Test: YETI LT Sixfinity Enduro

Lesezeit: 12 Minuten | Fotos: Angie Hohenwarter, Yannick Noll

Yeti Cycles ist eine dieser Marken, die im Mountainbike-Sport einen exklusiven Status genießt. Gegründet in den Rocky Mountains von Colorado, hat sich der Hersteller über die Jahre hinweg einen Ruf als ambitionierte und exklusive Rennschmiede erarbeitet. Seit der Einführung des SB160 im Jahr 2022 konnte das Yeti-Worldcup-Team um Fahrer wie Richie Rude oder Slawomir Lukasik einige Enduro-Worldcup-Siege sowie einen Weltmeistertitel einfahren. Doch Yeti wäre nicht Yeti, wenn man sich auf den Lorbeeren ausruhen würde. 

Wir waren beim Yeti-Presscamp in Brixen und konnten das neue LT Enduro-Bike einem ersten Test unterziehen.

Steckbrief Yeti LT

Einsatzzweck Enduro
Größen SM, MD, LG, XL
Rahmenmaterial TURQ Series Carbon mit Vectran-Schutz
Federweg hinten 160 mm
Federweg vorne 170 mm
Dämpfer-Einbaumaß 205 x 65 mm
Laufradgröße Mullet 29"/27,5" oder komplett 29"
Bremsaufnahme 200 mm
Steuerrohr ZS44/56
Zugführung Intern mit Führung
Tretlager 73 mm BSA
Hinterradnabe 12 x 148 mm (Boost)
Sattelstütze 31,6 mm
Sattelklemme 34,9 mm
Reifenfreiheit 29" x 2,6" / 27,5" x 2,6"
Flaschenhalter bis 750 ml
Schaltauge UDH (Universal Derailleur Hanger)
Garantie Lebenslang + Crash Replacement
Rahmengewicht
Komplettbike Gewicht ab 15,6 kg (Yeti LT XO Mullet)
Farbe TURQ und NIGHTOUT
Preis (UVP) Komplettbike: 7.400 € – 10.990 €
Rahmenset*: 5.400 €

* Das Rahmenset kommt mit beiden Progression-Chips, den Laufrad-Flip Chips, beiden Ausfallenden (0 & +10 mm), dem getunten Fox Float X2-Dämpfer sowie der Rahmentasche.

Yeti LT

Auch wenn viele Hersteller sich mittlerweile auf E-Bikes konzentrieren, möchte Yeti mit ihrem neuesten Bike ihre Leidenschaft für den unmotorisierten Rennsport unterstreichen. Mit dem LT löst man das überaus erfolgreiche SB160 und SB165 ab – gleichzeitig setzt man einen Meilenstein: Erstmals kommt in einem Bio-Enduro-Bike von Yeti das Sixfinity-Hinterbausystem zum Einsatz. Eine Sechslenker-Kinematik, die bereits im E-MTB-Bereich und im Downhill-Worldcup ihre Tauglichkeit unter Beweis gestellt hat.

Sixfinity

Das Herzstück des neuen LT ist die Sixfinity-Plattform – ein Sechslenker-System, das technisch auf einem Stephenson-Mechanismus aus dem 19. Jahrhundert basiert, der einst in Dampflokomotiven zur Steuerung der Dampfzufuhr eingesetzt wurde. Yeti hat dieses kinematische Prinzip adaptiert und für den Mountainbike-Einsatz weiterentwickelt. Warum dieser Aufwand? Der Grund liegt in der beispiellosen Kontrolle, die sechs Gelenke über die entscheidenden Fahrwerksparameter bieten.

Während herkömmliche Systeme oft Kompromisse eingehen müssen, erlaubt Sixfinity die unabhängige Abstimmung von Anti-Squat, Anti-Rise und Hebelverhältnis. Das bedeutet: Die Beschleunigungscharakteristik (Pedalieren), das Bremsverhalten und die Federkennlinie lassen sich jeweils separat optimieren, ohne dass sich die Parameter gegenseitig negativ beeinflussen. Somit lassen sich Sixfinity-Bikes ganz individuell nach Einsatzzweck optimieren.

