlich anpassungsfähiger und soll laut Schwalbe 30 % mehr Kontaktfläche bei gleichem Luftdruck als ein Diagonalreifen bieten. Wie sich im großen Vergleichstest herausstellte, ging das zulasten des Durchschlagschutzes – und hier spielen die Casings eine tragende Rolle.
Links: der klassische 45°-Winkel von Schwalbe | Rechts: Schwalbes radialer Winkel – näher an 90° als an 45°
Eine Gegenüberstellung von der Schwalbe-Webseite, die die größere Kontaktfläche (bei gleichem Luftdruck) im Vergleich zeigt.
| Radialreifen | Diagonalreifen | |
|---|---|---|
| Karkassenaufbau | Fäden verlaufen stumpf, nahe 90° zur Laufrichtung | Fäden verlaufen schräg im 45°-Winkel und kreuzen sich |
| Kopplung Seitenwand / Lauffläche | Weitgehend entkoppelt | Stark miteinander gekoppelt |
| Walkarbeit | Primär konzentriert in der Seitenwand | Über Seitenwand und Lauffläche verteilt |
| Kontaktfläche | Größer und gleichmäßiger unter Last | Punktueller, stärker lastabhängig |
| Feedback | Gedämpfter, weniger hartes Rückmelden | Sehr direktes, klares Feedback |
| Ansprechverhalten | Sehr sensibel bei kleinen Unebenheiten | Etwas härter, weniger feinfühlig |
| Pannenschutz | Gleich wie Radialreifen | Gleich wie Radialreifen |
| Gewicht | 1.355 g (Romy Gravity Pro, 29x2,5") | 1.230 g (Romy Gravity Pro, 29x2,4") |
Gravity PRO vs. Trail PRO Casing
Ihre Radial-Ära startete Schwalbe mit dem Trail Pro- und Gravity Pro-Casing. Beide Versionen blieben von den Karkassen-Lagen und Techniken (SnakeSkin und Apex) unverändert zu den diagonalen Super Trail- und Super Gravity-Casings.
Seit der Neuordnung hören die Diagonalreifen auf die gleiche Bezeichnung. Doch damit nicht genug: Die Gravity-Karkasse wurde an die steigenden Ansprüche im Downhill- und Enduro-Sport angepasst. Da die Belastungen in beiden Disziplinen immer extremer wurden, tritt das Gravit Pro-Casing nun in die Fußstapfen des alten Super Downhill-Casings.
Wie uns Carl Kämper im Podcast verriet, stiegen mit dem enormen Grip-Zuwachs der Radial-Technologie auch die seitlichen Querkräfte auf die Karkasse massiv an – Fahrer bremsten später und fuhren mit höheren Geschwindigkeiten in Anlieger. Um sogenanntes „Squirming“ (Schwimmen des Reifens) und Zischen/Luftverlust (Burping) in extremen Kompressionen zu unterbinden, wurden die Seitenwand sowie die Lauffläche des Gravity Pro-Casings nochmals massiver und der Sitz am Reifenkern gezielt überarbeitet.
Zusätzlich betonte er, dass Radialsysteme – egal, welches Casing – durch ihre flexiblere Karkasse mit ca. 0,1 bis 0,2 bar mehr Luftdruck als herkömmliche Diagonalreifen gefahren werden können, ohne dass der Grip verloren geht. Der Reifen passt sich Hindernissen punktuell weiterhin extrem geschmeidig an, gewinnt aber durch den höheren Druck spürbar an Kurvenstabilität und Seitenhalt. Gleichzeitig hilft ein höherer Druck gegen Schäden an den Felgen.
Das neue Gravity Pro Casing im Detail
Entwickelt und erprobt seit 2021 im Enduro- und Downhill-Worldcup, setzt das neue Gravity Pro-Casing auf massiven Schutz. Die neuen Gravity Pro-Reifen kommen mit sechs Karkassenlagen unter der Lauffläche und vier an der Seitenwand. Vorher waren vier darunter und zwei seitlich. Das sorgt für mehr Stabilität und Durchschlagschutz. Dazu kommen der bewährte, gewebeverstärkte Apex-Durchschlagschutz und ein neuer Burping-Schutz. Eine seitliche Snakeskin-Schicht schützt vor Seitenwand-Cuts. Die Gravity Pro-Konstruktion gibt es sowohl in klassischer Diagonal- als auch in der Radial-Bauweise.
