Die neue SRAM Maven Bremse unter der Lupe

Lesezeit: 12 Minuten

SRAM Maven – ein Name, der eine Fangemeinde hinter sich eint. Bekannt für: Bremspower. Bremsscheiben bis 220 mm, Mineralöl und Servicefreundlichkeit stehen auf der Haben-Liste. Spannend dabei ist, dass sie sich ihren Platz in der Bikegemeinde in nur gut zwei Jahren erkämpft hat. Als Nachfolgerin, oder besser gesagt, als die Steroidversion der Code deckt sie alles ab, von Enduro bis hin zu den schwersten E-Bikes. Unter dem Stichwort „Gravity-Bremse“ will man die Scheibenbremse auf das nächste Level heben. Alle Details zum überarbeiteten SwingLink, den neuen Kolben sowie zur Rückwärts-Kompatibilität findet ihr hier im Artikel.


Geschichte der Maven

Bevor wir in die Details der Updates eintauchen, hier ein Schnelldurchlauf zur Geschichte der SRAM Maven. Vorgestellt im Februar 2024, war sie die Überarbeitung für die bekannte Code-Bremse – damit verabschiedete man sich von der DOT-Bremsflüssigkeit und wechselte auf Mineralöl. Die Entwickler in Colorado Springs sahen die immer heftiger werdenden Ansprüche an die Bremskraft im Worldcup, beim Enduro und für die schwereren E-Bikes – Zeit, den Anker am Reißbrett komplett neu zu denken.

Das Ergebnis war ein völlig neuer Bremssattel mit zwei unterschiedlich großen Kolbenpaaren – massive 18 mm und 19,5 mm Phenolharz-Kolben, gepaart mit einem Hebel, der einen SwingLink-Mechanismus mit enger gefasstem Deadband und einen neu positionierten Drehpunkt für deutlich mehr mechanische Übersetzung bekam. SRAM versprach satte 46 % mehr Power als die Code – bei 32 % weniger Handkraft. 

Das damalige Launch-Lineup umfasste drei Varianten: die CNC-gefräste Ultimate, die geschmiedete Silver und die abgespeckte Bronze, die alle die gleiche Grundarchitektur teilen, aber bei Features und Materialien Abstriche machen.

Auch wenn wir Biker gerne mit Nachrüstbelägen und Scheiben versuchen, noch weiter zu optimieren, setzte SRAM schon immer auf ein aufeinander abgestimmtes System. Ihr volles Potenzial sollte die Bremse mit den dickeren HS2-Rotoren (2 mm), hauseigenen größeren Belägen wie auch einem disziplinierten Einbremszyklus erreichen. 

Im März 2025 erweiterte SRAM die Familie dann um die Maven Base – einen alternativen Einstieg, der den progressiven SwingLink gegen einen direkteren, lineareren DirectLink-Mechanismus tauscht und den Bremssattel mit vier gleichgroßen 18-mm-Kolben bestückt. Das Ergebnis bewahrte die legendäre Maven-Power, nahm aber die Abruptheit, die manchen Fahrern zu viel war. 

Die Maven ist zwar immer noch ein Brocken, bringt aber auch entsprechende Leistung mit sich. Physik lässt sich nun mal nicht austricksen und irgendwo muss die Wärme ja hin – ganz nach dem Motto: Masse ist Macht. So sitzt sie massiv am Lenker und levelt jetzt hoch. 

Nach dem Motto „Das Bessere ist des Guten Feind“ ruht man sich nicht auf dem Erfolg aus, sondern nimmt das, was in der Szene gut ankam, und optimiert die Details. Auf in die nächste Evolutionsstufe.

Die SwingLink-Evolution

Das Herzstück der Maven liegt schon immer im SwingLink-Mechanismus – eine speziell geformte Nocke, die eine progressive Hebelwirkung erzeugt und beim Ziehen zunehmend mehr Bremskraft aufbaut. Im Vergleich zu einem binären „Ein/Aus-Gefühl“ schafft dieses progressive Hebelgefühl bessere Traktion, gibt dir mehr Kontrolle und hilft, die Ermüdung der Hände zu minimieren.