Das Sixfinity-System setzt sich aus folgenden sechs Bestandteilen zusammen:

Und so funktionieren die Links:

  • Rocker Link: Steuert den Dämpfer und verbindet das System mit dem Timing Link.

  • Timing Link: Rotiert um den Drehpunkt des Rocker Link und bestimmt die Bewegungsrichtung des Switch Link.

  • Switch Link: Zuerst bewegt sich der Switch Link nach oben – es entsteht genau dort Pedalunterstützung, wo sie benötigt wird. Ein hoher Anti-Squat-Wert rund um den Sag-Bereich sorgt für eine hohe Tritteffizienz. Am sogenannten „Inflection Point“ ändertder Switch Link seine Richtung und bewegt sich nach unten – der Anti-Squat-Wert fällt deutlich ab und macht so Platz für die Abfahrtsperformance.

Sixfinity Entwicklungsgeschichte 

Die Entwicklung von Sixfinity begann bereits 2016 – lange bevor das System in Serie ging. Der erste Prototyp war ein Aluminium-Rahmen, dessen Rohre noch von den Modellen SB66 und SB95 stammten (Bild 1). 2019 folgte der erste Carbon-Prototyp mit 130 mm Federweg (Bild 2), der bis heute von Yeti-Legende Jared Graves gefahren wird – er weigerte sich schlicht, das Bike wieder herzugeben.

Im Rahmen der Testphase wurde Yeti schnell klar, dass sich die anpassbare Sixfinity-Plattform perfekt für die E-MTB-Kategorie eignet. Bedingt durch den großen Bauraum, den ein E-Bike-Motor benötigt, war das Sixfinity-System am motorisierten Bike ebenfalls besser zu integrieren als das Switch-Infinity-Konzept. Die erstmalige offizielle Vorstellung erfolgte daher mit dem Yeti 160e im Jahr 2021.

2022 entstand in nur drei Monaten ein Downhill-Prototyp (Bild 3), weil Richie Rude seinen Wunsch äußerte, wieder DH-Rennen zu bestreiten. Dieses Bike brachte nicht nur Yeti zurück in den Downhill-Worldcup, sondern lieferte auch wertvolle Erkenntnisse für die Sixfinity-Plattform unter härtesten Bedingungen.

Der finale Schritt war Anfang 2024 der „LT Super Mule“ (Bild 4) – ein Prototyp, der die Einstellung von unterschiedlichsten Übersetzungsverhältnissen, sechs Kettenstrebenlängen, verschiedenen Tretlagerhöhen, jeglichen Lenkwinkeln und Reach-Werten ermöglicht, um die finale Geometrie für das Serienmodell zu finden. Nach über zehn Jahren Entwicklungsarbeit steht nun das LT bereit, um die nächste Generation von Yetis Enduro-Bikes einzuläuten.

2016 – der erste Aluminium-Prototyp mit Sixfinity-Hinterbau.

2019 – der erste Carbon-Prototyp mit 130 mm Federweg.

2022 – der erste Downhill-Prototyp für Richie Rude.

2024 – der „LT Super Mule“ mit unterschiedlichsten Übersetzungsverhältnissen, sechs Kettenstrebenlängen, verschiedenen Tretlagerhöhen, jeglichen Lenkwinkeln und Reach-Werten.

Anti-Squat – effizient pedalieren

Wer schon einmal ein Switch-Infinity-Bike von Yeti gefahren ist, kennt das charakteristische Gefühl: effizientes Treten im Sag-Bereich, gefolgt von einer geschmeidigen Abfahrt. Dieses Prinzip wurde bei Sixfinity weiterentwickelt. Ein kleiner Switch Link bewegt sich beim Einfedern zunächst nach oben – das sorgt für einen hohen Anti-Squat-Wert und damit für maximale Effizienz beim Pedalieren. Sobald der Federweg fortschreitet, wechselt der Link die Richtung und bewegt sich nach unten, wodurch der Anti-Squat-Wert stark abfällt. Die Kettenspannung reduziert sich, der Hinterbau kann frei arbeiten – ideal für ruppige Abfahrten.