Doch natürlich wäre es zu schön, wenn das nur Vorteile mit sich bringen würde. Mehr Material = mehr Gewicht.
Alter Magic Mary (GRAVITY PRO Ultra Soft 29×2,5 Zoll) = 1.340 g
Neuer Magic Mary (GRAVITY PRO Ultra Soft 29×2,5 Zoll) = 1.410 g
Gravity Pro Aufbau
6 Karkassenlagen unter der Lauffläche für erstklassigen Schutz vor Durchschlägen und Durchstichen.
4 Karkassenlagen an der Seitenwand für mehr Stabilität und Schutz vor Durchschlägen.
Gewebeverstärkter Apex: Eine für Downhill modifizierte Apex-Lage zum Schutz vor Durchschlägen, Snakebites und zur Stabilisierung der Seitenwand.
Zusätzlicher Burping-Schutz: Optimierter Materialeinsatz am Reifenkern verhindert Luftverlust bei extremen Querkräften.
Snakeskin-Schicht: Eine zusätzliche Schutzschicht vor scharfkantigen Objekten gegen Laufflächen- und Seitenwand-Cuts über die komplette Reifenfläche.
So setzt sich die optimierte GRAVITY PRO-Karkasse zusammen. Sechs statt vier Lagen unter der Lauffläche (1) und vier anstelle von zwei Lagen an der Seitenwand (2) sorgen für mehr Stabilität und Durchschlagschutz. Der zusätzliche Burping-Schutz (4) soll die Luft im Reifen halten.
Das bewährte Trail Pro Casing im Detail
Diesen Karkassen-Aufbau gab es bereits vor der radialen Zeit – und auch mit Einführung der neuen Modelle bleibt dieser unverändert. Mit drei Karkassen-Lagen unter der Lauffläche und zwei an der Seite bietet er allen Fahrern ausreichend Schutz, die auf Downhill- und Enduro-Strecken das Limit nicht maximal ausloten wollen. Gegenüber dem Gravity Pro-Modell findet man eine dünnere Apex-Lage in der Seitenwand und ein SnakeSkin-Gewebe, das nicht von Wulst zu Wulst geht, sondern nur in der Seitenwand sitzt. Dadurch bestechen die Trail Pro-Reifen mit einem geringeren Gewicht.
TRAIL Pro Aufbau
3 Karkassenlagen unter der Lauffläche
2 Karkassenlagen an der Seitenwand
Gewebeverstärkter Apex: Eine dünnere Apex-Lage zum Schutz vor Durchschlägen und Snakebites.
Kein zusätzlicher Burping-Schutz
Snakeskin-Schicht: Eine zusätzliche Schutzschicht vor scharfkantigen Gegenständen gegen Seitenwand-Cuts – ausschließlich in der Seitenwand.
Unterschied Schwalbe Trail Pro- und Gravity Pro-Casing
| Casing | Trail Pro | Gravity Pro |
|---|---|---|
| Einsatzzweck | All-Mountain, Trail, Enduro | Enduro, Downhill |
| Lauffläche | Drei Karkassen-Lagen unter der Lauffläche | Sechs Karkassen-Lagen unter der Lauffläche |
| Seitenwand | Zwei Karkassen-Lagen an der Seitenwand | Vier Karkassen-Lagen an der Seitenwand |
| SnakeSkin* | SnakeSkin-Gewebe zum Schutz vor Cuts an der Seitenwand | SnakeSkin-Gewebe über den gesamten Reifen zum Schutz vor Cuts und Durchstichen an der Seitenwand und der Lauffläche |
| Apex* | Eine Apex-Lage zum Schutz vor Durchschlägen und zur Stabilisierung der Seitenwand | Eine erweiterte, für Downhill-modifizierte Apex-Lage zum Schutz vor Durchschlägen, Snakebites und zur Stabilisierung der Seitenwand |
| Burping-Schutz | Nicht vorhanden | Optimierter Materialeinsatz am Reifenkern verhindert Luftverlust bei extremen Querkräften. |
Der neue Schwalbe Romy Reifen
Mit dem Slogan "Made for Trails, Tales and Good Times" schickt Schwalbe die Romy ins Rennen. Sie ersetzt den Hans Dampf und schließt (teilweise) die Lücke zum Nobby Nic. So soll man ihn für All-Mountain, Trail, aber auch Enduro einsetzen können – vom normalen Bike bis hin zum Light-E-Bike.
