Schwalbe ordnet alles neu – Gravity, Trail & Race MTB Reifen
Lesezeit: 11 Minuten
Schwalbe räumt auf. Das MTB-Portfolio wird von Grund auf neu sortiert, um die Qual der Wahl zu beenden. Alles wird übersichtlicher. Wir zeigen, was sich hinter den neuen Namen GRAVITY, TRAIL und RACE verbirgt und was es mit der komplett neu gedachten Philosophie auf sich hat. Außerdem erklären wir die neue GRAVITY-Karkasse sowie Ultra Soft-Mischung und verraten, warum der neue Romy ein interessanter Allrounder ist. Und natürlich: alle Infos und erste Fahreindrücke zu den neuen Tacky Chan-, Magic Mary-, Eddy Current- und Albert-Varianten.
Technische Informationen und Neuerungen
Die neuen GRAVITY PRO-Karkasse
Compounds/Gummimischungen
Neue Kennzeichnung auf der Seitenflanke
Zuwachs: Neue Reifen und Profile
Auslaufmodelle & Alternativen
Nachhaltigkeit
Wer in den letzten Jahren einen Schwalbe-Reifen kaufen wollte, musste sich zuerst durch viele Begrifflichkeiten kämpfen: Performance, Evolution, LiteSkin, ADDIX mit seinen vier Geschmacksrichtungen, Super Ground, Race, Trail, Gravity, Downhill und mehr – die Auswahl war riesig und wuchs mit dem Radial-Lineup noch weiter. Schwalbe erkannte die Problematik und handelte entsprechend.
Ziel ist ein klares, dreistufiges System, das ab sofort im MTB-Bereich seine volle Wirkung entfaltet. Keine kryptischen Zusätze, sondern klare Einsatzgebiete. Ein wahrer Segen, nicht nur für den Ottonormalbiker.
Reminder: Kürzlich beschäftigten wir uns bereits intensiv mit den Unterschieden der beiden Radial- und Diagonalkarkassen. In unserem Artikel „Schwalbe Radialreifen vs. Diagonalreifen – Der große Vergleichstest“ haben wir die technologischen Besonderheiten der neuen Karkassen seziert und herausgefunden, was das auf dem Trail bedeutet.
Das neue Reifen Lineup
Drei Familien, zwei Linien, ein System
Die Kernbotschaft ist simpel: Einsatzzweck zuerst. Bei der Wahl deines Reifens beginnst du mit der Frage: Was und wie fährst du? Dementsprechend wählst du die Karkassen-Konstruktion des Reifens – dafür gibt es diese drei Familien:
| Familie | Einsatzgebiet | Charakter |
|---|---|---|
| GRAVITY | Enduro, Freeride, Downhill, E-Enduro | Maximale Stabilität, Pannenschutz und Kontrolle. Sicherheit vor Gewicht. |
| TRAIL | Trail, All-Mountain | Balance aus Pannenschutz, Grip und Gewicht. Der Allrounder. |
| RACE* | XC, Marathon | Minimales Gewicht, geringer Rollwiderstand. Die größte Effizienz. |
*Hinweis: Die Umstellung auf die neue RACE-Familie erfolgt erst 2027. Hier bleibt vorerst vieles beim Alten.
Diese drei Familien sind das neue Navigationssystem. Damit reduziert Schwalbe die Karkassen-Konstruktionen von insgesamt fünf auf nur noch drei Stück.
Parallel wird das „Qualitätslevel“ des Reifens auf zwei einfache, verständliche Bezeichnungen angepasst:
Schwalbe-Linie (früher Active-/Performance-Line): Das neue Standard-Niveau. Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis mit hochwertigen Compounds (MID/SOFT), die es früher ausschließlich in der Evolution-Line gab. Preisniveau: 44,90 €.
Schwalbe PRO-Linie (früher Evolution-Line): Das Nonplusultra. Neueste Materialien, Weltcup-getestet, maximale Performance in Grip, Pannenschutz und Kontrolle. Preisniveau: 69,90 € – 79,90 €.
Das vereinfacht die Wahl enorm: Ein TRAIL-Reifen hat immer die TRAIL-Karkasse, egal ob in der Standard- oder PRO-Version.
Die Neuordnung in drei Familien betrifft nicht nur den MTB-Bereich – auch Tour und Dropbar sind davon betroffen, bekommen aber andere Bezeichnungen.
Technische Informationen und Neuerungen
Hier wird es spannend. Schwalbe hat nicht nur umbenannt, sondern auch technisch einiges optimiert.