In der Praxis bedeutet das: Kein Lockout des Dämpfers beim Klettern notwendig. Die Kinematik erledigt die Arbeit mechanisch. Und wer dennoch zum Hebel greift, dem sei gesagt: Yeti rät ausdrücklich davon ab. Der Anti-Squat-Verlauf ist so ausgelegt, dass man auch ohne Lockout effizient und mit mehr Traktion bergauf kommt – insbesondere auf unebenem Terrain, wo ein gesperrtes Fahrwerk schnell den Bodenkontakt verliert.

Sixfinity soll gegenüber Switch Infinity noch mehr Kontrolle über Verlauf und Intensität der Anti-Squat-Kennlinien bieten. Der „Inflection Point“ ist der Punkt, an dem der Switch Link seine Richtung ändert.

Mit der Pedaling Zone beachtet Yeti, dass man sich beim Pedalieren nicht nur in der Sag-Position befindet, sondern je nach Trail oder Gewichtsverlagerung auch mal etwas davor oder dahinter ist. In all diesen Situationen soll der Fahrer von einem hohen, sehr konstanten Anti-Squat-Wert profitieren – unabhängig davon, ob er gerade im großen oder kleinen Ritzel unterwegs ist.

Die höheren Anti-Squat-Werte im kleinen Ritzel sind physikalisch bedingt (höherer Kettenzug) und von Yeti bewusst so abgestimmt, um dem Fahrer in allen Pedalier-Situationen – nicht nur beim Bergauffahren – möglichst viel Effizienz zu bieten. Gleichzeitig sorgt die nichtlineare Charakteristik dafür, dass dieser hohe Anti-Squat-Wert die Abfahrtsperformance nicht negativ beeinflusst, sondern dort schnell abfällt und der Hinterbau frei arbeiten kann.

Die Sixfinity-Plattform von Yeti ist gerade deshalb so besonders, weil sie diese scheinbaren Widersprüche auflöst:

„Wir können jeden dieser Parameter genau so abstimmen, wie wir es wollen, und das für den spezifischen Einsatzzweck. Von E-Bikes über Pedalbikes, von Enduro bis hin zum DH – wir haben diese Flexibilität und Kontrolle, um alles genau so anzupassen, wie wir es wollen.“

– Peter Zawistowski, Yeti Director of Engineering

Anti-Rise – Bremsen mit Grip

Auch beim Bremsverhalten zeigt Sixfinity seine Stärken. Beim Bremsvorgang verlagert sich das Fahrergewicht nach vorne, komprimiert die Gabel und lässt dadurch das Heck ausfedern. Der Anti-Rise-Wert beschreibt, wie stark der Hinterbau beim Bremsen eintauchen kann. Yeti hat sich bewusst für rund 75 % entschieden. Das bringt mehr Traktion beim Bremsen, ohne die Geometrie völlig zu opfern. Das Ergebnis: Ein stabiles, berechenbares Fahrverhalten, das in Bremssituationen Vertrauen schenkt. Die Kennlinie verläuft über den gesamten Federweg hinweg linear – keine plötzlichen Änderungen, keine bösen Überraschungen.

Progression Flip Chip

An der unteren Dämpferaufnahme befindet sich ein Flip Chip, mit dem sich die Progression des Fahrwerks in drei Stufen einstellen lässt: 15 %, 20 % oder 25 %. Die Geometrie, der Anti-Squat und der Anti-Rise bleiben davon unberührt – es ändert sich ausschließlich die Art, wie der Dämpfer anspricht und wie sich die Kennlinie über den Federweg hinweg verändert. Unabhängig von der Einstellung sollen die recht gleichmäßig verlaufenden Kennlinien für eine berechenbare Charakteristik durch den gesamten Federweg sorgen.

Die Wahl der Progression beeinflusst das Fahrgefühl deutlich:

  • 15 % Progression: ein direktes, rennorientiertes und konstantes Fahrgefühl

  • 20 % Progression: eine etwas ausgewogenere Abstimmung, die zwischen beiden Stufen liegt

  • 25 % Progression: macht den Hinterbau zu Beginn sensibler, liefert etwas mehr Pop und sorgt für mehr Durchschlagschutz zum Ende des Federwegs

Der Wechsel ist in wenigen Minuten erledigt – und die Chips liegen jedem Bike bei. Yeti ermutigt ausdrücklich zum Experimentieren.

Die drei verschiedenen Übersetzungsverhältnisse im Vergleich.

