Metall is back – for the haters and the lovers. MAGURA RACE PRO Bremse im Test.

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Unter dem Namen GUSTAV PRO schickte MAGURA bereits eine Neuentwicklung ins Rennen. Nun folgt mit der MAGURA RACE PRO das nächste Schwergewicht. Allerdings im leichten Gewand.

Laut MAGURA soll die RACE PRO die stärkste und präziseste Bremse sein, die die Schwaben je gebaut haben. Anstelle des hauseigenen Carbotecture-Kunststoffs besinnt man sich auf die metallischen Wurzeln zurück und setzt beim neuen Modell konsequent auf geschmiedetes und CNC-gefrästes Aluminium an Geber, Hebel und Schelle. Das System soll extreme Bremskräfte bei minimaler Handkraft bereitstellen, die sogar über der MT7 liegen können. Eine konstante Übersetzungsrate über den gesamten Hebelweg, ein kugelgelagerter Hebel und spannende Verbesserungen beim Entlüftungsvorgang, der Vibrationsvorbeugung und ein cleverer Schnellverschluss an der Gebereinheit machen die RACE PRO nicht nur zu einem Update, sondern zu einem Überraschungsgast im Portfolio. Und die MT Serie, wie auch Carbotecture bleiben mit im Spiel.

MAGURA verspricht viel mit dem neuesten Wurf. Nicht ohne eine schelmische Vorfreude auf die Online-Kommentare wurde der metallene Vertreter am Samerberg präsentiert. Stand man doch jahrelang unter Feuer in den Internetforen für die Entscheidung, auf faserverstärkten Kunststoff zu setzen. Allerdings markiert die RACE PRO nicht das Ende dieser Ära. Sie ist eine Ergänzung und koexistiert neben MT, Louise und Gustav. 

Alles ist neu, aber der Fokus lag laut Entwicklungsteam auf der linearen Kraftentfaltung ohne binäres On/Off‑Gefühl. Mit einem Systemgewicht von rund 310 g soll die RACE PRO eine Downhill-Ankerkraft mit dem Gewicht einer Cross-Country-Bremse vereinen. Wir haben der neuesten schwäbischen Erfindung schwer auf den Zahn gefühlt.

Technische Daten & Fakten im Überblick

  • Einsatzbereich: XC, Trail, Enduro, DH, E-MTB

  • Material Geber & Bremssattel: Aluminium, geschmiedet & CNC-gefräst

  • Material Bremshebel: Aluminium CNC (1-Finger), kugelgelagert

  • Kolbenkonfiguration: 1x Ø 12 mm (Geber), 4x Ø 19 mm (Bremssattel)

  • Leitungsanschluss: MAGURA EASY LINK Ventil

  • Bremsflüssigkeit: Royal Blood (Mineralöl)

  • Empfohlene Bremsscheiben: MAGURA 2,0 mm (MDR-P, MDR-S, MDR-C in 180–220 mm)

  • Bremsbeläge: MDP-13 Serie (SILVER ab Werk, YELLOW, BLACK)

  • Gewicht: 310 g (Herstellerangabe mit 1.000 mm Leitung, ohne Scheibe)

  • UVP: 699,80 € (Set)

  • Garantie: 5 Jahre Dichtigkeitsgarantie

Wo platziert sich die neue RACE PRO im MAGURA Portfolio?

MAGURA blickt auf eine lange Rennsport-Tradition zurück. Vom ersten Hydro-Stop (HS) Felgenbremsen-System 1987 über den legendären „Schwabenanker“ GUSTAV M bis hin zur MT-Serie prägten und polarisierten die Bad Uracher den MTB‑Sport. Und das Biken hat sich verändert: Bikes wurden schneller, schwerer und potenter, während Strecken technischer und kompromissloser ausfallen.

Die RACE PRO positioniert sich oberhalb der MT7 und der GUSTAV PRO als kompromissloses Race-Flaggschiff. Sie wendet sich an Piloten, die maximale Verzögerung bei perfekter Kontrolle verlangen. Während die GUSTAV PRO mit dicken 2,5-mm-Scheiben und hoher thermischer Masse glänzt, schlägt die RACE PRO die Brücke zu klassischeren 2,0-mm-Scheibensystemen – garniert mit viel Oberfläche, einteiligem Bremssattel und komplettem Aluminium-Finish. Aufwändig geschmiedet und via CNC nachbearbeitet.