Die neuen GRAVITY PRO-Karkasse
Der richtige Reifen, wenn es ordentlich zur Sache geht. Die GRAVITY PRO-Konstruktion haben Schwalbes Entwickler seit 2021 im Enduro- und Downhill-Worldcup weiterentwickelt. Ab sofort kommen diese Reifen mit sechs Karkassenlagen unter der Laufffläche und vier an der Seitenwand. Vorher waren es vier unten und zwei seitlich. Das sorgt für mehr Stabilität und Durchschlagschutz. Die Antwort auf kritisches Feedback von manchen Fahrern.
Dazu kommen der bewährte, gewebeverstärkte Apex-Durchschlagschutz und ein optimierter Burping-Schutz. Eine seitliche Snakeskin-Schicht schützt vor Seitenwand-Cuts. Die GRAVITY PRO-Konstruktion gibt es sowohl in klassischer Diagonal- als auch in der Radial-Bauweise.
Dadurch wird der Reifen natürlich etwas schwerer als sein Vorgänger.
Alter Magic Mary (GRAVITY PRO Ultra Soft 29×2,5 Zoll) = 1.340 g
Neuer Magic Mary (GRAVITY PRO Ultra Soft 29×2,5 Zoll) = 1.410 g
Wer die stabilere und robustere Konstruktion nicht benötigt, wählt die leichtere TRAIL PRO-Version. Die TRAIL PRO-Karkasse bleibt unverändert gegenüber der bereits bekannten Version. Auch die RACE PRO-Karkasse wurde nicht neu entwickelt – sie entspricht der bisherigen Super Race-Variante.
Die Reifen der Schwalbe PRO-Line verfügen gegenüber der günstigeren Schwalbe-Line (ohne „PRO“-Zusatz) über nochmals höherwertige Konstruktionen – bei GRAVITY PRO gibt es beispielsweise zusätzliche Karkassenlagen und den Apex-Gewebeschutz, der noch besser vor Durchschlägen und Snakebites schützt.
So setzt sich die optimierte GRAVITY PRO-Karkasse zusammen. Sechs statt vier Lagen unter der Lauffläche (1) und vier anstelle von zwei Lagen an der Seitenwand (2) sorgen für mehr Stabilität und Durchschlagschutz.
Compounds/Gummimischungen
Der Begriff ADDIX verschwindet. Die Compounds werden noch eindeutiger benannt: Speed, Mid, Soft, Ultra Soft. Und letztere wurde im Worldcup komplett neu entwickelt (Amaury Pierron gewann damit 2024 in Les Gets mit über 6 Sekunden Vorsprung – in absoluter Matsche). Laut den Schwalbe-Entwicklern wurde Ultra Soft mit dem neuen Update noch weicher, um mehr Grip und 50 % mehr Dämpfung zu liefern – die Spreizung zwischen Soft und Ultra Soft wird dadurch stark vergrößert. Bei unserem vergangenen Test machten wir auch die Erfahrung, dass sich die Magic Mary in Ultra Soft am Hinterrad überraschend gut treten ließ. Am Bio-Bike könnte es daher sein, dass man am Hinterrad ab sofort besser auf die Soft-Mischung wechselt.
So lauten die neuen Bezeichnungen:
| Alter Name | Neuer Name | Eigenschaft |
|---|---|---|
| ADDIX SPEED | SPEED | Geringster Rollwiderstand, hohe Haltbarkeit. Für maximale Geschwindigkeit. |
| ADDIX SPEEDGRIP | MID | Der Allrounder: Niedriger Rollwiderstand, gute Dämpfung, gute Haltbarkeit. |
| ADDIX SOFT | SOFT | Spürbar mehr Dämpfung und Grip bei moderatem Rollwiderstand. |
| ADDIX ULTRA SOFT | ULTRA SOFT | Komplett neu entwickelt. Maximaler Grip und Dämpfung, speziell bei Nässe. |
Die neue Ultra Soft-Gummimischung ist jetzt noch weicher – für mehr Grip und Dämpfung. Pierron holte sich 2024 in Les Gets damit den Sieg:
Neue Kennzeichnung auf der Seitenflanke
Mit all diesen Änderungen passt Schwalbe auch die Beschriftung auf der Seitenflanke des Reifens an. Das neue Design ähnelt optisch zwar dem der alten Radialreifen, ist im Detail jedoch anders. Auf der Flanke steht nun nicht mehr das Modell im Vordergrund, sondern die entsprechende Familie – zum Beispiel: SCHWALBE TRAIL oder eben SCHWALBE TRAIL PRO. Das Modell befindet sich jetzt im „Kleingedruckten“ und unterstreicht die Philosophie, dass man seinen Reifen zuerst nach dem Einsatzzweck und erst dann nach dem Profil aussucht.