Es gibt zwei Chips. Hier zu sehen: Die Mittelstellung mit 20 % Progression.

Oder einen Flip Chip mit Bohrung an der Außenkante – für 15 oder 25 % Progression je nach Ausrichtung der Bohrung.

Eine Anzeige auf dem Unterrohr hilft bei der Einstellung. Dämpferschraube Richtung Vorderrad (LESS) = 15 % Progression. Mittelstellung = 20 %. Dämpferschraube Richtung Hinterrad (MORE) = 25 %.

Laufradgrößen Flip Chip

Während man bisher die Wahl zwischen dem SB160 mit 29″- oder dem SB165 mit 27,5″-Hinterrad hatte, bekommt man mit dem LT beide Möglichkeiten. Zwischen Sitzstrebe und Rocker befindet sich ein weiterer Flip Chip mit dem man die Geometrie entsprechend der Laufradgröße anpassen kann. Ist man im Mullet-Setup mit kleinem Hinterrad unterwegs, kann man den Flip Chip natürlich auch umdrehen und erhält einen 0,5° flacheren Lenkwinkel sowie ein 6 mm tieferes Tretlager. So kann man das Feeling des Bikes noch gezielter personalisieren. Die Chips sind im Lieferumfang enthalten.

29 oder 27,5 Zoll Hinterrad? Kein Problem mit dem LT Flip Chip. Der schwarze Punkt zeigt an, in welchem Setup der Chip steht.

Für das Mullet-Bike gibt es auch noch eine Slack-Option: 0,5° flacherer Lenkwinkel sowie ein 6 mm tieferes Tretlager.

Austauschbare Ausfallenden

Auch die Kettenstrebenlänge des LTs lässt sich modifizieren. Generell bietet Yeti mitwachsende Kettenstreben. Wem die Standardlänge dennoch zu kurz ist, kann sie um 10 mm erweitern. Mit jeweils zwei Schrauben auf jeder Seite lassen sich die Ausfallenden in wenigen Minuten austauschen. 

+0 mm = mehr Agilität in Kurven und beim Abspringen

+10 mm = mehr Laufruhe und Grip am Vorderrad

Beide Ausfallenden-Varianten bekommt man mit dem Bike ausgeliefert.

Rahmengröße Kettenstrebenlänge +0 mm / +10 mm
SM 439 / 449mm
MD 442 / 452 mm
LG 455 / 465 mm
XL 465 / 475 mm

Mit den beiden Schrauben am Ende der Sitzstrebe werden die Ausfallenden fixiert.

Die beiden Varianten nebeneinander. Oben +10 mm. Unten 0 mm.

Yeti Dämpfer mit Custom Tune 

Eine Besonderheit von Yeti ist das hausinterne Dämpfer-Tuning. Während viele Hersteller auf Standard-Abstimmungen der Dämpferhersteller setzen, geht Yeti den aufwendigen Weg: Dave „DZ“ Ziegman, ein ehemaliger Worldcup-Downhill-Fahrer und mittlerweile Yetis Chef-Tuner, stimmt jeden Dämpfer individuell auf das jeweilige Modell ab. Dafür stehen im Yeti-Headquarter zwei Dynos zur Verfügung – und ein unerschöpflicher Vorrat an allen erdenklichen Shims. Ist ein Shim von Seiten Fox nicht verfügbar, lässt DZ diesen anfertigen. Für das LT wurden bis zu 20 verschiedene Tunes durchgetestet, bevor man sich für die finale Abstimmung entschied. Erkennbar ist das hauseigene Tuning am Kürzel DZ im Tune-Code der Fox-Dämpfer. 

Serienmäßig wird ausschließlich der Fox Float X2 verbaut – dieser soll am besten mit dem Hinterbau harmonieren. Ein Coil-Dämpfer ist allerdings ebenso möglich.

Wer ein RockShox- oder auch Öhlins-Fahrwerk bevorzugt, kann das Frameset erwerben und sich die entsprechenden Tunes von Yeti geben lassen – eine Empfehlung, die das Unternehmen ausdrücklich ausspricht. Damit kann man dann zum Tuner seines Vertrauens gehen und seinen Wunschdämpfer abstimmen lassen.