Die Stollenanordnung wurde gezielt darauf ausgelegt, ein sauberes, berechenbares Übergangsverhalten von der Geraden in die Schräglage zu gewährleisten. Es soll keinen unberechenbaren Gripverlust beim Einlenken geben.
Schwalbe verpasste der Romy große, aggressive Schulterstollen – für Kurven-Grip und seitlichen Halt. Das eng angeordnete Mittelprofil mit flacher Profiltiefe wurde für ein gutes Rollverhalten und eine lange Lebensdauer optimiert. Laut Schwalbe ist sie sowohl für das Vorder- als auch für das Hinterrad verwendbar.
Ein eng angeordnetes Mittelprofil mit flacher Profiltiefe – für ein gutes Rollverhalten und eine lange Lebensdauer.
Hohe Seitenstollen für einen guten Biss in Kurven.
Damit wird es der bisher schnellste Radialreifen sein. Doch auch Fans des klassischen Diagonalreifens müssen nicht auf den Romy verzichten. Du bist dir unsicher, welche Bauart die richtige für dich ist? Lies unseren Vergleichstest.
Während Albert, Magic Mary und Shredda bisher in 2,5" und 2,6" rollten, ist Romy der erste Radialreifen in 2,4"-Breite sowie in 2.5" (nur für Gravity Pro Radial & Trail Pro Radial).
Carl verriet im Podcast, dass die Romy von vielen Teamfahrern präferiert als Hinterradreifen mit einer Magic Mary oder einem Albert an der Front kombiniert wird – die perfekte Symbiose aus hervorragendem Rollwiderstand bergauf und ausgewogenem Grip bergab.
Bei den Gummimischungen entfällt die Bezeichnung ADDIX. Speedgrip heißt nun MID und ist der schnellste Compound der Romy. Der mittlere SOFT-Compound ist die weichste Romy-Mischung. Der rennspezifische ULTRA SOFT-Compound bleibt echten Gravity-Monstern wie Magic Mary, Tacky Chan oder Albert vorbehalten.
Die Romy ist der erste Radialreifen mit 2,4"-Breite. Soft ist die weichste Gummimischung – Ultra Soft bleibt ihr vorenthalten.
In der günstigen Schwalbe Line ist die Romy ausschließlich mit dem Trail-Casing erhältlich – eine Variante in 27,5 und eine in 29 Zoll. Bei der Pro-Familie gibt es die Romy in allen drei Kategorien: Gravity Pro, Trail Pro und Race Pro. Schwalbe ordnet das wie folgt ein:
Gravity (Pro) Romy: Für eher gravityorientierte Bikes, häufigere Bergab-Fahrten und maximale Stabilität.
Trail (Pro) Romy: Für klassische, entspanntere Trails
Race (Pro) Romy: In dieser Ausführung eignet sie sich besonders gut für das Hinterrad, wenn der Fokus auf noch niedrigem Gewicht und den besten Rolleigenschaften liegt.
Auch bei der Romy setzt Schwalbe – wie inzwischen bei mehr als 70 % des gesamten Portfolios – recycelten Ruß aus dem eigenen Reifenrecycling ein. Dadurch werden im Vergleich zu herkömmlichem Industrieruß 80 % CO₂eq eingespart. Zudem kommt in allen PRO-Versionen fair gehandelter Naturkautschuk zum Einsatz.