Auch die Seitenflanken-Bezeichnung bekommt ein Update. Die Familie steht groß im Vordergrund, der Rest klein dahinter.
Zuwachs: Neue Reifen und Profile
Der Radialreifen hat sich bewährt und bleibt weiterhin im Sortiment. Während die Fäden bei Diagonalreifen im 45°-Winkel verlaufen, liegen sie bei Radialreifen stumpfer an. Das Ergebnis:
30 % größere Auflagefläche bei gleichem Luftdruck
Mehr Grip und höhere Dämpfung = mehr Sicherheit, Kontrolle und Komfort
Zum technisch detaillierten Testpilot-Artikel Radial- vs. klassischen Diagonalreifen
Diese Modelle sind neu:
ROMY
Die Romy ist das neue Highlight im Schwalbe-Portfolio und wird als Alleskönner vorgestellt. Sie soll die Lücke zwischen schwereren und etwas schlechter rollenden Gravity-Reifen und All-Mountain-Pneus schließen. Sie ersetzt den legendären Hans Dampf und teilweise den Nobby Nic – und ist der erste Radialreifen, den Schwalbe in 2,4 Zoll anbietet.
Die Romy kommt mit höheren Schulterstollen und …
niedrigeren sowie engstehenderen Mittelstollen.
Key Facts
Aggressive Schulterstollen für maximalen Kurvengrip und Kontrolle in jeder Situation
Enges Mittelprofil mit geringerer Profiltiefe für gutes Rollverhalten und hohe Haltbarkeit
Leichter als viele Enduro-Reifen, aber dennoch enorm robust und langlebig
Geeignet für Vorder- und Hinterrad
Karkassen-Konstruktionen: Radial & Diagonal
Compounds: MID & SOFT
Die Versionen im Überblick
| Version | Konstruktion | UVP | Compound & Größen |
|---|---|---|---|
| Romy RACE PRO | Diagonal | 69,90 € – 74,90 € | MID: 29 x 2,40 (970 g) |
| Romy TRAIL | Diagonal | 44,90 € | MID: 29 x 2,40 (1.070 g) / SOFT: 27,5 x 2,40 (1.005 g) |
| Romy TRAIL PRO | Diagonal | 69,90 € – 74,90 € | MID: 29 x 2,40 (1.050 g) / SOFT: 27,5 x 2,40 (990 g) |
| Romy TRAIL PRO | Radial | 69,90 € – 74,90 € | MID: 29 x 2,40 (1.050 g), 29 x 2,50 (1.130 g) / SOFT: 27,5 x 2,40 (1.065 g), 27,5 x 2,50 (1.065 g) |
| Romy GRAVITY PRO | Diagonal | 69,90 € – 74,90 € | SOFT: 27,5 x 2,40 (1.155 g), 29 x 2,40 (1.065 g) |
| Romy GRAVITY PRO | Radial | 69,90 € – 74,90 € | SOFT: 27,5 x 2,50 (1.275 g), 29 x 2,50 (1.355 g) |
TACKY CHAN
Bisher war der Tacky Chan ausschließlich als Diagonalreifen erhältlich. Jetzt gibt es ihn auch radial. Er soll der schnellste Downhill-Reifen im Sortiment sein – daher eignet er sich hervorragend am Hinterrad. Im klassischen diagonalen Sektor bleibt er uns erhalten und verdrängt die Big Betty. Als Radialreifen feiert er sogar eine exklusive Premiere: Die 2,5″-Breite wird es nur in dieser Bauart geben. Für die speziellen Anforderungen und die höhere Verformung der Radial-Lauffläche hat Schwalbe das Profil des Tacky Chan optimiert. Die neue 2-2 Aufteilung der Profilblöcke sorgt für ein kontrollierteres Fahrverhalten. Der geschlossenere Übergangsbereich soll ein sanfteres Einlenken und erhöhte Bremstraktion bieten.
Es gibt diverse neue Varianten und Größen. Je nach Einsatzbereich kann zwischen TRAIL PRO, GRAVITY PRO oder RACE PRO gewählt werden. Vier Varianten des Tacky Chan gibt es zudem ab sofort in Schwalbes Standard-Line mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis von 44,90 € bis 49,90 €. Die PRO-Version des Reifens bekommt man ab 69,90€ bis hin zu 74,90 € (diagonal) und 79,90 € (radial).