Der Fox Float X2 wurde von Yetis hauseigenem Tuner Dave Ziegman speziell auf den Sixfinity-Hinterbau abgestimmt.

The Cavity – das Staufach

Erstmals bei einem Yeti-Bio-Bike findet sich im Unterrohr ein integriertes Staufach – „The Cavity“ getauft. Die Staufachklappe wird von einem aufwendig entwickelten CNC-gefrästen Verschlussmechanismus gehalten. Mithilfe der hauseigenen Fräsen und 3D-Drucker wurden ungefähr 25 verschiedene Versionen getestet. Das Ergebnis: ein geschmeidiger, satt einrastender Verschluss mit einem eindeutigen Open-Close-Feeling. Die umlaufende Gummidichtung im Inneren der Klappe hält Schmutz und Feuchtigkeit zuverlässig ab.

Im Inneren findet sich eine maßgeschneiderte, robuste Rahmen-Tasche, die Werkzeug, Schlauch, Snacks oder eine dünne Jacke aufnimmt. Sie lässt sich nach unten Richtung Tretlager schieben, damit das Gewicht zentral und möglichst weit unten sitzt. Eine integrierte Trennwand aus Carbon verhindert, dass Gegenstände bis zum Tretlager durchrutschen. 

Zusätzlich gibt es am Unterrohr einen Montagepunkt für die Befestigung von Zubehör wie einem Multitool oder weiteren Systemen.

TURQ Carbon-Rahmen mit Vectran

Der Rahmen des LT wird ausschließlich in der TURQ-Carbon-Qualität angeboten – der höchsten Stufe im Yeti-Portfolio. Das Carbon-Layup wurde über sieben bis acht verschiedene Varianten optimiert, um die ideale Balance aus Steifigkeit und Nachgiebigkeit zu finden. Ein besonderes Highlight ist die Beimischung von Vectran – einem Flüssigkristallpolymer-Faden, der die Schlagfestigkeit des Carbons deutlich erhöht. Dieses Material kam zunächst beim DH-Spezialprojekt zum Einsatz und findet nun Einzug in die Serienmodelle.

Optionaler Winkel-/Reachsteuersatz

Das LT kommt mit dem ZS44/56-Steuerrohrstandard und bietet im Rahmen integrierte Ausrichtungsmarkierungen für die einfache und gerade Montage von Winkel- oder Reachsteuersätzen. Für alle, die ihren Lenkwinkel oder Reach individuell anpassen möchten, bietet Yeti ab sofort diese Möglichkeit.

Unter der Steuersatzabdeckkappe sieht man eine kleine Kerbe – die dient zur Ausrichtung von Winkel- oder Reachsteuersätzen.

Auch auf der Vorderseite sieht man bei genauem Hinschauen eine Kerbe an der Ober- und Unterkante.

Ruhig & leise

Die Carbonrohre sind im Inneren mit Tube-in-Tube-Führungen für Züge und Leitungen versehen. Die Kabel-Chips an allen Ein- und Austrittspunkten verhindern zusätzliches Klappern. Der Kettenstrebenschutz wurde mit vergrößerten Noppen versehen, um Kettenklappern weiter zu dämpfen. Das Ergebnis: ein extrem leiser Rahmen – ein Detail, das auf dem Trail mehr zur Fokussierung beiträgt, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Nimmt man die Staufachklappe ab, kann man gut die Tube-in-Tube-Führungen aus Carbon sehen – dort verlaufen die Leitungen klapperfrei durch.

Die hohen Lamellen dämpfen Kettenschlaggeräusche.

Cleverer Unterrohrschutz

Ein Gummischutz am Unterrohr schützt dieses nicht nur vor Steinschlägen, sondern lässt sich gleichzeitig abnehmen und fungiert als Wartungsklappe, falls man Kabel vom Hauptrahmen in den Hinterbau oder die Sattelstütze verlegen muss.

Beim Topmodell kann man außerdem einen Airtag oder Tile Tracker montieren – für den Fall der Fälle.

Geometrie

Hier findest du die Geometrie-Tabelle des Yeti LT in der Konfiguration mit einer 170 mm Federgabel.