Romy – Technische Details & Varianten
Technische Merkmale im Überblick
Einsatzbereich: Trail, All-Mountain, Enduro (Hinterrad), Light-E-MTB
Größen: 27,5" und 29"
Breiten: 2,4" (Diagonal & Trail Pro Radial) und 2.5" (Gravtiy Pro & Trail Pro Radial)
Karkassen: TRAIL, TRAIL PRO, GRAVITY PRO, RACE PRO
Bauweisen: Radial – ausschließlich in Pro-Linie | Diagonal – in Schwalbe & Schwalbe Pro Linie
Compounds: MID, SOFT
E-Bike Rating: E-50 freigegeben
Verfügbarkeit: Die neuen Schwalbe-Modelle sind bereits verfügbar.
Gewichtsvergleich (Testpilot-Messung): Gravity Pro mit 1.356 Gramm vs. Trail Pro mit 1.045 Gramm
Die Romy-Versionen im Überblick
| Version | Konstruktion | UVP | Compound & Größen |
|---|---|---|---|
| TRAIL | Diagonal | 44,90 € | MID: 27,5 x 2,40 (1.005 g), 29 x 2,40 (1.070 g) |
| TRAIL PRO | Diagonal | 69,90 € | SOFT: 27,5 x 2,40 (990 g) / MID: 29 x 2,40 (1.050 g) |
| TRAIL PRO | Diagonal | 74,90 € | SOFT: 29 x 2,40 (1.050 g) |
| TRAIL PRO | Radial | 74,90 € | SOFT: 27,5 x 2,50 (1.065 g), 29 x 2,40 (1.050 g), 29 x 2,50 (1.130 g) |
| TRAIL PRO | Radial | 74,90 € | MID: 27,5 x 2,50 (1.065 g), 29 x 2,50 (1.130 g) |
| RACE PRO | Diagonal | 69,90 € | MID: 29 x 2,40 (970 g) |
| GRAVITY PRO | Diagonal | 74,90 € | SOFT: 27,5 x 2,40 (1.155 g), 29 x 2,40 (1.230 g) |
| GRAVITY PRO | Radial | 79,90 € | SOFT: 27,5 x 2,50 (1.275 g), 29 x 2,50 (1.355 g) |
Auf dem Trail
Im Laufe des Tests wurden die Romy-Reifen mit dem Gravity Pro- sowie dem Trail Pro-Casing back-2-back im Bikepark Beerfelden, auf steinigeren Trails in Heidelberg und flowigeren Strecken im Spessart getestet. So konnten wir gezielt herausarbeiten, welche Vor- und Nachteile welche Bauart mit sich bringt und wann man zu welchem Casing greifen sollte.
Als Dauertestbike diente das Propain Tyee Trail AL mit 160 mm vorne und 140 mm hinten. Verbaut war die Romy am Vorder- und Hinterrad in 29 Zoll mit der Soft-Mischung auf DT Swiss EX1700-Laufrädern. Eine Super Soft-Mischung gibt es nicht – dazu später mehr.
Wir experimentierten mit dem Luftdruck: Wie weit konnte man heruntergehen? Ab wann knickte der Reifen unangenehm weg? Wann gab es Durchschläge?
Doch im Alltag fährt man (in der Regel) nicht nur im Bikepark, sondern auch Uphills und flachere Trails. Welches Casing ging besser bergauf? Wie unterschied sich der Rollwiderstand?
Im Propain Tyee wurden die identischen Laufradsätze durchgerauscht – Romy Trail Pro vs. Romy Gravity Pro.
Uphill
Los ging es mit identischem Luftdruck. Aus dem ersten Schwalbe-Test (Diagonal vs. Radial) lernte ich bereits, dass man Radialreifen für eine bessere Uphill-Performance – aber auch für einen höheren Durchschlagschutz – getrost mit ca. 0,2 bar mehr als mit einem diagonalen Pneu fahren konnte. Daher startete ich mit 75 kg Fahrergewicht bei beiden Casings mit 1,95 bar im Hinterrad und 1,7 bar im Vorderrad.
Trotz des erhöhten Luftdrucks boten die Radialreifen konstruktionsbedingt mehr Kontaktfläche. Das merkte man auf der Straße, auf Schotterwegen und im Uphill-Trail. Bei einem Blindtest hätte man sofort erkannt, welches Rad mit dem Trail- und welches mit dem Gravity-Casing bestückt war.
