Test: MAGURA GUSTAV ULTRA Alu-Hebel mit drei Einstellungen

Lesezeit: 9 Minuten

Mit dem GUSTAV ULTRA präsentiert MAGURA einen neuen Bremshebel für ihre GUSTAV PRO- und ELITE-Bremsen. Das Besondere: Erstmals lassen sich bei MAGURA drei Funktionen unabhängig voneinander einstellen. Neben der Hebelweite können Fahrer auch die Bremskraft und den Leerweg bis zum Einsetzen der Bremswirkung anpassen. Damit soll sich die Bremse noch präziser auf individuelle Vorlieben, unterschiedliche Handgrößen und die Anforderungen des jeweiligen Trails abstimmen lassen. Außerdem kommen die ULTRA-Hebel nicht in Carbotecture, sondern in geschmiedetem und CNC‑gefrästem Aluminium.

Wir haben uns die neuen GUSTAV ULTRA-Bremshebel genauer angeschaut und bereits auf dem Trail getestet.

Historie & Story

Der Name GUSTAV hat bei MAGURA eine lange Tradition. Bereits 1996 brachte der schwäbische Hersteller mit der GUSTAV M seine erste hydraulische Scheibenbremse für Fahrräder auf den Markt. Nach dem Produktionsende im Jahr 2011 kehrte der legendäre Name 2024 mit der komplett neu entwickelten GUSTAV PRO zurück.

Die neue GUSTAV PRO wurde insbesondere für Gravity-Bikes und leistungsstarke E-MTBs entwickelt. Größere Kolben mit 12 mm Durchmesser im Bremsgriff und 19 mm im Bremssattel, vier Kolben an der Zange sowie massive 2,5-mm-Bremsscheiben sollen für hohe Bremsleistung und thermische Standfestigkeit sorgen. Gleichzeitig stand eine gute Dosierbarkeit auf der Entwicklungsliste. In unserem Langzeittest der MAGURA GUSTAV PRO haben wir die Bremse auf Herz und Kolben getestet.

Mit der RACE PRO folgte zuletzt eine weitere Neuentwicklung im MAGURA-Portfolio. Hier setzt der Hersteller konsequent auf geschmiedetes und CNC-gefrästes Aluminium an Geber, Hebel und Schelle. Die RACE PRO positioniert sich als Race-Flaggschiff und ergänzt die bestehende Produktfamilie.

Jetzt widmet sich MAGURA erneut der GUSTAV-Familie und stellt mit dem GUSTAV ULTRA einen neuen Bremshebel vor. Dieser ist als Performance-Upgrade für die GUSTAV PRO und GUSTAV ELITE gedacht. Statt wie bisher nur die Hebelweite anzupassen, stehen gleich drei voneinander unabhängige Einstellmöglichkeiten zur Verfügung: REACH ADJUST, POWER ADJUST und BITE POINT ADJUST.

Damit verfolgt MAGURA einen interessanten Ansatz: Nicht nur die Ergonomie, sondern auch der Charakter der Bremse soll sich individuell verändern lassen – von einer besonders gut dosierbaren Abstimmung bis hin zu maximaler Bremskraft und einem früh einsetzenden Druckpunkt.

MAGURA ULTRA- vs. GUSTAV PRO-Hebel. Der ULTRA bietet eine andere Ergonomie und mehr Einstellungsmöglichkeiten, die unabhängig voneinander wirken.

MAGURA GUSTAV ULTRA Bremshebel – Infos & technische Details

  • Kompatibilität: MAGURA GUSTAV PRO und GUSTAV ELITE

  • Material: Geschmiedetes und CNC-gefrästes Aluminium

  • Farbe: Silber poliert und eloxiert

  • Einstellungsmöglichkeiten:

    • REACH ADJUST: Zur Einstellung der Hebelweite

    • POWER ADJUST: Veränderung der Hebelübersetzung für die Bremspower

    • BITE POINT ADJUST: Zur Veränderung des Leerwegs

  • Werkzeug zur Verstellung: Alle drei Einstellungen erfolgen über einen 3-mm-Innensechskantschlüssel

  • Gewicht (Herstellerangabe): 48 g

  • Gewicht (Testpilot-Messung): 48 g

  • Verfügbarkeit: Ab sofort

  • Preis (UVP): 84,90 € pro Bremshebel | 169,90 € im Set mit limitierter Lunchbox

MAGURA GUSTAV ULTRA Bremshebel

Das zentrale Merkmal des neuen GUSTAV ULTRA-Bremshebels ist die Kombination aus drei Einstellfunktionen. Während sich bei vielen Bremshebeln, wie auch bei dem bisherigen GUSTAV-Hebel, lediglich die Hebelweite anpassen lässt, geht MAGURA mit dem ULTRA einen Schritt weiter. REACH ADJUST, POWER ADJUST und BITE POINT ADJUST arbeiten unabhängig voneinander und ermöglichen es, Ergonomie, Bremskraft und Leerweg separat abzustimmen.