Für die neue Generation hat SRAM die SwingLink-Übersetzung weiterentwickelt – das kleine Gelenk erkennt man jetzt an der goldenen Farbe. Das Ziel: brutale Bremskraft, aber eine verfeinerte Kraftentfaltung und verbesserte Dosierbarkeit. Das höhere Übersetzungsverhältnis am Anfang ähnelt jetzt der Fingerkraft, die man von der Maven Base kennt, und soll für ein intuitiveres initiales Bremsgefühl sorgen. Hauptsächlich wirke sich das auf die ersten 25 Prozent Hebelweg aus. Also da, wo man die Bremse öfter gerne mal schleifen lässt und bei schwierigen, steilen und rutschigen Passagen auf maximale Modulation angewiesen ist, um den Grip zu halten.

Um im weiteren Verlauf des Artikels Verwirrungen zu vermeiden: Die alte Maven-Bremse bekommt die SRAM-interne Abkürzung A1 und die neue Maven-Bremse bekommt das Kürzel B1.

MAVEN (A1) = ALT MAVEN (B1) = NEU MAVEN BASE
MECHANISMUS SwingLink SwingLink, überarbeitet DirectLink
HEBELVERHÄLTNIS Sehr progressiv Progressiv Linear
LOSBRECHMOMENT – FINGERKRAFT (ANFANG) 8 N 4,25 N 4 N

Hier versteckt sich der neue, goldene SwingLink-Nocken.

18 Millimeter Kolben

Was mit der Maven Base begann, erbt nun die komplette Familie: Alle Maven-Bremssättel der B1-Generation kommen jetzt mit vier 18 mm Kolben anstatt der vorherigen 19,5 und 18 mm Paare. Gemeinsam mit der neuen Ausführung des SwingLinks soll das Gesamtsystem harmonischer zusammenspielen.

Durch die unterschiedlich großen Kolben des alten Modells zeigte sich in der Praxis bei einzelnen Bremsen, dass nicht immer alle Kolben absolut synchron ausfuhren. SRAM empfiehlt in solchen Fällen die sogenannte „Kolben-Massage“ – dazu später mehr. Vereinheitlichte Kolbendurchmesser können das Synchronisationsverhalten vereinfachen.

Wer jetzt Bedenken hat, dass die Bremspower aufgrund geschrumpfter Kolben nachlässt, kann sich entspannen – das überarbeitete SwingLink-System soll das kompensieren.

Für alle Besitzer einer alten A1-Maven oder diejenigen, die jetzt schon darüber nachdenken, wie man A1 und B1 verheiraten kann, ist der Punkt Rückwärtskompatibel: Die Tuning-Kitsspannend.

Der neue Maven Ultimate Bremssattel – darin sitzen vier 18 mm Kolben.

Bremssattel-Explosionszeichung der Maven Ultimate und Silver.

CHARAKTERISTIK

MODELL BREMSPUNKT
(0–20 mm)
DOSIERBARKEIT
(20–45 mm)
MAXIMALE BREMSKRAFT
(45–70 mm)
MAVEN B1, NEU Mittlere Anfangsrate mit niedrigem Losbrechmoment und kurzem Hebelelerweg Konsistente Änderung des Übersetzungsverhältnisses schafft eine maximal vorhersehbare Dosierbarkeit Ansteigen des Hebelverhältnisses erzeugt hohe Maximalbremskraft zum Ende des Hebelweges
MAVEN A1, ALT Niedrige Anfangsrate mit höherem Losbrechmoment und minimalem Hebelweg Niedriges Übersetzungsverhältnis im mittleren Hebelweg schafft einen frühen Bremskraftaufbau Das hydraulische Übersetzungsverhältnis bestimmt die Bremskraft zum Ende des Hebelweges
MAVEN BASE Hohe Anfangsrate mit niedrigstem Losbrechmoment und größtem Hebelweg Konsistente Änderung des Übersetzungsverhältnisses schafft eine maximal vorhersehbare Dosierbarkeit Ansteigen des Hebelverhältnisses erzeugt hohe Maximalbremskraft zum Ende des Hebelweges

Frisches Finish, neue Hebel

Die SwingLink-Überarbeitung ist nicht die einzige Verbesserung. Ultimate, Silver und Bronze bekommen alle neue Bremshebel und ein frisches Finish.

Die Maven Ultimate (ULT) wird mit ihren neuen Carbonhebeln noch ein wenig mehr Ultimate. Etwas leichter – und wer aktuell bei der kalten Witterung auf den Trails unterwegs ist, weiß die geringere Wärmeleitfähigkeit von Carbon sicher ebenfalls zu schätzen.