Weiterhin bietet Magura noch alte Bekannte (Louise) oder günstigere Versionen mit weniger Features bekannter Modelle (MT5) an.

MAGURA RACE PRO, MAGURA GUSTAV PRO, MAGURA MT7 UND MAGURA LOUISE

Technische Details

Die Kolben im Bremsgriff verfügen über 12 mm und die in der Bremszange über 19 mm Durchmesser. Im Vergleich hat die MT7 einen 10‑mm-Kolben im Bremsgriff und 17‑mm-Kolben in der Zange. Ähnlich wie bei der GUSTAV PRO verringert MAGURA den Druck im Hydrauliksystem durch den größeren Kolben. Der Plan ist, beim Bremsvorgang einen stabileren Druckpunkt mit guter Dosierbarkeit zu schaffen und keinen Unterschied zwischen der Vorderrad- und Hinterradbremse zu spüren. In härter übersetzten Systemen kann dies durch die längere Leitung am Hinterrad der Fall sein.

Bremsen-Basics: Grundsätzlich wird beim Ziehen des Bremshebels Druck im Hydrauliksystem erzeugt. Die sogenannte Ölsäule schiebt sich nach unten und fährt die Kolben in Richtung Scheibe. Über die Reibwirkung wird Bewegungsenergie in Wärme umgewandelt. Das Übersetzungsverhältnis einer Bremse ergibt sich aus der Kolbengröße an der Gebereinheit (Bremsgriff) und der Nehmereinheit (Bremssattel) und den mechanischen Verhältnissen des Bremshebels.

An dieser Stelle wollen wir aber nicht erneut so tief ins Detail gehen. Die Nerds und die, die es werden wollen, können weiteres Hintergrundwissen im GUSTAV PRO-Langzeittest finden. Hier gibt es jetzt ein paar Ergänzungen zur RACE PRO.

Übersetzungsverhältnis im Vergleich

Es gibt viele Faktoren, welche die Stärke einer Bremse beeinflussen. Natürlich spielen die, Hebellänge, Übersetzung, Belagsart und die Bremsscheibe eine wichtige Rolle. Dennoch muss man zuerst die Größen der Geber- und Nehmerkolben sowie deren Anzahl berücksichtigen.

Das Übersetzungsverhältnis einer Bremse ergibt sich aus:

  1. Der Kolbenfläche an der Gebereinheit (Bremsgriff)

  2. Der Zangenfläche (gesamt) an der Nehmereinheit (Bremssattel)

  3. Dem Übersetzungsverhältnis

Kolbenfläche (einzeln) / Zangenfläche (gesamt) / Übersetzungsverhältnis

Schauen wir uns die GUSTAV PRO, die MT7 und RACE PRO im Vergleich an, wenn wir die bekannten Größen der Kolbenfläche hinzuziehen:

Modell Geber-Ø (mm) Zangen-Ø (mm, je Kolben) Geberfläche (mm²) Zangenfläche gesamt (mm²) Übersetzung (Zange / Geber)
Gustav PRO 12 19 113.10 1134.11 10.02
MT 7 10 17 78.54 907.92 11.56
RACE PRO 12 19 113.10 1134.11 10.02

Die MT7 ist hydraulisch etwas höher übersetzt als die GUSTAV PRO und die RACE PRO. Das bedeutet oft, dass eine Bremse bei geringer Handkraft sehr bissig wirkt. Bei hohem Druck dehnt sich eine Standard-Bremsleitung jedoch minimal aus. Dadurch geht ein Teil des Drucks verloren, der eigentlich am Bremssattel ankommen soll – der Druckpunkt kann sich schwammiger anfühlen. Durch die größeren Kolben bei angepasstem Hebelweg herrscht bei der RACE PRO ein moderateres Druckniveau im System. Weil der Bremssattel auf die gleichen Dimensionen wie an der GUSTAV PRO setzt bleibt von Seiten der Hydraulik erstmal alles gleich. Der zusätzliche Bumms kommt über die mechanische Übersetzung des Hebels. Diese fällt höher aus und somit entsteht bei gleicher Handkraft mehr Verzögerung.