Trotz des gleichen Profils und der identischen Gummimischung kostete das Mehrgewicht des Gravity Pro ein paar Körner mehr. In unserer Eigenmessung brachte die Gravity Pro Romy genau 311 g (1.356 vs. 1.045 Gramm) mehr auf die Waage als die Trail Pro Romy – das akkumulierte sich auf 622 g pro Laufradsatz. Diese zusätzliche, ungefederte rotierende Masse musste bei jeder Pedalumdrehung und jeder kleinsten Tempoänderung beschleunigt werden.
Auf den ersten Blick identisch und doch so unterschiedlich. Das Gravity Pro-Casing bringt bei unseren Test-Romys 311 g Mehrgewicht ans Laufrad.
Parallel wandelte die massivere Gravity-Karkasse die Verformungsenergie (z. B. durch das konstante Fahrergewicht) stärker in innere Wärme um. Da die Trail-Karkasse dünner und flexibler aufgebaut ist, entstand bei der Verformung auch weniger innere Reibung. Durch das geringere Gewicht sowie die niedrigere Verformungsenergie fühlte sich das Trail Pro-Casing deutlich spritziger und energiesparender an.
Bei Unebenheiten im wurzeligen oder steinigen Uphill war die höhere Eigensteifigkeit der Gravity-Karkasse spürbar. Fuhr man mit demselben Luftdruck über Hindernisse, nahm man dieses mehr wahr und die Traktion an nassen Kanten riss früher ab als mit dem Trail Pro-Reifen. Durch die geringere Karkassen-Steifigkeit schmiegte sich das Trail-Casing elastischer um die Wurzelkontur als die massivere Gravity Pro-Variante. Wenn ein Reifen wegen einer robusteren Karkasse (oder zu hohem Druck) unruhig über ein Hindernis „hüpfte“, verlor das Bike an Schwung. Hier konnte die flexiblere Karkasse im Gelände effizienter rollen, weil der Reifen das Hindernis „schluckte“, anstatt dass das gesamte Bike samt Fahrer nach oben zu beschleunigen.
Das Gravity Pro-Casing lässt durch seine höhere Anzahl an Karkassenlagen weniger Verformung zu als der Trail Pro-Reifen und kann sich somit weniger dem Untergrund anpassen.
Als ich anfing, mit dem Luftdruck zu spielen, machte ich eine spannende Beobachtung: Bei einer Luftdruckänderung um 0,1 bar war der Gripzuwachs des Trail-Casings spürbar höher. Hier spielte die leichtere, verformbarere Karkasse wieder ihre Stärken aus. Der Unterschied des Tretaufwands zwischen 1,95 bar und 1,85 bar war beim Trail Pro-Casing jedoch spürbar größer als bei derselben Druckreduzierung beim Gravity Pro-Modell. Eine dünnere Karkasse gibt unter Last stetiger nach und stellt mehr Kontaktfläche zur Verfügung. Fluch und Segen. Hier muss jeder sein perfektes Mittelmaß finden.
Das geschlossene Profil des Romys war eine tolle Ergänzung zum radialen Albert und auch zum neuen Tacky Chan. Gerade bei trockenen Bedingungen auf hartem Untergrund marschierte die Romy nach vorn. Bei nassen, klebrigen Bedingungen boten die beiden anderen Reifen etwas mehr Selbstreinigung und ihr offeneres Profil konnte sich besser in den Boden pieksen. Im direkten Vergleich war die Romy der bestrollendste Reifen innerhalb der Radial-Familie. Da die radiale Bauweise mehr Walkarbeit zulässt, bot die Romy auch im technischen Uphill dennoch mehr Grip, als man ihrem Profil zuerst zugetraut hätte.
Mehr Traktion und ein geringerer Rollwiderstand klingen eigentlich nach einer klaren Entscheidung … Oder?
Downhill
Ganz so einfach war es dann leider doch nicht. Selbstgeißelung ist nicht (nur) der Grund, warum sich manche Fahrer dazu entscheiden, ein Gravity-Casing den Berg hoch zu treten.