Die Maven Silver (SLV) erhält komplett neue, geschmiedete Bremshebel, die durch Ausfräsungen etwas leichter ausfallen. Mit ihrer Schwarz-auf-Schwarz-Hardware verpasst SRAM der Silver zudem eine komplette Stealth-Ästhetik.

Die Maven Bronze (BRZ) bekommt die gleiche geschmiedete Hebelarchitektur, aber ohne die gewichtssparenden Ausfräsungen, gepaart mit einem schwarz eloxierten Finish.

Unsere Maven Ultimate mit Carbonhebel.

Die neue Maven im Überblick

Klingt alles etwas verwirrend? Hier findet ihr alle die neueste Maven-Familie in ihrer Abstufung auf einen Blick:

MAVEN ULTIMATE
DB-MVN-ULT-B1
MAVEN SILVER
DB-MVN-SLV-B1
MAVEN BRONZE
DB-MVN-BRZ-B1
SWINGLINK neu neu neu
BREMSHEBEL MATERIAL Carbon Aluminium – geschmiedet, CNC gefräst Aluminium – geschmiedet
GRIFFKÖRPER-MATERIAL Geschmiedetes Aluminium Geschmiedetes Aluminium Geschmiedetes Aluminium
BREMSATTEL-MATERIAL Geschmiedetes Aluminium Geschmiedetes Aluminium Geschmiedetes Aluminium
BREMSATTEL-ENTLÜFTUNGSÖFFNUNG Bleeding Edge Bleeding Edge Bleeding Edge
SCHRAUBEN MATERIAL Titan Edelstahl (schwarz) Edelstahl
FARBE Klar eloxiert Glänzend schwarz eloxiert Mattschwarz eloxiert
KONTAKTPUNKT-EINSTELLUNG Ja, ohne Werkzeug Ja, ohne Werkzeug Nein
GRIFFWEITEN-EINSTELLUNG Ja, ohne Werkzeug Ja, ohne Werkzeug Ja, ohne Werkzeug
HYDRAULIKFLÜSSIGKEIT SRAM Mineralöl SRAM Mineralöl SRAM Mineralöl
HEBELGELENK Lager Kugellager Gleitlager
BREMSBELAG TYP Organisch auf Stahl-Trägerplatte Organisch auf Stahl-Trägerplatte Sintermetall auf Stahl-Trägerplatte
KOLBENMATERIAL Phenolischer Kunststoff Phenolischer Kunststoff Phenolischer Kunststoff
KOLBENANZAHL 4 4 4
GEWICHT 363 g 379 g 381 g
PREIS (VORNE + HINTEN) jeweils 325 € jeweils 290 € nur OE

Rückwärtskompatibel: Die Tuning-Kits

Das vielleicht wichtigste Detail für alle, die bereits auf Maven unterwegs sind: Die neue B1-SwingLink-Architektur ist komplett rückwärtskompatibel. Fahrer der alten A1-Generation können ihre Bremsen mit den neuen Hebel-Kits aufrüsten und von der gleichmäßigeren Bremskraftentfaltung und optimierten Dosierbarkeit profitieren – und gleichzeitig das bevorzugte Hebelmaterial wählen.

Links der alte SwingLink-Nocken. Rechts der neue goldene. In diesem Fall für Ultimate- und Silver-Bremsen.

Die Hebel-Kits der Maven Ultimate und Maven Silver sind untereinander kompatibel, während die gleitgelagerte Maven Bronze ein eigenes Kit erhält. Der Clou: Die Montage ist bewusst benutzerfreundlich ausgelegt und in etwa zehn Minuten erledigt. Weil alles auf der trockenen Seite der Bremse passiert, muss man danach nicht einmal neu entlüften. Somit sollte das Umrüsten auch für jeden Hobbyschrauber leicht machbar sein.

Und so einfach tauscht man den alten gegen den neuen SwingLink:

Jetzt werden sich manche fragen, wie sich der alte 19,5/18 mm-Kolben-Bremssattel gepaart mit dem neuen SwingLink verhält. Wer das neue B1-Kit an einer A1-Bremse montiert, bekommt aufgrund des geringfügig größeren Kolbenvolumens einen marginal größeren Hebelleerweg, während gleichzeitig die Maximalbremskraft leicht ansteigt – die mechanische Hebelübersetzung bei stark angezogenem Hebel legt hier noch einmal zu. Wer also nach noch mehr Power schreit, bekommt mit einem kleinen Opfer eine noch größere Wirkung. Das ist sicher spannend für die Bremsen-Nerds mit maximalen Custom-Wünschen.