Dabei knüpft MAGURA an die eigene Geschichte individuell einstellbarer Bremshebel an. Bereits der HC3-Hebel für die MT-Bremsenfamilie bot eine Anpassung der Hebelübersetzung. Der GUSTAV ULTRA ergänzt dieses Konzept um eine weitere Einstellfunktion für den Druckpunkt.

DER ULTRA-Hebel bietet drei Einstellungsmöglichkeiten. Alle drei Schrauben werden mit einem 3-mm-Innensechskantschlüssel bedient.

REACH ADJUST

Die erste Einstellmöglichkeit betrifft die Ergonomie. Mit dem REACH ADJUST lässt sich der Abstand zwischen Bremshebel und Lenker an die individuelle Handgröße und die persönlichen Vorlieben anpassen.

Das konsequent auf die Ein-Finger-Bedienung ausgelegte Hebeldesign lässt das Hebelende näher an den Lenker heranstellen als beim bisherigen GUSTAV PRO- oder ELITE-Hebel. Das dürfte insbesondere für Fahrer mit kleineren Händen oder einer bevorzugten, lenkernahen Hebelposition interessant sein.

Die Einstellung erfolgt über eine 3-mm-Innensechskantschraube. Eine Drehung in Richtung (+) vergrößert den Abstand zwischen Bremshebel und Lenker. In die Gegenrichtung wandert der Hebel näher zum Lenker.

Der REACH ADJUST befindet sich an der Vorderseite des Hebels und wird per 3-mm-Innensechskant verstellt.

Gegenüber dem bisherigen GUSTAV PRO-Hebel, konnten wir den ULTRA-Hebel ca. 5 mm näher an den Lenker stellen.

POWER ADJUST

Mit dem POWER ADJUST lässt sich das Hebelübersetzungsverhältnis verändern und damit der komplette Charakter der Bremse beeinflussen.

Das Prinzip kennt MAGURA bereits vom HC3-Bremshebel der MT7. Über die veränderbare Hebelübersetzung lässt sich die Bremskraft anpassen. Der Einstellbereich beträgt beim GUSTAV ULTRA 15 % und verfügt über neun klar definierte Rastpositionen.

Je nach Einstellung kann man zwischen einer höheren maximalen Bremskraft und einer stärker auf Dosierbarkeit ausgelegten Abstimmung wählen. In Richtung (+) erhöht sich die Bremskraft. Laut MAGURA sind dabei bis zu 10 % mehr Bremskraft möglich als mit dem bisherigen GUSTAV PRO-Bremshebel.

Gerade bei unterschiedlichen Untergründen kann diese Einstellmöglichkeit interessant sein. Auf losem oder rutschigem Terrain empfiehlt MAGURA eine Einstellung in Richtung (-), um die Dosierbarkeit zu verbessern. Auf griffigem Untergrund lässt sich die Bremskraft dagegen in Richtung (+) erhöhen.

Die Einstellung erfolgt ebenfalls über einen 3-mm-Innensechskant.

Der POWER ADJUST kann an der Seite mit 9 Positionen verändert werden. 10 % mehr Leistung in der maximalen Einstellung gegenüber der GUSTAV PRO mit bisherigem Hebel verspricht MAGURA.

Die POWER ADJUST-Schraube ändert die Position des gelb markierten Hebelgelenks im Bremshebel. Dadurch ändert sich das Übersetzungsverhältnis und die Kraftübertragung auf den Geberkolben.

BITE POINT ADJUST

Die dritte und gleichzeitig neue Funktion im Vergleich zum HC3-Konzept ist der BITE POINT ADJUST. Hiermit lässt sich einstellen, wie weit der Bremshebel bewegt werden muss, bevor die Bremsbeläge zupacken.

Technisch verändert die Einstellung die Vorspannung der Kolben und damit den Leerweg des Hebels. MAGURA bietet dafür vier klar definierte Einstellpositionen. Der Einstellbereich umfasst bis zu 25 % des gesamten Hebelwegs.

