Test: Shimano XTR WH-M9220 – Carbon-Laufräder für Enduro und Trail

Lesezeit: 6 Minuten

Mit der neuen XTR M9200 Di2 hat Shimano im Juni 2025 seine Topgruppe für den MTB-Rennsport grundlegend überarbeitet. Die Di2-Funkschaltungen haben wir bereits ausgiebig getestet. Aber neben den kabellosen Schaltwerken und neuen Bremsen präsentierte der japanische Komponentenhersteller unter anderem noch zwei Carbon-Laufradsätze, die unterschiedliche Anforderungen bedienen sollen: Während der WH-M9200 auf möglichst wenig Gewicht im Cross-Country-Einsatz ausgelegt ist, soll der WH-M9220 auf anspruchsvollen Trails und im Enduro-Rennsport mit einer robusten Konstruktion überzeugen.

Wir haben uns den Enduro-/Trail-Laufradsatz im Detail angeschaut und erklären, welche technischen Besonderheiten Shimano verbaut hat.

Historie & Story

Shimano gehört seit Jahrzehnten zu den etablierten Herstellern im Mountainbike-Komponentenbereich. Mit der XTR führt das Unternehmen seine High-End-Gruppe, die sowohl im professionellen Rennsport als auch bei ambitionierten Freizeitfahrern zum Einsatz kommt. Die neue Generation M9200 wurde am 4. Juni 2025 zusammen mit der kabellosen XTR Di2-Schaltung vorgestellt. Neben Antrieb und Bremsen umfasst das Line-up auch zwei Carbon-Laufradsätze, deren Konstruktionen auf unterschiedliche MTB-Disziplinen abgestimmt sind.

Die Aufteilung in XC und Trail/Enduro kennen wir ebenfalls von den neuen XTR-Kurbeln – diesem Prinzip bediente sich Shimano ebenso konsequent bei ihren XTR‑Laufrädern. Sie richteten den M9220-Laufradsatz ausdrücklich an die Anforderungen des Enduro-Worldcups. Er setzt auf eine robustere Felge und 28 klassische J-Bend-Speichen. Der WH-M9200 verfolgt dagegen das Ziel, mit gewichtssparenden Optimierungen eine leichte Konstruktion zu erzielen. Darunter zählen 24 leichtere Titanspeichen sowie eine minimal geringere Maulweite gepaart mit einem schmaleren Felgenhorn. Mit diesem Laufradsatz will Shimano bei Cross-Country-Rennfahrern punkten. 

Damit verfolgt Shimano zwei unterschiedliche Ansätze innerhalb derselben Produktfamilie: möglichst geringes Gewicht für den XC-Einsatz und eine auf Belastbarkeit sowie einfache Reparierbarkeit ausgelegte Version für härtere Trails und Enduro-Rennen.

Der XTR WH-M9220-Laufradsatz fürs Enduro. Auf den ersten Blick schwer vom XC-Satz zu unterscheiden.

Shimano XTR WH-M9220 – Enduro-/Trail-Laufradsatz

Beim WH-M9220 setzt Shimano auf eine 29-Zoll-Vollcarbonfelge mit Hookless-Felgenhorn und 30 mm Innenmaulweite. Die Konstruktion ist auf den Einsatz mit modernen Enduro-Reifen ausgelegt. Laut Shimano ist der Laufradsatz die bislang robusteste Ausführung mit Carbonfelgen des Herstellers.

Die Lochanordnung der Felge ist asymmetrisch aufgebaut und für die Tubeless-Nutzung vorbereitet. Das asymmetrische Felgendesign soll die Speichenwinkel und damit die Speichenspannung auf beiden Seiten des Laufrads besser ausgleichen. Eine ausgewogenere Spannungsverteilung kann die Stabilität des Laufrads unterstützen und dazu beitragen, die Speichenspannung langfristig zu erhalten.

Während Shimano bei der XC-Version auf 24 leichte Titanspeichen und eine Straight-Pull-Konstruktion setzt, kommen beim WH-M9220 28 Edelstahlspeichen im klassischen J-Bend-Stil zum Einsatz. Die konventionelle Einspeichung ist nicht nur auf Robustheit ausgelegt, sondern bringt einen weiteren praktischen Vorteil mit: Bei einem Speichendefekt lässt sich eine passende Ersatzspeiche in der Regel einfacher beschaffen und austauschen als bei dem Straight-Pull-System. Schnell mal nachzentrieren auf dem Trail nach einem Crash? Ebenfalls leichter machbar, da sich die Speiche nicht mitdreht. Gerade im Enduro-Einsatz gehören Steinschläge, harte Landungen und hohe Seitenkräfte zum Alltag. Statt die Konstruktion ausschließlich auf minimales Gewicht auszulegen, stehen also Belastbarkeit und Wartungsfreundlichkeit im Vordergrund.