Messdaten aus MAGURAs internen Vergleichstests (nach DIN EN ISO 4210) unterstreichen diesen Claim: Bei einer typischen Handkraft von 80 N generierte die MT7 rund 430 N Bremskraft, die GUSTAV PRO ca. 580 N und die neue RACE PRO knackt die Spitze mit knapp 600 N Verzögerung.

Bei den Bremsscheiben setzt die RACE PRO auf die bewährten MAGURA‑2,0‑mm-Modelle wie MDR-P, MDR-S oder MDR-C. Wer schnell in Tuning-Laune verfällt und überlegt, ob man die dickeren 2,5-mm-Scheiben der GUSTAV PRO verwenden könnte, dem sei der Wind aus den Segeln genommen: In diesem Szenario bewegt man sich außerhalb des vorgegebenen Rückstellbereichs der Quadringe. Das sorgt zwar kurzzeit für einen extrem kurzen Hebelweg, aber das bleibt nicht so auf Dauer. Man verringert sich ungünstig den seitlichen Einstellbereich für die präzise Ausrichtung am Rahmen und ist von Seitens MAGURA weder vorgesehen noch freigegeben.

Und was ist mit Carbotecture? „For the lovers and the haters“ – so beschreibt MAGURA das Metal-Only-Konzept der RACE PRO. Faserverstärkter Kunststoff findet sich an der RACE PRO nicht. Gebergehäuse, Hebelblatt und Klemmschelle sind komplett aus geschmiedetem und CNC-gefrästem Aluminium gefertigt. 

Das Gebergehäuse ist aus Aluminium – geschmiedet und CNC-gefräst.

Stark skelettiert wirkt der geschmiedete Bremssattel nach seinem Gang in die Fräse.

Bremsbeläge, Bremshebel & SHIFTMIX ADAPTER

Bremsbeläge

Die RACE PRO nutzt die MDP-13-Belagsform, welche baugleich zur MT7 ist. Serienmäßig verbaut Magura die MDP-13 SILVER-Beläge, die als Allrounder eine ausgewogene Mischung aus Standfestigkeit, Haltbarkeit und Biss bieten. Für maximale Verzögerung stehen die MDP-13 YELLOW-Beläge bereit, die laut Datenblatt nochmals +10 % mehr Bremskraft bei kurzen, harten Bremsmanövern generieren. Die Ausführung MDP-13 BLACK rundet das Portfolio für leiseres Ansprechverhalten ab. 

Wer in seinem Rahmen mit Bremsvibrieren zu kämpfen hat, kann auch auf die MDP-13+ Shim-Pads setzen. Diese verfügen über ein angepasstes Loch zur Belagsfixierung, aber vor allem über eine Gummibeschichtung auf der Rückseite des Belagsträgers. Diese liegt im eingebauten Zustand zwischen Bremskolben und Bremsbelag und soll so auftretende Schwingungen dämpfen. Angeboten werden diese Beläge seit Anfang 2025 und laufen vielleicht für den einen oder die andere unter dem Radar. Erhältlich sind sie für alle Bremsen im Aftermarket (nicht an OE Spezifikationen). Preislich liegen sie mit 30,90 € für MTB 13+ BLACK leicht über dem regulären MDP 13 BLACK für 25,50 €

Im Vergleich: TYPE-13 BLACK, MDP-13 YELLOW und MDP-13+ YELLOW

Bremshebel & Ergonomie

Der 1-Finger-Hebel besteht aus vollgefrästem Aluminium und besitzt eine werkzeuglose Weitenverstellung. Um Reibung zu reduzieren und damit Armpump vorzubeugen, ist der Hauptdrehpunkt des Hebels kugelgelagert. Das Gebergehäuse setzt auf eine leicht geneigte radiale Bauweise, was trotz des hohen ÖL-Volumens für eine sehr kompakte Form am Lenker sorgt.

Der Hebel ist aus Aluminium. Über das Verstellrädchen lässt sich die Hebelweite schnell anpassen.

SHIFTMIX ADAPTER

Für ein aufgeräumtes Cockpit nutzt die RACE PRO die einheitliche SHIFTMIX‑IG-Schnittstelle an der Lenkerschelle. Über entsprechende SHIFTMIX-IG.X‑Adapter lassen sich Trigger von Shimano, SRAM (MMX sowie Pod) oder TRP direkt und mit großem Verstellbereich an der Bremsschelle montieren.