In Richtung (+) greift die Bremse früher. Der Leerweg wird reduziert und das Hebelgefühl dadurch direkter. Wer hingegen einen längeren Leerweg bevorzugt, kann die Einstellung in Richtung (-) verändern.

Damit lässt sich der Druckpunkt unabhängig von der Hebelweite und der Bremskraft anpassen. Während manche Fahrer einen früh anliegenden, direkten Druckpunkt bevorzugen, fühlen sich andere mit etwas mehr Leerweg wohler.

Auch diese Einstellung erfolgt über einen 3-mm-Innensechskant.

Der BITE POINT ADJUST korrigiert den Druckpunkt. Auf der Oberseite des Hebels lässt sich die Vorspannung der Kolben und damit der Leerweg des Hebels tunen.

Der silberne Hebel stellt die neutrale Ausgangsposition dar. Je nach Einstellung ändert sich der Leerweg und damit der Druckpunkt.

Setup-Tipps von MAGURA

Die Einstellmöglichkeiten sollen nicht nur persönliche Präferenzen ideal abdecken, sondern auch eine Abstimmung auf die jeweiligen Streckenbedingungen ermöglichen.

MAGURA gibt dafür zwei konkrete Empfehlungen:

Einstellung Loser/rutschiger Boden Griffiger Boden
REACH ADJUST Individuell bevorzugte Hebelweite Individuell bevorzugte Hebelweite
POWER ADJUST Richtung (-) für bessere Dosierbarkeit Richtung (+) für maximale Bremskraft
BITE POINT ADJUST Richtung (-) für weniger bissiges Ansprechverhalten Richtung (+) für früheres Greifen und weniger Leerweg

Aluminium statt Carbotecture

Neben den zusätzlichen Einstellmöglichkeiten unterscheidet sich der neue Hebel auch bei der Materialwahl vom bisherigen GUSTAV-Bremshebel. Mit dem ULTRA gehen die Schwaben weg von Carbotecture und setzen auf geschmiedetes Aluminium, das anschließend CNC-gefräst wird. Die Oberfläche ist silbern poliert und eloxiert.

Trotz der zusätzlichen Einstellmechanismen fällt der Gewichtsunterschied überschaubar aus: Mit 48 g wiegt der neue ULTRA-Hebel lediglich 4 g mehr als der bisherige GUSTAV PRO-Bremshebel. Das bestätigte auch die Testpilot-Messung.

Links der bisherige Carbotecture-Hebel und rechts der neue CNC‑gefräste Alu-Hebel mit neuer Ergonomie.

Der ULTRA-Hebel bietet am Hebelende einen ausgeprägteren Haken und Vertiefungen für einen besseren Halt.

Preis und Verfügbarkeit

Der GUSTAV ULTRA Bremshebel ist sowohl einzeln als auch im Set erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 84,90 € pro Hebel. Das Set mit zwei Bremshebeln kostet 169,90 €.

Zum Verkaufsstart am 3. November 2026 bietet MAGURA in Europa außerdem eine Limited Edition an. Das Set wird dabei kostenlos mit einer hochwertigen Metall-Lunchbox ergänzt. Das Angebot ist ausschließlich in der EU erhältlich.

Setup

Wie tauscht man den MAGURA GUSTAV PRO-Hebel gegen den ULTRA-Hebel? Der Umbau ging recht einfach vonstatten und war schnell erledigt. 

Benötigtes Werkzeug: Torx T15 und Torx T25

Von MAGURA gibt es auch ein Servicevideo zum Tausch des GUSTAV-Bremshebels.

1) Es hilft, die Bremse senkrecht zum Boden oder die Seite mit der Entlüftungsschraube nach oben auszurichten. Zum Verstellen benötigt man den Torx T25.

2) Auf der Seite der Entlüftungsschraube entfernt man das Cover mit dem MAGURA-Schriftzug. Das geht mit den Fingernägeln oder einem kleinen Schraubenzieher.

3) Mit einem Torx T15 löst man jetzt die Schraube, die den Bremshebel sichert, und zieht sie heraus.

4) Den Hebel kann man jetzt ohne großen Kraftaufwand nach oben/vorne herausziehen.

5) Anschließend setzt man den ULTRA-Hebel ein und richtet die Schraubenlöcher des Hebels und des Gebers zueinander aus.

6) Danach befestigt man wieder die Torx-T15‑Schraube und bringt das Cover an.