Die folgenden Tuning-Kits sind für deine Maven A1 verfügbar:

TUNING KIT INHALT PREIS KOMPATIBEL MIT
ULTIMATE 2 Carbon-Bremshebel und 2 Light Action Swinglink-Einheiten 120 € Ultimate & Silver
SILVER 2 CNC-bearbeitete Aluminium-Bremshebel und 2 Light Action Swinglink-Einheiten 95 € Ultimate & Silver
BRONZE 2 Aluminium-Bremshebel, 2 Light Action Swinglink-Einheiten und 2 Gleitlager 75 € Bronze

Kompatibilität im SRAM-Portfolio

Du schmiedest schon Pläne, welche Kombinationen aus SRAM-Hebeln und -Sätteln wohl gut funktionieren könnten? Damit nichts schiefgeht, hier eine kleine Übersicht, was man machen kann, was funktionieren könnte und von welcher Kombi man besser die Finger lässt.

Selbstverständlich sollte hier sein, dass man natürlich nur Bremsen-Modelle mixen kann, die das SRAM-Mineralöl verwenden.

SRAM FAQ

SRAM hat eine genaue Liste aller Neuerungen von der letzten Generation Maven auf die aktuelle Version zusammengefasst. Hier findet ihr alle Updates und Antworten auf mögliche Fragen direkt vom Hersteller auf einen Blick:

  • Unsere weiterentwickelte SRAM Maven B1-Modelle haben ein paar kleine aber wichtige Änderungen gegenüber der bereits sehr eindrucksvollen Maven A1-Serie. Die drei wichtigsten Updates, die wir gemacht haben sind:

    • Die Bremshebel der Maven B1 wurden weiterentwickelt und das SwingLink bekam einen neuen Tune, mit dem sich die Bremskraft sanfter aufbaut, die Dosierbarkeit verbessert und gleichzeitig die Ermüdung der Hände reduziert wird.

    • Die Bremssättel der Maven B1 haben jetzt 4x18-mm Kolben (anstelle der 2x18-mm and 2x19,5-mm Kolben, die in der Maven A1 verbaut sind). Wir haben das hydraulische Übersetzungsverhältnis deswegen leicht reduziert, weil das abgeänderte SwingLink das mechanische Übersetzungsverhältnis leicht erhöht hat. Die beiden gleichen sich gegenseitig aus, weshalb die Bremskraft zwischen den A1 und den B1 Modellen gleich bleibt.

    • Auch das Oberflächenfinish wurde bei der Maven ULT, SLV und BRZ aktualisiert (nur OE). Die Maven ULT hat ab sofort einen Carbon‑Bremshebel.

  • Die Maven A1 ULT, SLV und BRZ können mit den neuen Tuning-Kits nachträglich umgerüstet werden. Die Maven Base kann nicht nachgerüstet werden. Die Tuning-Kits der Maven ULT und SLV sind austauschbar, aber wegen der Unterschiede im Bremshebel-Design, braucht die BRZ ein eigenes Kit, das auch nur mit den BRZ-Modellen kompatibel ist.

    Die SRAM Teilenummern dafür sind:

    ULT - 00.5018.278.000

    SLV - 00.5018.278.001

    BRZ - 00.5018.278.002

    • Den Maven ULT Tuning-Kit/Bremshebel (Teilenummer 00.5018.278.000) ist mit den Maven A1 ULT und SLV kompatibel.

    • Die Maven A1 BRZ und die Maven Base haben beide ein anderes Hebel-Interface und sind daher nicht mit den Tuning-Kits der ULT (Carbon-Bremshebel) oder den aktualisierten SLV-Bremshebeln kompatibel.

    • Beachte bitte, dass du das aktualisierte SwingLink nur zusammen mit dem aktualisierten Bremshebel nutzen darfst.

  • Ja, weitere Details findest du in unserer Kompatibilitätsübersicht.