Der Tacky Chan bekommt ein separates Radial-Profil – angepasst auf die speziellen Anforderungen und höhere Verformung.
Im Vergleich – Links: Romy / Rechts: Tacky Chan
EDDY CURRENT
Dieser spezielle Reifen fürs E-MTB war zuvor in einer Front- und einer Rear-Variante verfügbar. Ab sofort gibt es ihn nur noch fürs Hinterrad mit radialer GRAVITY PRO-Konstruktion – in 27,5 und 29 Zoll (beide Soft). Der Zusatz „Rear“ entfällt, da nur noch diese eine Variante verfügbar ist (64 statt vorher 65 mm). Der UVP liegt bei 79,90 €.
MAGIC MARY
Die legendäre Magic Mary gibt es ab sofort mit weiteren Karkassen-Konstruktionen und dem neuen, weicheren Ultra Soft-Compound. Aufgrund der riesigen Nachfrage werden zudem zusätzliche Radial-Versionen angeboten (in 27,5 und 29 Zoll). Diese haben jetzt eine glatte Seitenwand – Performance und Seitenwandschutz bleiben trotzdem gleich. Gleichzeitig wird der Reifen auch in einfacher Schwalbe-Line-Konstruktion für einen interessanten Preis von 44,90 € bis 49,90 € angeboten.
ALBERT
Schwalbes „erster“ Radialreifen ist ab sofort in drei weiteren Versionen erhältlich.
Neu sind: 27,5 x 2,5 Zoll (Gravity PRO, Ultra Soft, 79,90 €) sowie 29 x 2,6 Zoll (Trail PRO, Ultra Soft + Soft, je 74,90 €).
Diese fünf Reifen im Überblick (von links): Romy, Tacky Chan, Eddy Current, Magic Mary, Albert.
Auslaufmodelle & Alternativen bei Schwalbe
| Auslaufmodell | Neues Modell | Eigenschaft |
|---|---|---|
| Hans Dampf | Romy | Der neue Trail-Reifen für mehr Fahrspaß, Grip und Kontrolle. |
| Big Betty | Albert Tacky Chan |
Geschlossenes Profil für harte Untergründe, Fokus auf Haltbarkeit und niedrigem Rollwiderstand. Offenes Profil für lockere Untergründe, Fokus auf Speed und Präzision. |
| Eddy Current Front | Albert Magic Mary |
Geschlossenes Profil für harte Untergründe, Fokus auf Haltbarkeit und niedrigem Rollwiderstand. Der legendäre Downhill- und Enduro-Reifen mit verzeihendem Profil für alle Terrains. |
So sieht das neue Portfolio aus. Links die alten Bezeichnungen. Rechts die neue Ordnung. Das XC-Sortiment folgt im kommenden Jahr 2027.
Nachhaltigkeit
Schwalbe setzt bei über 70 % des Portfolios auf recycelten Ruß aus dem eigenen Reifenrecycling – das spart 80 % CO₂eq gegenüber Industrieruß. Alle PRO-Versionen nutzen zudem fair gehandelten Naturkautschuk mit einer Direktprämie für zertifizierte Kleinbauern.
AUF DEM TRAIL (First Ride)
In Molini bekamen wir die Möglichkeit, verschiedene neue Schwalbe-Reifen zu fahren. Unter anderem den nagelneuen Romy in der TRAIL PRO- sowie GRAVITY PRO-Ausführung wie auch den Magic Mary mit Ultra Soft-Gummimischung an der Front, gepaart mit dem Tacky Chan am Heck – beides in GRAVITY PRO. Alle Reifen waren in der radialen Ausführung.
Für nur zwei Tage waren das ziemlich viele Reifen und Eindrücke – vor allem, wenn man dann auch noch anfängt, mit dem Luftdruck herumzuspielen. (Spoiler: Es wird auch noch einen Langzeittest geben.)
Was wir aber bereits sagen können: Boah! Wir waren beeindruckt. In unserem letzten Vergleichstest zwischen Diagonal- und Radialreifen konnten wir uns bereits von den Vorteilen des Radialreifens (in der damaligen GRAVITY PRO-Ausführung) überzeugen lassen: mehr Grip und Dämpfung für mehr Sicherheit und Komfort.
Wer noch nie Radialreifen gefahren ist, wird anfangs öfter prüfen, ob der Reifen Luft verloren hat. Das Rollgeräusch und das Gefühl unterscheiden sich. Dafür bekommt man aber deutlichen Gripzuwachs in allen Fahrsituationen. Bist du besser geworden mit deiner Kurventechnik oder ist das nur der Reifen? In Schwalbes Fall: der Reifen.