Auf dem Trail

Gleich zu Beginn fand der Bremsfinger dank des ausgeprägten Hakens und der Loch-Einkerbungen einen guten und angenehmen Halt im ULTRA-Hebel. Über die Reichweiteneinstellung konnten wir den neuen Hebel ca. 5 mm näher an den Lenker stellen als den bisher verbauten GUSTAV PRO-Hebel. Das erfüllte genau Yannicks Erwartungen. Der alte Hebel war ihm einen Tick zu weit weg. Hausaufgaben erledigt – sehr gut.

Während die Entfernung des alten PRO-Hebels über ein Drehrädchen eingestellt wurde, mussten wir das beim neuen Hebel mit einem 3-mm-Innensechskantschlüssel erledigen. Da man die Hebelweite in der Regel aber nur einmal einstellt, ist das keine große Sache. Stellte man den GUSTAV PRO-Hebel weiter vom Lenker weg, verkürzte sich der Leerweg. Durch das separate Gelenk der REACH ADJUST-Einstellung blieb der Druckpunkt beim ULTRA-Hebel konstant. 

Auch in rumpeligen Passagen liegt der ULTRA-Hebel gut am Finger.

Wer den Druckpunkt ändern möchte, bekommt die Möglichkeit über den neuen BITE POINT ADJUST. Die vier Positionen machten sich bereits im Stand und entsprechend auf dem Trail bemerkbar. Gerade im direkten Vergleich zwischen der kürzesten und weitesten Einstellung wurde ein deutlicher Leerweg-Unterschied spürbar. Das erlaubte ein feines Tuning entsprechend der persönlichen Vorliebe.

Und dann kam noch der POWER ADJUST, zur Einstellung der Bremspower, ins Spiel. Mit seinen neun Positionen ließ sich auch hier ein Setting finden, das über die Leistung der GUSTAV PRO mit dem bisherigen Hebel hinausging. Wem die Power der PRO zu heftig war, kann diese nun mit dem ULTRA-Hebel nach unten korrigieren. Wer hingegen noch mehr aus dem System herausholen möchte, dreht die Schraube in die entgegengesetzte Richtung. 

Mit dem BITE POINT- und POWER-Einsteller in den maximalen Richtungen (+), ließ sich der Bremsvorgang deutlich näher vor die Kurve verlegen und das Bike mit einem kurzen Ziehen des Hebels entschleunigen. Die gute Dosierbarkeit, für die die GUSTAV bekannt ist, blieb noch immer erhalten, nahm gegenüber den leichteren Einstellungen jedoch ab. In der Einstellung auf maximaler Bremspower am POWER ADJUST rückt die GUSTAV mit dem ULTRA-Updatehebel näher in Richtung des Neulings im Portfolio: der RACE PRO – diese bleibt nach wie vor der bissigste Anker im MAGURA-Portfolio.

Dank POWER ADJUST konnte auch Jens (105 kg) das E-Bike im steilen Gelände zähmen.

Fazit

Der MAGURA ULTRA-Hebel ist nicht nur eine tolle Ergänzung für Fahrer, die sich den bisherigen Hebel näher am Lenker wünschen. Die zusätzlichen Einstellmöglichkeiten des Druckpunkts und der Bremspower sowie die optimierte Ergonomie überzeugen auf ganzer Linie. 

Stellt man den Druckpunkt und die Bremspower auf die maximale Position, erhält man eine knackigere und direktere Bremse, als man es von der bisherigen GUSTAV gewohnt ist. Das erlaubt einen späteren Bremspunkt und einen geringeren Weg des Fingers, um die Leistung abzurufen.

Wem hingegen die bisherige GUSTAV von der Bremsleistung zu stark war und eine noch bessere Dosierbarkeit wichtig ist, kann ab sofort mit dem ULTRA-Hebel auch diesen Charakter erwirken. Bei nassen oder rutschigen Bedingungen kann man die Bremse somit auch moderater einstellen.

Du möchtest lieber einen guten Mittelweg? Dank der verschiedenen, gut gerasterten Stufen ist das kein Problem. Der große Vorteil: Alle drei Einstellungen funktionieren unabhängig voneinander.

Der geschmiedete und CNC-gefräste GUSTAV ULTRA-Bremshebel richtet sich damit an Fahrer, die ihre GUSTAV PRO oder GUSTAV ELITE noch individueller auf ihre Hände, ihren Fahrstil, ihre Vorlieben und die jeweiligen Trail-Bedingungen abstimmen möchten. 

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Autor – YANNICK NOLL

Größe: 178 cm

Gewicht: 75 kg

Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert. 

Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.


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