  • Bei einigen Kombinationen ist das möglich. Das Ergebnis wird allerdings weder das gewünschte Bremsgefühl noch einer verbesserte Bremsperformance sein, weil die Komponenten der Motive und der Maven so entwickelt wurden, dass sie am besten als Teil eines kompletten, aufeinander abgestimmten Systems funktionieren. Eine bessere Alternative wäre es, deine Bremsen mit anderen Bremsscheibengrößen oder Bremsbelägen zu tunen. Schau dir dazu den Artikel zum Tuning der Maven hier an oder schlage die Details hierzu in der Kompatibilitäts-Liste nach.

  • In dem Maven Bremshebel Tuning-Kit ist ein SwingLink der jüngsten Generation enthalten, das eine linearere Bremskraftentfaltung für noch mehr Kontrolle, weniger Fingerkraft und einer komfortablen Ergonomie bietet. Die ebenfalls aktualisierten Bremshebel aus hochwertigen Materialien optimieren die Kontaktpunkte noch weiter und das enthaltene Werkzeug macht die Montage noch einfacher und benutzerfreundlicher - und das ohne, dass du danach die Bremsen nochmal entlüften musst.

    Jedes Tuning-Kit enthält zwei aktualisierte Bremshebel und zwei SwingLinks, um damit einen Satz Bremsen umzurüsten. Die SRAM Teilenummern dafür sind:

    ULT - 00.5018.278.000

    SLV - 00.5018.278.001

    BRZ - 00.5018.278.002

    Die Montage-Informationen kannst du hier finden.

Installation/Setup der Maven-Bremse

SRAM schickte uns die neue Maven Ultimate in einer großen Box. Was früher als Expert-Kit bekannt war, wird es so nicht mehr geben. Man kann sich seine Bremse dann ganz einfach nach Wunsch aus allen Teilen zusammenstellen.

Wir würden euch empfehlen, das Pro-Mineralöl-Entlüftungskit mitzubestellen, falls ihr das nicht schon in der Werkstatt habt.

Um ein gutes Setup zu gewährleisten, solltet ihr bei der Installation ein paar Dinge beachten. Diese haben wir euch nachfolgend zusammengestellt. Hier findet ihr noch einen ausführlicheren Link mit zusätzlichen Infos von SRAM:

SRAM – MAVEN Übersicht

In unserer Box war folgendes enthalten:

  • Eine Maven Vorderrad- und eine Hinterradbremse, fertig angeschlossen

  • Ein Satz 200er- und ein Satz 220er-Bremsscheiben

  • Zwei 20 mm Adapter

  • Zwei Sätze organische und zwei Sätze gesinterte Bremsbeläge

  • Ein Pro-Mineralöl-Entlüftungskit

  • Ein kleines SRAM-Multi-Tool

TIPP:

Auch wenn man seine Leitungen nicht kürzen möchte, empfiehlt es sich vor dem ersten Ride die sogenannte Kolben-Massage durchzuführen. Durch das hohe Übersetzungsverhältnis reagiert die Maven sensibel auf kleinste Unterschiede im Kolbenlauf. Eine Kolben-Massage vor dem ersten Ride sorgt für gleichmäßiges Ausfahren aller Kolben und ein konsistentes Druckpunktgefühl. So geht man auf Nummer sicher, dass alle Kolben frei arbeiten und die Bremse von Beginn an sauber zupackt.

Musst du nichts kürzen und entlüften, kannst du den nächsten Punkt einfach überspringen und direkt deine Massage-Skills unter Beweis stellen.

Bremsleitung kürzen und Entlüften

In den meisten Fällen wir man zumindest das hintere Bremssystem öffnen und die Leitung durch den Rahmen verlegen. Um die beste Performance aus seiner Maven herauszuholen, sollten man den SRAM-Entlüftungsprozess befolgen. Das Video zur Kürzung der Maven-Bremsleitung und der korrekten Entlüftung haben wir dir hier verlinkt:

Kolben Massage

Die Kolben-Massage (Piston Massage) ist ein wichtiger Bestandteil bei SRAM-Bremsen, um eine gute, dauerhafte Funktion nicht nur nach dem Entlüften zu gewährleisten. Nach einiger Zeit, wenn sich der Bremsbelag abgenutzt hat, kann es sein, dass du einen größeren Hebel-Leerweg feststellst. Oder hast du bei winterlichen Temperaturen schon einmal bemerkt, dass du nach längerer Standzeit deinen Druckpunkt aufpumpen musst? Auch dann hilft die Massage. So wie auch dir nach einer Woche Bikepark-Geballer eine Massage gut tut, freuen sich auch deine Bremskolben über ein bisschen Liebe. Bringt das keine oder nur eine minimale Besserung, musst du vielleicht doch das komplette System entlüften. Du kannst es aber erst einmal mit einer liebevollen Kolben-Massage probieren.