Der erste Wert in der Tabelle steht für das Setup mit 29 Zoll Hinterrad und der zweite Wert für das tiefere Slack-Setting mit 27,5 Zoll Hinterrad

Größe SM MD LG XL
Reach 435 / 430 mm 465 / 460 mm 485 / 480 mm 510 / 505 mm
Stack 620 / 624 mm 625 / 629 mm 635 / 639 mm 650 / 654 mm
Eff. Top Tube Length 573 mm 604 mm 626 mm 654 mm
Head Tube Angle 64.0° / 63.5° 64.0° / 63.5° 64.0° / 63.5° 64.0° / 63.5°
Eff. Seat Tube Angle 77.5° / 77.0° 77.5° / 77.0° 77.5° / 77.0° 77.5° / 77.0°
Actual Seat Tube Angle 70.0° 70.5° 71.9° 73.5°
Front Center 775 mm 808 mm 833 mm 865 mm
Rear Center (0 / +10) 439 / 449 mm 442 / 452 mm 455 / 465 mm 465 / 475 mm
Wheelbase 1214 / 1224 mm 1250 / 1260 mm 1288 / 1298 mm 1330 / 1340 mm
Estimated BB Height 350 / 344 mm 350 / 344 mm 350 / 344 mm 350 / 344 mm
Stand Over 738 mm 741 mm 750 mm 756 mm
Seat Tube Length 375 mm 420 mm 430 mm 460 mm
Fork Offset 44 mm 44 mm 44 mm 44 mm
Head Tube Length 94 mm 99 mm 110 mm 127 mm
Fork (Axle to Crown) 589 mm 589 mm 589 mm 589 mm
Vertical Fork Travel 153 mm 153 mm 153 mm 153 mm

Setup

Beim Presscamp in Brixen setzte ich mich – ohne vorab von einer Geometrietabelle beeinflusst worden zu sein – auf ein M- und ein L-Bike. Meine Wahl fiel auf Medium. Mit 1,78 cm bin ich am oberen Ende der Yeti-Einordnung. An meinem Testbike waren bereits die +10-mm-Ausfallenden verbaut. Der Flip Chip für die Progression stand in der Mittelposition. 

Das Setup machten die Yeti-Jungs im Sitzen mit ausgefahrener Dropper-Post. 30 % Sag sollten es sein – darauf wurden die Anti-Squat- und Anti-Rise-Werte optimiert. Da Yeti die jeweiligen Kennlinien in der sogenannten „Pedaling Zone“ bewusst in einem kleinen Bereich vor sowie nach den 30 % ähnlich hält, hat man etwas Spielraum mit dem Luftdruck. Allerdings sollte man bedenken, dass sich mit abweichendem Sag die Pedaling Zone verschiebt – und die Effizienz darunter leiden kann. Mit 30 % kam ich jedenfalls sehr gut zurecht. Wer mehr oder weniger Gegenhalt wünscht, kann mit Volumenspacer oder den Progressionsstufen feintunen.

Auf dem Trail (First Ride)

Uphill

Angenehm aufrecht ging es über eine Teerstraße zum ersten Zubringer-Trail Richtung Talstation des Bikeparks auf der Plose. Ist der Lockout-Hebel drinnen? Äußerst antriebsneutral schnurrte das LT nach oben. Lockout Check. Tatsächlich war der Hebel deaktiviert. Ich schaltete ihn zu. Verrückt: Das machte keinen spürbaren Unterschied. Also: Lockout wieder raus. Was man schon nicht drinnen hat, kann man am Traileinstieg auch nicht vergessen. Umso besser, wenn man ihn gar nicht erst benötigt. Am Abend bei der Präsentation bestätigen die Yeti-Jungs genau das mit ihren Anti-Squat-Zielen. Auf dem Trail merkte man: Das war kein Marketing-Blabla.

Im weiteren Verlauf fasste ich den Lockout-Hebel nicht mehr an. Kamen im Uphill Wurzeln oder Steine vor die Reifen, gab die Sixfinity-Plattform Federweg frei und bestach mit Traktion und Ruhe. Weder das Hinterrad, noch man selbst wurden von einem Hindernis in die Luft gehoben. Beruhigte sich das Gelände wieder, setzte ich die Fahrt mit gewohnter Effizienz fort.