Für eine gleichmäßige Speichenspannung sitzen die Löcher für die Nippel nicht mittig in der Felge, sondern leicht versetzt – also: asymmetrisch.

Durch das asymmetrische Profil sitzt das Tubeless-Ventil in der Mitte nicht eben auf – hier kommt eine kleine, schräge „Unterlegscheibe“ zum Einsatz.

28 Edelstahlspeichen im J-Bend-Stil für mehr Robustheit und Wartungsfreundlichkeit im groben Enduro-Einsatz.

Die Hookless-Bauweise unterscheidet sich von klassischen Felgen mit ausgeprägtem „Hook“. Umso wichtiger ist die Kompatibilität zwischen Felge und Reifen: Für den WH-M9220 nennt Shimano Reifenbreiten von 2,30 bis 2,60 Zoll. Bei der Reifenwahl sollten außerdem die jeweiligen Vorgaben der Reifenhersteller für hakenlose Felgen beachtet werden.

Auch bei den Naben hat Shimano Hand angelegt. Die neue Generation setzt auf Edelstahl-Kompaktlager, optimierte Dichtungen und eine einstellbare Lagervorspannung. Die überarbeiteten Dichtungen sollen den Widerstand beim Rollen reduzieren und gleichzeitig zuverlässig gegen Feuchtigkeit und Schmutz abdichten – das soll auch die langfristige Wartung vereinfachen.

An der Hinterradnabe FH-M9210 kommt ein verbesserter Direct-Engagement-Freilaufkörper mit 3,5 Grad Eingriffswinkel zum Einsatz. Das bedeutet, dass der Freilauf beim erneuten Antreten nur einen vergleichsweise kleinen Drehwinkel benötigt, bis die Kraftübertragung einsetzt. Gerade in technischen Passagen, in denen nach kurzen Rollphasen wieder Druck aufs Pedal kommt, kann eine schnelle Kraftübertragung hilfreich sein. Zusätzlich soll die überarbeitete Konstruktion den Widerstand und das Gewicht im Freilauf reduzieren. Das Hinterrad läuft damit beim Rollen leichter, während der Freilauf bei erneutem Antreten schneller reagiert.

Die neuen XTR-Naben setzen auf Edelstahl-Kompaktlager und optimierte Dichtungen. Am Hinterrad wird außerdem der neue Direct-Engagement-Freilaufkörper mit 3,5 Grad Eingriffswinkel verwendet.

Links: der bisherige Freilauf mit Sperrklinken | Rechts: der neue Direct-Engagement-Freilauf

Der WH-M9220 ist als reiner 29-Zoll-Laufradsatz erhältlich. Vorn kommt eine Nabe mit 110 mm Einbaubreite und 15-mm-Steckachse zum Einsatz, hinten eine Nabe mit 148 mm Einbaubreite und 12-mm-Steckachse nach Boost-Standard. Die Bremsscheiben werden über Shimanos CENTER LOCK-System befestigt. Für die Kassette ist ein MICRO SPLINE-Freilaufkörper verbaut, der mit entsprechenden Shimano-Kassetten kompatibel ist.

Die XTR-Laufradsätze sind ausschließlich mit CENTER LOCK-Bremsscheibenaufnahme und …

… Shimanos hauseingenen MICRO SPLINE-Freiläufen kompatibel.

Shimano XTR WH-M9220 – Infos & Technische Details

  • Einsatzbereich: Enduro / Trail

  • Laufradgröße: 29"

  • Felgen-Innenbreite: 30 mm

  • Felgen-Außenbreite: 38 mm

  • Felgenhöhe: 19,7 mm

  • Tubeless Ready: Ja

  • Lochanordnung: Asymmetrisch

  • Speichenanzahl: 28

  • Speichen-System: J-Bend

  • Speichen-Durchmesser: 2,0 - 1,6 mm

  • Einbaubreite (v/h): 110x15 mm | 148x12 mm

  • Scheibenbremsaufnahme: CENTER LOCK

  • Freilauf-Eingriffswinkel: 3,5°

  • Gewicht (Herstellerangabe): 840 g | 951 g = 1.791 g

  • Gewicht (Testpilot-Messung): 855 g | 982 g = 1.837 g

  • Verfügbarkeit: Bereits erhältlich

  • Preis (UVP): 1.599,00 € (Laufradsatz)

SETUP

Den XTR WH-M9220-Laufradsatz bauten wir unter anderem mit Cast-Reifen auf – ohne Insert. Getestet wurde er vom Bikepark Lac Blanc bis hin zu lokalen Trails auf der Schwäbischen Alb. Beim Aufbau sollte man darauf achten, dass man Shimanos spezielle CENTER LOCK-Bremsscheiben verwendet oder einen passenden Adapter für seine 6-Loch-Scheiben erwirbt. Zu beachten gilt außerdem, dass es lediglich einen MICRO SPLINE-Freilaufkörper gibt. Die Reifenmontage verlief reibungslos und auch das Hookless-Design machte in Kombination mit den Cast-Reifen keinerlei Probleme.