Life Hack für neue Bremsen:

Im nachfolgenden Video findest du den korrekten SRAM-Prozess. Ist deine Maven neu oder hast du neue Bremsbeläge verbaut, kannst du dir den Schritt mit dem Ausbau der Bremsbeläge sparen:

  1. Laufrad ausbauen.

  2. Durch mehrfaches Ziehen des Bremshebels die Bremsbeläge zusammenpumpen, bis sie sich berühren.

  3. Mit einem sauberen (!) Bremskolben-Rückstellwerkzeug die Kolben und Bremsbeläge zurückdrücken.

  4. Laufrad wieder einbauen.

ACHTUNG: Bitte nicht mit abgenutzten Bremsbelägen durchführen! Dabei können deine Kolben herausfallen!

Der korrekte Weg:

Einbremsen

Auch wenn dir die Feuerbremse viele Blicke vor der Eisdiele garantiert, solltest du damit warten, bis Belag und Scheibe richtig eingebremst sind.

Für eine gute Performance sollte man sich das Einbrems-Tutorial anschauen und richtig durchführen.

Das gibt es einmal für normale Bikes und einmal für E-Bikes:

Griffweite und Druckpunkt einstellen

Die Griffweite lässt sich bei jedem Maven-Modell über ein gerastertes Drehrädchen am Hebel einstellen. Hier hat man viel Spielraum für diverse Vorlieben und Fingerlängen.

Die Maven Ultimate sowie Silver punktet mit einer zusätzlichen Druckpunktverstellung am Geberzylinder – zu erkennen über die Bezeichnung „Contact In“. Dreht man in Richtung des Pfeils, wandert der Druckpunkt näher an den Lenker. Entsprechend andersherum ist es, wenn man das Rädchen gegen den Pfeil dreht. Besonders hervorheben muss man den breiten Verstellbereich – das lässt viel Spielraum für den perfekten Druckpunkt, während selbst ein Klick deutlich spürbar ist.

Dadurch kann man seine Maven-Bremse ganz individuell auf seine persönlichen Vorlieben anpassen.

Links ist der Druckpunkt-Versteller – gekennzeichnet mit „Contact In“.

Am Bremshebel selbst befindet sich das Einstellrad für die Griffweite.

Bremsbelagswahl

In unserer Box finden wir zwei verschiedene Arten von Bremsbelägen: organische & gesinterte

Standardmäßig kommt die Ultimate mit organischen Belägen.

Bei 5 Grad Außentemperatur, kurzen, eher flachen Downhills (wie wir sie meistens in Deutschland haben), Bio-Bike und meinen 75 kg fällt die Wahl auf die organischen Beläge. Wenn die Temperaturen steigen und die Bikepark-Laps bevorstehen, werde ich auch noch einmal die gesinterte Variante ausprobieren.

Grundlegend kann man die beiden Bremsbelag-Typen so zusammenfassen:

MATERIAL PRO CONTRA
ORGANISCH - Feiner dosierbar
- Etwas geräuschärmer
- Müssen nicht auf Temperatur kommen
- Kürzere Lebensdauer
- Hitze- und Nässeempfindlicher
GESINTERT - Höhere Hitzetoleranz
- Längere Lebensdauer
- Bei Kälte nicht so griffig
- Kann lauter sein

Erster FahrEindruck SRAM Maven Ultimate

Eigentlich ist es nicht die Jahreszeit für finale Bremsen-Urteile. Schneeränder am Trail, niedrige Temperaturen, kurze Runs – der Winter lässt derzeit keine endlosen Bikepark-Abfahrten oder kilometerlangen Alpentrails mit kochenden Bremsen zu. Entsprechend verstehen sich die folgenden Eindrücke zur SRAM Maven als erster Praxiskontakt. Wenn die Temperaturen steigen und lange, steile Abfahrten auf dem Programm stehen, folgt ein ausführlicher Härtetest.