Auch auf dem Trail und auch außerhalb der neutralen Sag-Position lässt sich das LT effizient berghoch treten.

Downhill

Doch nicht nur bergauf wusste das LT zu beeindrucken. Durch die verlängerten Kettenstreben (+10 mm) stand ich auf Größe M zentral im Bike – das gab sofort Sicherheit. Schnell stieg der Speed. Das LT zeigte sein wahres Gesicht. Die Race-DNA war unverkennbar. Auch wenn der Hinterbau selbst bei Dauerbremsmanövern auf den wirklich steilen Loamern in Brixen durchgehend aktiv arbeitete, lechzte das LT nach Geschwindigkeit. Der Rahmen eher auf der steiferen Seite, dafür folgte das Bike jedem Fahrerinput direkt. 

Fast schon atemberaubend schnell, vernichtete ich Höhenmeter auf der offiziellen Bikepark-Strecke. Oh, eine Highline. Impuls geben. Zack. Hochfahren. In die flache Kurve reinstechen. Traktion. Weiterballern. Faszinierend spät konnte ich außerdem die Kurven anbremsen. Mit Vollgas auf die Kurve zu. Hart reinankern. Rumziehen. Das Thema Traktion zog sich konsequent durch. Jedoch erwischte ich mich ein paar Mal dabei, wie ich versuchte, den Bremspunkt immer weiter hinauszuzögern. Kann gut gehen. Kann schief gehen. Das LT motivierte auf jeden Fall, noch schneller zu fahren und das eigene Limit zu pushen. 

Linie anpeilen & laufen lassen. Je schneller man fährt, desto wohler fühlt sich das Yeti LT.

Doch wer jetzt glaubt, das Bike klebte ausschließlich mit viel Grip am Boden, irrt sich – es hatte zwei Gesichter. Gab ich einen Input zum Abziehen, half die Sixfinity-Plattform in die Luft. Unterstützt durch das geringe Gewicht erlebte ich ein spielend leichtes Handling. Wurzeln doubeln, an Wellen abziehen, Sprungdistanzen erweitern – kein Problem für das LT. Das progressive Setting verstärkte diesen Effekt noch mehr. Und egal, wie schnell man fuhr: Durch die fest verbauten Leitungsführungen sowie die hohen Lamellen des Kettenstrebenschutzes, flog das LT geräuscharm über den Trail.

Fazit

Yetis Leitsatz „Making Mountain Bikers Faster“ funktionierte nicht nur auf dem Papier – das neue LT lieferte auf dem Trail ab. Auch wenn die Zeit auf dem Presscamp zu knapp war, um mit allen Flip-Chips und den unterschiedlichen Ausfallenden ausgiebig zu experimentieren, erkennt man einen klar definierten Charakter am LT. Schnell und präzise.

Sixfinity ersetzt Switch Infinity Link. Einfacher und wartungsärmer, ohne das bekannte Yeti-Fahrgefühl zu verlieren.  

Die Ursprünge der neuen Sixfinity-Plattform reichen weit zurück und wurden erfolgreich in die moderne Mountainbike-Welt übersetzt. Mit Raffinesse zeigt Yeti, wie gezielt man Anti-Rise, Anti-Squat und das Übersetzungsverhältnis mit diesem System abstimmen kann. Das LT besticht durch eine ausgeklügelte Balance aus Antriebsneutralität, Traktion und Pop. Das erklärte Ziel, die Yeti-typischen Fahreigenschaften beizubehalten und zu optimieren, ist gelungen. Der bisherige Yeti-Fahrer sollte sich gleich zu Hause fühlen.

Mit Progressions- und Laufrad-Flip-Chip, austauschbaren Ausfallenden, hauseigenen Dämpfer-Tunes, integriertem Rahmenstaufach und der Option auf einen Winkel- oder Reachsteuersatz lässt das Bike keine Wünsche offen – hier sollte jeder sein ideales Setting finden.

Wer auf der Suche nach einem schnellen Enduro-Race-Bike ist, das keine Kompromisse eingeht und das eigene Limit pusht, sollte das LT unbedingt auf der Liste haben.

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Autor – YANNICK NOLL

Größe: 178 cm

Gewicht: 75 kg

Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert. 

Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.


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