Keine zusätzliche Klemme. So sieht der Adapter für einen SRAM Pod aus. Es gibt weitere Lösungen für Shimano, SRAM und TRP.

Montage

Die Montage ist quasi identisch zur GUSTAV PRO. Wer eine vorkonfektionierte Leitung hat, kann diese entspannt durch den Rahmen führen und am Bremsgriff einklippsen. Keine Crimpzange zur Hand? Es gibt weiterhin auch klassische Leitungsanschlüsse.

Für den Bremssattel hat man sich einen cleveren Shim aus Kunststoff ausgedacht. Diesen hängt man über die Scheibe und schiebt ihn in den Sattel. Zieht man dann am Bremshebel, richtet sich ein (noch nicht komplett festgezogener) Bremssattel ideal aus. Schnell. Schleiffrei. Einstellen.

Diesen Shim steckt man auf die Bremsscheibe …

und richtet dann den Bremssattel korrekt aus.

EASY LINK, Easy Tube & EASY BLEED

EASY LINK & EASY TUBE TECHNOLOGY

Wie bei der GUSTAV PRO setzt MAGURA auch bei der RACE PRO auf die werkzeuglose Steckverbindung EASY LINK. Die Bremsleitung wird einfach per Schnellverschluss am Bremsgriff eingeklickt. Abdeckung entfernen, Sicherungsklammer ziehen, Leitung abstecken – fertig. Wer sich mit einem Rahmen mit Headset-Routing herumschlagen muss, wird dieses Feature sehr begrüßen. 

Die RACE PRO geht zusätzlich noch einen Schritt weiter: Ihr Geberventil schließt beim Trennen automatisch ab, sodass beim Umstecken kein Öl austritt und das System in der Regel nicht neu entlüftet werden muss. 

Die Bremshebel der RACE PRO sind seitenspezifisch. Das bedeutet, dass man nicht wie bei MT oder GUSTAV PRO den gleichen Hebel verwendet oder für „Moto-Style“ die Bremsen einfach umdreht. EASY LINK macht einen schnellen Wechsel der Bremsseite für deinen Kumpel aus England oder Australien, der dein Bike mal testen möchte, damit möglich (ohne einen Frontflip zu riskieren).

Werkzeugloses, sauberes Trennen der Bremsleitung vom Geber dank EASY LINK-System.

EASY BLEED & Servicebarkeit

Der Bremssattel verfügt über einen durchgehenden Ölkreislauf ohne Sackgassen. Somit sollten Luftblasen beim Entlüften wenig Raum zum Verstecken haben. Dadurch wird die Positionierung des Bremssattels beim Service weniger essenziell. Beim Bremsmedium bleibt man beim blauen Royal-Blood und den bekannten Entlüftungskits, die auch auf alle anderen MAGURA‑Bremsen zum Einsatz kommen.

Da beim Biken nicht immer alles nach Plan läuft, bietet MAGURA für die RACE PRO ein erweitertes Ersatzteilkonzept an: Hebellager-Kits, Gebereinheiten-Dichtsets und Ausgleichsbehälter-Abdeckungen sind einzeln erhältlich. Solltet ihr also mal eine Baum- oder Boden-Nahbetrachtung hinter euch haben, bekommt ihr die Möglichkeit, schnell und einfach mögliche Schäden zu reparieren.

Hintergrundinformationen: Wie und wo wurde die Magura RACE getestet?

Wir waren auf dem MAGURA-Presscamp am Bikepark Samerberg eingeladen. Vor Ort konnten wir einen Tag lang die RACE PRO auf Herz und Nieren prüfen. Auf dem Programm standen die typischen Bikeparkstrecken, aber auch steile Abfahrten weiter oben am Berg, die wir mit Unterstützung von E-MTBs in Angriff nahmen.

Nach dem Presscamp konnte Testfahrer Jens die RACE PRO direkt von MAGURA auf sein privates Bike (Banshee Titan) montieren lassen. Auf einem vierzehntägigen Kanada-Roadtrip in Whistler, Kamloops und Sun Peaks konnte er der Bremse auf Wurzelteppichen, extremen Steilabfahrt-Sektionen und Bikepark-Laps alle Stärken und Schwächen entlocken. Im August wurde das System zusätzlich auf heimischen Mittelgebirgstrails gefordert.