Wir nutzen also die schmierigen Bedingungen und können mehr zur Modulation sagen. 

Die bisherige Maven war nie eine Bremse für halbe Sachen. Wer den Hebel zog, bekam direkte Verzögerung. Für manche Fahrer war die maximale und direkte Power genau das Richtige, andere wünschten sich im ersten Hebelweg etwas mehr Feingefühl. So griff die letztere Gruppe sogar zu kleineren oder schwächeren Bremsscheiben (Centerline anstatt HS2). Grundsätzlich wurde viel über den Kraftaufwand der Hebelbetätigung diskutiert. Für manche Fahrer kein Problem, für andere ein Ausschlusskriterium. Wie immer kam es auf Vorlieben, Finger- und Unterarmkraft wie auch auf die Strecken an. Die Kritik kam sicher auch bei den SRAM-Entwicklern an und man erkannte Möglichkeiten um die Maven zu verbessern.

Was mit der Reduzierung auf vier 18 mm Kolben bei der Maven Base eingeleitet wurde, hat SRAM mit dem neuen SwingLink-System am Hebel weiter optimiert und stellt mit der neuen Maven B1 ein stimmiges Gesamtkonzept dar. Der Bremshebel setzt sich leichtgängiger in Bewegung und punktet mit einer feinfühligen Dosierung. Der Leerweg lässt sich über die Druckpunkt-Verstellung in einem großen Rahmen auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. 

Die Maven bietet ein klar definiertes Anschmieggefühl von Bremsbelag auf Scheibe. Man spürt am Finger genau, wann der Belag beginnt, an der Scheibe anzuliegen. Darüber hinaus lässt sie sich fein dosieren, während sich die Bremskraft angenehm progressiv aufbaut. Zum Ende des Hebelwegs punktet sie mit ihrer charakteristischen Power – die ist nicht verloren gegangen, sondern einfach besser zu dosieren. Kein schwammiges Nachgreifen. Kein Gefühl, noch weiter ziehen zu müssen.

Gerade Fahrer, die bislang Schwierigkeiten hatten, sehr aggressive Bremsen fein zu dosieren, könnten hier profitieren. Angenehm ist das insbesondere auf schmierigen Böden, Wurzeln oder Steinplatten – die Bremse macht nicht sofort zu und hält den Grip aufrecht.

Bei unserer ersten Ausfahrt machte sich an der Vorderradbremse zunächst ein inkonstanter Druckpunkt bemerkbar. Wichtig dabei: Die Bremse wurde direkt aus dem Karton ans Bike montiert. Nach Rücksprache mit SRAM kam der Hinweis auf die Kolben-Massage (im Setup-Abschnitt beschrieben). Gesagt, getan – Kolben massieren und etwas Liebe geben. Danach war der Druckpunkt stabil und reproduzierbar – ohne weitere Auffälligkeiten. Daher empfehlen wir, vor der ersten Ausfahrt eine Massage durchzuführen.

Ein zusätzlicher Pluspunkt, bei den momentan kalten Außentemperaturen, ist tatsächlich auch der Carbon-Bremshebel. Während Aluminium bei Minusgraden die Kälte direkt in die Finger leitet, fühlt sich Carbon spürbar angenehmer an – ein kleiner, aber feiner Unterschied zur Alu-Variante.

Zwischenfazit

Die neue Charakteristik verzeiht mehr und erleichtert es, Geschwindigkeit präzise zu kontrollieren – ohne die Power einzubüßen, welche der Maven ihren Ruf beschert hat.

Mit verschiedenen Scheibengrößen und dem breiten Verstellbereich des Druckpunkts kann man die Maven bestens auf seine persönlichen Vorlieben abstimmen.

Das macht sie nicht nur attraktiv für Fahrer, die eine besonders direkte Bremse bislang als fordernd empfanden, sondern auch für all jene, die ein gut dosierbares System suchen, das im Ernstfall zupackt, wenn es darauf ankommt.

Wie geht es weiter?

Wie sie sich bei langen, heißen Bikepark-Runs und alpinen Dauerbremsungen schlägt, wird die bevorstehende Saison zeigen. Der erste Eindruck macht jedenfalls Lust auf mehr.

Ihr wollt mehr Tests?

 

Autor – Yannick Noll

Größe: 178 cm

Gewicht: 75 kg

Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert. 

Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.


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