Auf dem Trail

Schon beim Beschleunigen zeigte sich der Shimano XTR WH-M9220-Laufradsatz von seiner direkten Seite. Unterstützt wurde dieses Fahrgefühl durch den überarbeiteten Freilauf mit maximal 3,5° Eingriffswinkel und einem entsprechend schnellen Ansprechverhalten. Die Kraftübertragung wurde mit einem sehr geringen Leerweg in Vortrieb umgesetzt. Gerade in technischen Uphills und engen Kurven erwies sich das als Vorteil, wenn nach kurzen Rollphasen Druck aufs Pedal gefragt war.

Auch bei der Spurtreue überzeugten die Laufräder. Einmal die Linie anvisiert, hielten sie diese zuverlässig. Ein Mountainbike ist immer ein Gesamtsystem. So kann ein Rahmen, je nach Einsatzzweck, steifer oder nachgiebiger ausgelegt sein. Unser Teileträger, das Propain-Tyee, fällt in der Aluminiumvariante am Heck in puncto seitlichem Flex etwas weicher aus. Was auf der einen Seite für mehr Grip sorgt kann auf gebauten Strecken nachteilig sein. Hier war der XTR-Laufradsatz eine gelungene Ergänzung für Fahrer, die sich am Heck mehr Präzision und Steifigkeit wünschen.

Durch den geringen Eingriffswinkel des Freilaufs wird jede neu eingeleitete Kurbelumdrehung sehr schnell in Vortrieb umgewandelt.

Bergab fuhr man mit den XTR-Laufrädern genau die Linie, die man anpeilte.

Zusammen mit dem direkten Fahrgefühl der Cast-Reifen entstand ein spritziges, agiles Gesamtpaket, das Spaß machte und effizient über den Trail flog. Durch aktives Pushen und Drücken in Anliegern ließ sich ordentlich Geschwindigkeit generieren. Gleichzeitig boten die Laufräder bei großen Absprüngen und harten Landungen spürbar Support, ohne dabei übermäßig ermüdend auf langen Abfahrten zu wirken.

Auch bei reduziertem Reifendruck mit mehreren Durchschlägen, zeigten sich die Laufräder unbeeindruckt. Selbst das Felgenhorn überstand die Belastungen ohne erkennbare Schäden. Das unterstrich den robusten Eindruck, den der XTR-Laufradsatz im Test hinterließ.

Auch bei großen Sprüngen oder harten Landungen entstand kein unangenehmes nachgiebiges Fahrgefühl. Durchschläge steckte die Felge ohne mit der Wimper zu zucken weg.

Fazit

Der Shimano XTR WH-M9220 ist ein überzeugend unauffälliger, steifer Carbon-Laufradsatz für Trail- und Enduro-Fahrer, die ein direktes Fahrgefühl mit einer robusten Konstruktion kombinieren möchten. Im Test überzeugte er mit seinem unmittelbaren Ansprechverhalten und hoher Spurtreue. Der überarbeitete Direct-Engagement-Freilauf mit 3,5° Eingriffswinkel passt gut zu diesem Charakter. In technischen Uphills und engen Kurven wird der nächste Pedaltritt schnell in Vortrieb umgesetzt.

Auch mehrere Durchschläge bei reduziertem Reifendruck überstand er ohne erkennbare Schäden am Felgenhorn. Mit 28 klassischen J-Bend-Speichen, einer 30 mm breiten Hookless-Carbonfelge und wartungsfreundlichen Naben setzt Shimano nicht allein auf geringes Gewicht, sondern auf eine alltagstaugliche Konstruktion für den harten Einsatz. 

Wer einen leichten Laufradsatz für XC-Rennen sucht, ist mit dem WH-M9200 besser bedient. Für anspruchsvolle Trails und Enduro-Strecken ist der WH-M9220 dagegen eine stimmige Wahl: direkt, spurtreu und widerstandsfähig – ein Laufradsatz, der auf dem Trail Vertrauen schafft und auch bei härterer Gangart nicht gleich klein beigibt.

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Autor – YANNICK NOLL

Größe: 178 cm

Gewicht: 75 kg

Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert. 

Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.


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