(Hinweis: Über den reinen Einbremsvorgang können wir keine detaillierten Aussagen treffen, da die Bremsen bei der Übergabe bereits eingefahren waren.)

Testeindruck im Detail

„Boah! Die will ich nicht mehr abbauen von meinem Rad!“ – Jetzt könnte der Testeindruck schon beschrieben sein, aber vermutlich seid ihr an etwas mehr Details interessiert. 

Hebelergonomie

Bremsen gehören wie Griffe, Pedale und Sattel zu den direkten Kontaktpunkten am Bike. Jeder Mensch, jeder Finger, jede Hand und jede Vorliebe unterscheiden sich. Somit kommt es gerne mal zu hitzigen Diskussionen darüber, was denn jetzt eine ideale Form (am Bremshebel) oder Geometrie (wie sich der Bremshebel bewegt) ausmacht.

Magura ist in der Vergangenheit vermutlich der Hersteller, der am offensten mit diesen Vorlieben umgegangen ist. Man denke nur an die zahllosen gedruckten Bremshebel, die Loic Bruni im Worldcup getestet hat, oder die verstellbaren HC3‑Hebel an der MT7. 

MAGURA zeigt beim RACE PRO-Modell einen schlanken, präzise verarbeiteten Metallhebel mit leicht zugänglicher Griffweitenverstellung. Das war’s. Aktuell. MAGURA wäre sicher nicht MAGURA, wenn es da nicht in der Zukunft noch eine verstellbare Version geben würde – aber man hüllte sich auf die Nachfrage hin noch in Schweigen.

Der Standard-Hebel fällt gegenüber dem HC3 der MT7 vergleichsweise lang aus. Der Zeigefinger findet einen angenehmen Platz in dem dafür vorgesehenen Ende mit der Krümmung. Darüber, an welcher Stelle der Hebel in der Hand (am Finger) liegen soll und wo der Druckpunkt stehen muss, kann man wieder Abende mit Techtalk und Meinungsaustausch verbringen.

Mit einer Zeigefingerlänge von 9,5 cm kann ich den Hebel angenehm im ersten Gelenk ruhen lassen und den Druckpunkt so einstellen, dass er nicht zu nah am Lenker liegt oder meinen Mittelfinger einquetscht bei maximalem Hebelzug. Manche Anwender fahren den Druckpunkt deutlich näher am Lenker, was über die Weitenverstellung machbar ist. Kleine Hände und kurze Finger? Die typische MAGURA-Modulation bekommt man nicht ganz ohne Hebelweg. In Extremfällen könnte der Hebelweg bis zum Druckpunkt für sehr kleine Pfoten eng werden. Hier gehen wir aber schwer davon aus, dass wie bei allen anderen Modellen bereits etwas in der Pipeline ist.

Persönliches Hebelsetting von Jens | Ausgangsposition. Beläge liegen an. Maximaler Druckpunkt.

Belagswahl & Scheibengröße

Wir haben im Test die Varianten SILVER (Standard) und YELLOW (Performance) mit Scheibengrößen von 200 mm und 220 mm gefahren. Für Yannick (75 kg) war schnell klar, dass die silbernen Standardbeläge für ihn mehr als genug Leistung bereitstellen. Wer unter 80 kg wiegt, findet hier eine feinfühlige Dosierung vor. Jens (über 100 kg) griff nach den ersten Tests mit den SILVER‑Belägen für den ausgedehnten Test zur Kombination aus 220-mm-MDR-P-Scheibe und den gelben YELLOW-Belägen.

Die Vorlieben von unterschiedlichen Fahrer(Gewichten) deckten sich mit unserem Testeindruck zur GUSTAV PRO. Wer experimentierfreudig ist, kann auch mit kleineren Scheiben die aggressivsten (YELLOW) Beläge nutzen. 