Das, was man bergauf spürte, galt natürlich auch bergab. Die flexiblere, nachgiebige und leichtere Trail Pro-Karkasse stellte auch im Downhill mehr Kontaktfläche zur Verfügung, ließ sich besser beschleunigen und gab dem Bike ein leichtfüßigeres Fahrgefühl. Ein Fahrer, der gerne von links nach rechts hüpft oder sein Bike aktiv bewegt, freut sich über die Ersparnis von 600 g an den rotierenden Laufrädern.
Das Setup mit Trail Pro-Reifen ging besser in die Luft und ließ sich spritziger fahren. 311 Gramm pro Reifen sparten unsere Trail-Romys gegenüber der Gravity-Version.
Wer den Fokus allerdings auf schnelle, ruppige Abfahrten mit großen und scharfkantigen Hindernissen legt, nimmt das Mehrgewicht dankend in Kauf. Masse ist Macht? Fuhr man einen Gravity Pro-Reifen der vorherigen Generation gegen das neue Casing, spürte man den Unterschied sofort. Da das Trail-Casing unverändert blieb, vergrößerte sich der Abstand zwischen Trail Pro und dem neuen Gravity Pro deutlich. Der Einsatzzweck wurde umso klarer.
Während ich im ersten Schwalbe-Test (Radial vs. Diagonal) den Luftdruck im Radialreifen für ausreichende Stabilität noch etwas anheben musste, war das mit der neuen Gravity-Karkasse nicht mehr nötig. Im Bikepark Beerfelden konnte ich am Heck bis auf 1,35 bar und am Vorderrad sogar auf 1,10 bar heruntergehen – erst dann begann die Karkasse bei viel Nachdruck und in Anliegern unangenehm zu walken. Zum Vergleich: Mit den Trail Pro-Reifen lag mein Limit bei 1,65 bar hinten und 1,40 bar vorne.
Mit dem Trail Pro-Casing muss man bei steinigen Sektionen aufpassen. Hier sollte man lieber etwas mehr Luftdruck fahren, um einen Durchschlag zu vermeiden. Die Verformbarkeit des Trail-Reifens ist aber auch bei einem höheren Luftdruck noch größer als bei dem Gravity.
Der niedrige Luftdruck im Gravity-Hinterreifen wurde schließlich der Felge zum Verhängnis. Das merkte ich jedoch erst später am Lift. Auf dem Trail war der Durchschlag dank der hohen Materialdämpfung nicht zu spüren. Der Reifen blieb unversehrt. Das Felgenhorn nicht:
Der Gripzuwachs war bei beiden Karkassen mit abgesenktem Druck enorm. Die Schattenseite: Der Rollwiderstand stieg ebenso an. Im Vergleich zum Startluftdruck musste man auf flachen Trailsektionen mehr reintreten, um den gleichen Schwung zu halten. Während man auf steilen und schnellen Downhill-Tracks wahrscheinlich damit leben kann, musst man sich das auf langen, ganztägigen Enduro-Runden gut überlegen. Und genau in diesen zwei Disziplinen – Downhill und Enduro – würde ich die neue Gravity Pro-Karkasse auch verorten: Überall dort, wo man aufgrund von Topspeed und steinigem Terrain schneller Durchschläge kassiert als auf dem Home- oder Flowtrail.
Ein weiterer, spürbarer Vorteil des Gravity-Casings war die hohe Eigendämpfung der zusätzlichen Karkassenlagen. Gegenüber der ersten Generation und der Trail-Variante nahm man Unebenheiten noch weniger wahr – und es fühlte sich so an, als hätte man etwas mehr Federweg zur Verfügung. Das sorgte gegenüber dem Trail Pro-Casing für ein deutlich ruhigeres und bodenverbundeneres Fahrgefühl, aber auch für weniger Feedback vom Untergrund. Je nach Vorliebe und Trail konnte das Vor- oder Nachteil sein.
Auch im Downhill zeigte sich die Romy auf harten, trockenen Böden überraschend griffig. Durch die nachgiebige Radial-Bauweise lieferten die Mittelstollen ordentlich Traktion. Nachdem ich anfangs aufgrund der fehlenden Super Soft-Mischung am Vorderrad noch zögerlich in die Kurven steuerte, steigerte sich im Verlauf des Tests die Sicherheit und entsprechend die Geschwindigkeit. Durch das gleichmäßige Profil und den sauberen Übergang auf die hohen Seitenstollen war die Romy sehr berechenbar und bot einen starken Kurvengrip – auch bei staubigen Bedingungen.