Wo viel Licht, da gibt es auch Schatten? Die radiale Konstruktion erkauft sich die Verbesserungen mit einem geringeren Durchschlagschutz und erhöhtem Rollwiderstand. Anscheinend waren wir nicht die einzigen, die das so beurteilten. Schwalbe erwähnte dieses Feedback öfters bekommen zu haben. Man nahm sich die Kritik zu Herzen und legte nach.
Gerade beim GRAVITY PRO-Casing wurden die Karkassenlagen optimiert und unter der Lauffläche befinden sich nun sechs (statt vier) und an der Seite vier (anstelle von zwei). Das verleiht den Radialreifen spürbar mehr Stabilität und Durchschlagschutz. Während wir beim Vorgängermodell mit dem Luftdruck mindestens 0,2 bar nach oben gingen (vor allem am Hinterrad), um einen Durchschlag zu verhindern, konnten wir mit den neuen Reifen den Reifendruck sogar reduzieren – auch am E-Bike, ohne maximale Reifenverformung oder plötzliches Wegknicken unter Last. Well done, Schwalbe! Was kann die leichtere TRAIL PRO-Variante? Bislang konnten wir auf flowigeren Strecken mit unserem normalen Luftdruck auch der dünneren Karkasse nicht die Luft austreiben.
Mit dem neuen GRAVITY PRO-Casing konnte sogar Schwergewicht Jens am E-Bike den Luftdruck deutlich reduzieren, ohne Plattfüße zu bekommen.
Ebenso wusste der Ultra Soft-Compound der Magic Mary und des Tacky Chans seine Stärken auszuspielen. Von Schnee über Matsch bis hin zu staubtrockenen Trails, zeigte sich Molini von seiner vielfältigen Seite. Diese Kombi blieb unbeeindruckt. Noch mehr Dämpfung und Grip. Keine knickenden Stollen. Das Update der Ultra Soft-Mischung ist gelungen. Am E-Bike kann man den Ultra Soft-Compound auch super am Hinterrad fahren. Ist er dort für das Bio-Bike zu viel? Vermutlich.
In Sachen Rollwiderstand in Kombination mit Radialreifen kommt unter anderem die Romy mit schnellerem Profil ins Spiel. Ein Reifen mit effizienten Mittelstollen und hohen Seitenstollen. Sie lässt sich besser beschleunigen und gibt gleichzeitig ausreichend Sicherheit bei Kurvenfahrten. Auch wenn sie als Trail-Reifen eingeführt wird, können wir uns sie sehr gut als Enduro-Hinterradreifen vorstellen – sie gibt es auch in der GRAVITY PRO-Version. Und wer es noch leichtläufiger haben möchte, bekommt die Romy (wie auch weitere Modelle) nach wie vor in der klassischen Diagonal-Bauweise. Ein Langzeittest mit mehr Uphill-Metern steht noch aus, da wir in Molini primär geshuttelt wurden.
Hier dürft ihr euch im Nachgang (wie schon angekündigt) auf einen Langzeittest freuen – wir werden den radialen Romy ausführlich in der TRAIL PRO- gegen die GRAVITY PRO-Variante testen.
Gerade auf den trockenen Molini-Strecken war der Romy am Hinterrad eine gute Wahl. Ein detaillierter Test folgt. – Foto: Dusten Ryen, Loamwolf
FAZIT
Schwalbe baut seinen Vorsprung im Radialsegment aus. Die Neuausrichtung ist nicht nur eine oberflächliche Neustrukturierung, sondern ein durchdachtes System. Die Reduzierung der Karkassen von fünf auf drei, gepaart mit den logisch benannten Compounds, ist gelungen. Willst du GRAVITY, TRAIL oder RACE? Jede Konstruktion bietet klare Vor- und Nachteile und ist klar eingeordnet, je nach Einsatzbereich.
Mit zusätzlichen Reifen und Profilen stellt sich Schwalbe – gerade im radialen Sektor – noch breiter auf und bietet gute Optionen, um den neuen Lieblingsreifen zu finden. Gleichzeitig wird dem Diagonalreifen nicht abgeschworen – er profitiert ebenso von den Neuerungen.
Absolut erwähnenswert ist, dass Schwalbe sich nicht nur auf die PRO-Versionen fokussiert. Mit der preiswerten „Schwalbe-Line“ bekommt man auch mit weniger Budget einen ordentlichen Compound und gute Reifen.
DU WILLST MEHR TESTS?
Autor – YANNICK NOLL
Größe: 178 cm
Gewicht: 75 kg
Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert.
Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.