Fahreindruck – MAGURA RACE PRO

Schon im Presscamp am Samerberg zeigte sich die MAGURA RACE PRO als souveräne Partnerin, sobald es steil wurde. Power satt und eine Dosierbarkeit, die über der MT7 liegt. Der Hebel wirkt kantig und filigran, liegt aber sauber am Zeigefinger. Mit der Schraube für die Hebelweite lässt sich die persönliche Vorliebe schnell finden. Für mich lag der Sweetspot im ersten Gelenk, sodass bei vollem Zug die flache Front des Hebels komplett am zweiten Fingerglied auflag. In dieser Position ließen sich auch lange Steilabfahrten ohne großen Kraftaufwand oder Armpump absolvieren. Dabei hatte man immer volle Kontrolle über den Punkt, an dem die Bremse letztendlich zumachte.

Mit den gelben Belägen sollte man aber etwas mehr Gefühl mitbringen als für die silbernen. Sonst kann es schneller blockieren. Nach einer Eingewöhnungsphase sollte das aber kein Problem darstellen.

An der Eisdiele gewann ich noch nie einen Blumentopf mit meinen Manual-Künsten – mit etwas Hilfestellung seitens der Bremse reichte es aber für eine Teilnehmerurkunde. MAGURA war in dieser Hinsicht schon immer ein Hersteller, der es geschafft hat, die Power kontrollierbar zu machen. Das setzt sich an der RACE PRO fort. 

Im Härtetest im zeitweise etwas regnerischen Whistler Bikepark und auf verschlammten Rockrollern bestätigte sich dieser positive Texteindruck. Selbst die 220er-Scheibe an der Front, sorgte in Kombination mit den bissigen gelben Belägen unter den herausfordernden Bedingungen nie für plötzlichen Gripverlust durch zu viel Verzögerung. 

Wurde es schneller, griffiger und steiler, so konnte man sich mit der RACE PRO immer auf die Linie konzentrieren. Das war insbesondere angenehm auf den Double-Black-Diamond-Steilabfahrten im Bikepark Sun Peaks.

Dort fährt man oben rein und wird unten ankommen. Mit oder ohne Fahrrad. Stehen bleiben? Is nich. Unten angekommen (auf dem Rad) holte einen der typische Geruch von (sehr) heißen Bremsen ein. Leistungseinbuße? Fehlanzeige. Das ist besonders angenehm, da man in jeder Lage mit nur einem Finger die maximale Bremsleistung abrufen kann. 

Auf steilen und auch rutschigen Abfahrten überzeugte die RACE PRO mit hervorragender Dosierbarkeit.

Auf deutschen Mittelgebirgsstrecken dürfte für die meisten Anwender die RACE PRO fast schon zu viel des Guten sein. Zumindest im Setup mit 220er-Scheibe an der Front und den gelben Belägen. Wer keinen sensiblen Bremsfinger hat oder schlichtweg weniger wiegt, kann auf kleinere Scheiben und die Standard-Beläge zurückgreifen. 

Fazit MAGURA RACE PRO

Eine Bremse ist dann gut, wenn du nicht mehr über sie nachdenken musst. In unserem Test bewies sich die MAGURA RACE PRO unter den härtesten Bedingungen, die wir aufbringen konnten. Die Dosierbarkeit, gepaart mit der Power, wenn man sie wirklich braucht, ist top. Leichtere Fahrer können getrost auf den Standardbelag setzen, denn auch da ist schon genügend Bumms vorhanden.

Feinabstimmungen nach persönlicher Vorliebe sind auch über die Scheibengröße möglich. Die Standfestigkeit war über jeden Zweifel erhaben und überzeugte auch auf den längsten und steilsten Abfahrten. Und die Lover und die Hater? Die Rückkehr beziehungsweise die Erweiterung im MAGURA-Portfolio mit dem Werkstoff Aluminium an Geber und Hebel dürfte einige Fahrer ansprechen. Nicht nur die Liebhaber, welche in Nostalgie schwelgen, sondern auch die Hater, die auf Metall stehen.


Ihr wollt mehr Tests?


Autor – Jens Staudt

Größe: 191 cm

Gewicht: 87 kg

Fahrstil: Mit seinem Race-Hintergrund sind die Linien geplant, auch wenn es mal rumpelt. Wenn möglich, werden Passagen übersprungen. Die ganze Breite eines Trails sollte man nutzen. Andere würden sagen – kompromisslos.

Motivation: Ein Produkt sollte sorgenfrei und möglichst lange funktionieren. Wenn man weniger schrauben muss, kann man mehr fahren. Er bastelt gerne und schaut, wie das Bike noch optimiert werden kann.


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