In laubbedeckten oder sehr staubigen Off-Camber-Wurzelpassagen musste man die Geschwindigkeit gegenüber einem bissigeren Reifen mit Super Soft-Compound dennoch etwas drosseln. Bei nass-feuchten Bedingungen lieferten Spezialisten wie Albert, Tacky Chan oder Magic Mary schlicht mehr mechanischen Biss und Bremstraktion – rollten dafür aber auch schlechter als die Romy.
Für normale Traileinsätze und für trockene Enduro-Strecken – vor allem am Hinterrad – wäre die Romy mit ihrem sehr gut kontrollierbaren und schnellen Profil meine erste Wahl. Am Down-Country- oder schnellen Trailbike könnte man am Hinterrad über die härtere Mid-Gummimischung nachdenken – für einen noch geringeren Rollwiderstand.
Das gleichmäßige Profil und den sauberen Übergang auf die hohen Seitenstollen liefern ein sehr berechenbares Kippgefühl auf die Seitenstollen mit starkem Kurvengrip.
Für wen ist welches Casing geeignet?
Bevor du dich für ein Casing entscheidest, solltest du ein paar Dinge hinterfragen. Mit der neuen Nomenklatur erleichtert Schwalbe das dem Nutzer schon einmal. Die nachfolgenden Punkte sollen dir bei der Entscheidungsfindung, welches Casing für dich das bessere ist, weiterhelfen.
Nach Einsatzzweck
Trail- oder Gravity-Casing? Der Name mag es schon verraten.
Fährst du eher entspanntere Trails und Touren mit kaum bis wenigen scharfkantigen Hindernissen, ist das Trail-Casing vermutlich die bessere Wahl. Es beschleunigt spritziger und fühlt sich leichtfüßiger an. Durch die Apex-Einlage und die SnakeSkin-Seitenwand erhältst du trotzdem ausreichend Support für Steine und Wurzeln.
Auf schnellen, ruppigen Downhill- und Enduro-Strecken profitierst du hingegen vom robusteren und schwereren Gravity-Casing. Es bietet nicht nur maximalen Durchschlag- und Durchstichschutz, sondern sorgt durch die höhere Materialdämpfung auch für ein ruhigeres Fahrgefühl auf verblockten Abschnitten.
Nach Fahrstil
Fährst du vorausschauend mit sauber gewählter Linie und hältst nicht blindlings auf jedes Hindernis drauf, kommst du mit dem Trail-Casing bestens zurecht. Fahrer mit sehr aggressivem Fahrstil, denen die Größe der Steine und Wurzeln vor ihnen egal ist, greifen besser zum Gravity-Casing.
Sammelst du gerne Airtime und ziehst auf dem Trail an jeder Kante ab, hilft dir das geringere Gewicht des Trail-Casings spürbar beim Abheben. Das Mehrgewicht der Gravity-Variante ist deutlich träger in die Luft zu bringen, vermittelt in ruppigen Passagen dafür aber ein extrem satt am Boden klebendes Fahrgefühl.
Nach Fahrrad und Systemgewicht
Ein leichtes Mountainbike mit leichtem Fahrer wird mit einem Trail-Reifen besser zurechtkommen als ein schwerer Fahrer mit einem schweren (E-)MTB. Durch die höhere Karkassensteifigkeit des Gravity-Casings gibt dieser Reifen bei punktuellen Hindernissen nicht so schnell nach und knickt in Kurven später weg. Bei hohem Systemgewicht neigt die flexiblere Bauweise des Trail-Reifens in Kompressionen früher zum Walken und vermittelt ein schwammiges Fahrgefühl.
Nach Vortrieb
Wenn du Wert auf maximalen Vortrieb legst, solltest du zur leichteren Trail-Version und am besten zur härtesten Mid-Gummimischung greifen. Hier lohnt sich auch die Überlegung, ob die Radial-Bauweise oder die herkömmliche Diagonal-Bauweise besser zu deinen Vorlieben passt – die Romy ist für maximale Treffeffizienz auch im klassischen Diagonal-Aufbau erhältlich. Zum Test Radial vs. Diagonal
Nach Grip
Bei gleichem Luftdruck gewinnt der Trail-Reifen, was den Grip angeht. Durch den flexibleren Aufbau kann er sich besser dem Untergrund anpassen. Eine Luftdruckabsenkung um 0,1 bar generiert beim Trail-Reifen mehr unmittelbaren Gripzuwachs als beim Gravity. Allerdings gilt es hier zu bedenken, dass man den Druck des Gravity-Reifens weiter reduzieren kann, da er mehr Eigensteifigkeit mitbringt. Am Ende solltest du dich jedoch immer zuerst nach Einsatzzweck und Fahrstil richten – denn der beste Grip nützt nichts, wenn dein Reifen platt ist.
Nach Dämpfung
Die zusätzlichen Karkassenlagen des Gravity-Reifens filtern Trail-Unebenheiten besser heraus als das Trail-Casing. Gerade auf sehr ruppigen Strecken mit vielen Steinen und Wurzeln ist das ein Vorteil und kann sich sogar nach mehr Federweg anfühlen. Generell fühlt sich aber auch ein radialer Trail-Reifen schon spürbar gedämpfter an als sein diagonales Gegenstück. Zum Test Radial vs. Diagonal
Gemixte Casings
Doch es gibt ja nicht nur Schwarz oder Weiß. Da der Hinterreifen mehr Last und infolgedessen die härteren Schläge abbekommt, ist es im Enduro- und anspruchsvollen Trail-Bereich üblich, die beiden Casings zu mischen. Am Vorderrad wählt man dann das leichtere Trail-Casing und am Hinterrad die robustere Gravity-Variante. Damit spart man Gewicht und bekommt die Front leichter in die Luft, während man am Hinterrad mehr Durchschlagschutz und Dämpfung erhält.
Produktmanager Carl Kämper empfahl im Podcast das Trail Pro-Casing explizit für Fahrer, die ein agiles, spritziges Trailbike-Handling suchen. Es spart gegenüber dem Gravity Pro-Casing spürbar Gewicht ein, bietet dank Apex-Einlage aber dennoch genug Support für harsches Terrain auf dem Bio-Bike oder Light-E-MTB.
Fazit
Schwalbe verdeutlicht im direkten Vergleich zwischen dem Gravity Pro- und Trail Pro-Casing, wie stark Gummimischung und Karkassenaufbau das Fahrgefühl eines Mountainbikes prägen. Der als Nachfolger des Hans Dampf neu eingeführte Romy-Reifen erweist sich dabei als vielseitiger Allrounder. Durch sein flacheres, eng stehendes Laufflächenprofil rollt er spürbar leicht ab und beschleunigt effizient, während seine ausgeprägten Schulterstollen in Schräglage und bei schnellen Kurvenfahrten überraschend viel Grip und Verlässlichkeit vermitteln.
In Kombination mit der Gravity Pro-Karkasse entwickelt die Romy viel Führung und Durchschlagschutz für eine rabiatere Fahrweise im groben Geläuf. Gerne auch am Heck im Enduro- oder Light-E‑MTB‑Einsatz. Bergauf verlangt dieses Casing jedoch etwas mehr Körpereinsatz.
In der Trail Pro-Variante hingegen zeigt Romy sich von einer anderen Seite. Ein agiler, kräfteschonenderer All-Mountain- und Trail-Reifen.
Erst bei tiefem Matsch oder extrem felsigen Bedingungen stößt sein flacheres Mittelprofil an Grenzen. Unter dem Strich kombiniert der Romy vor allem in seiner Radial-Familie Leichtlauf mit hoher Kurvenkontrolle, wobei die Gravity Pro-Ausführung die erste Wahl für maximalen Schutz im ruppigen Gelände bleibt und die Trail Pro-Version den perfekten Kompromiss aus Effizienz und Trail-Performance bildet.
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Autor – YANNICK NOLL
Größe: 178 cm
Gewicht: 75 kg
Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert.
Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.

