Mahle M40: Neue Software-Updates
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Fotos: Mountain Bike Connection Winter – Rupert Fowler & Mirror Media
Bevor Mahle sich mit dem M40 selbst ins Rampenlicht der Full-Power-Mittelmotoren stellte, war man maßgeblich an der Entwicklung der Antriebe für das Specialized Levo SL 1.1 und 1.2 beteiligt. Diese Erfahrung in Sachen Leichtbau und natürlichem Fahrgefühl floss direkt in die Entwicklung des M40. Ziel war es, einen Motor zu bauen, der die Lücke zwischen minimalistischem SL-Antrieb und vollwertigem Kraftpaket schließt. Mit dem M40 präsentiert Mahle seit letztem Jahr genau das: ein System, das mit 2,5 kg Motorgewicht und 105 Nm Drehmoment ein ordentliches Leistungs-Leichtbau-Verhältnis aufweist.
Doch die Entwicklung steht nicht still. Mit einem neuen Software-Update – offiziell zum Launch am 8. April 2026 für Neu-Bikes und Ende April/Mai als Update für bestehende Systeme – zieht Mahle nach und erweitert den Funktionsumfang um zwei intelligente Features, die das Fahrerlebnis auf ein neues Level heben sollen. Wir haben uns die technischen Details angeschaut.
HINWEIS: Vorweg gibt es ein paar generelle Infos zu Mahle und dem M40-Motor. Hier kannst du direkt zum Fahreindruck springen, falls du dich bereits mit dem Motor auskennst und den ersten Teil überspringen möchtest.
STECKBRIEF MAHLE M40
| Max. Drehmoment | 105 Nm |
| Max. Leistung | 850 W Peak |
| Nennleistung (Dauer) | 250 W |
| Unterstützungsfaktor in % | 400 |
| Voltage | 48V |
| Gewicht Motor | 2,5 |
| Akku Kapazitäten | 800 Wh (fest verbaut) 534 Wh (fest verbaut) |
| Akku Gewichte | 3,7 kg 2,5 kg |
| Leistungsdichte | 340 W/kg |
| Energiedichte | 216 Wh/kg 214 Wh/kg |
| Range Extender | nein |
| Ladegeräte | 4A |
| Ladeleistung | 235 W |
| Unterstützungsmodi | Level 1, 2 und 3 + SmartAssist |
| Display | 1,9 Zoll Display (ohne Touch, im Oberrohr) |
| Controller | Trio Remote (am Lenker) |
| App | My SmartBike App |
Mahle M40 Motor
Mit einem Gewicht von nur 2,5 kg gehört der M40 zu den leichtesten Full-Power-Motoren am Markt. Dass er dennoch keine Schwäche bei der Kraft zeigt, belegen die Zahlen: 105 Nm Drehmoment und eine Spitzenleistung von 850 W bei einem Unterstützungsfaktor von bis zu 600 %. Das Verhältnis von Leistung zu Gewicht liegt bei beeindruckenden 340 W/kg.
Entscheidend für das Fahrgefühl ist jedoch nicht nur die rohe Leistung, sondern die Art und Weise, wie sie abgerufen wird. Mahle setzt auf eine Kombination aus hochauflösender Sensorik und einer dynamischen Steuerungslogik. Der präzise Geschwindigkeitssensor erfasst mithilfe der Lochscheibe an der hinteren Bremsscheibe Änderungen innerhalb von 3 cm. Gemeinsam mit Drehmoment- und Trittfrequenzsensoren sorgt er für eine unmittelbare Reaktion auf jeden Pedaltritt.
Die Lochscheibe mit 84 Messpunkten und Geschwindigkeitssensor.
Die Lochscheibe wird direkt auf die Bremsscheibe montiert.
Bisher verfügbare Funktionen
Bereits vor dem neuen Update bot der M40 einige durchdachte Features, die das Fahrerlebnis prägen:
Motor Maps: Die Unterstützungsprofile lassen sich über die MySmartBike-App oder das Head Unit +-Display individuell anpassen – von der maximalen Leistung bis zur Charakteristik des Ansprechverhaltens.
Motor Dynamic Overrun: Hört der Fahrer abrupt auf zu treten, hält der Motor die Unterstützung kurz aufrecht, um Hindernisse schwungvoll zu überrollen. Die Intensität des Nachlaufs hängt von der Kraft der letzten Kurbelbewegung ab. Ein langsamer Stopp gibt wenig bis keinen Support. Ein fester Kick gibt viel Support. Diese Charakteristik ist pro Unterstützungs-Level in Prozent anpassbar, sodass jeder Fahrer seinen bevorzugten Grad an Nachlauf einstellen kann.
Auto Hold: Ein Sensor im Motor erkennt das Gefälle und hält das Bike auf steiler Rampe automatisch an, sobald es zum Stillstand kommt. Der vordere Fuß bleibt auf dem Pedal und der hintere Fuß auf dem Boden. Kein Zurückrollen, kein Drücken der Bremse. Sobald Druck auf die Pedale aufgebaut wird, löst die Bremse sanft und der Start gelingt kontrolliert. Diese Funktion ist in jedem Modus verfügbar.
Der Mahle M40-Motor punktet mit einem Gewicht von nur 2,5 kg.
Mahle Akkus
Mahle verfolgt bei der Energieversorgung einen modularen Ansatz. Beide Akkus – der iM5 und der iM8 – teilen sich den gleichen Formfaktor und die gleichen Anschlüsse. Das ermöglicht Herstellern, ohne Änderungen am Rahmen beide Kapazitäten anzubieten.
iM5 (534 Wh): Der Fokus liegt auf leichtem Gesamtsystemgewicht. Mit 2,5 kg Eigengewicht ergibt sich in Kombination mit der M40-Antriebseinheit ein Gesamtsystem von knapp 5 kg. Das ist einer der niedrigsten Werte in der Full-Power-Klasse und prädestiniert den iM5 für den Einsatz in agilen E-MTBs, bei denen jedes Gramm zählt.
iM8 (800 Wh): Die Wahl für alle, die maximale Reichweite priorisieren. Laut Mahle sind bis zu 150 Kilometer oder 2500 Höhenmeter möglich. Das Ladegerät (4A) füllt den großen Akku in rund 4 Stunden voll.
Beide Akkus sind als fest im Rahmen verbaute Einheiten konzipiert. Einen Range Extender bietet Mahle aktuell nicht an.
Die Mahle-Akkus werden im Rahmen fest verbaut.
Zum Laden gibt es ausschließlich ein 4A-Ladegerät. Der 800 Wh-Akku soll in ca. 4 Stunden voll sein.
Funktionen des neuen Software-Updates
Mit dem neuen Software-Update erweitert Mahle den Funktionsumfang des M40. Die neuen Features sind ab 8. April 2026 für Neu-Bikes verfügbar. Besitzer eines bestehenden M40-Systems erhalten das Update Ende April/Mai über die MySmartBike-App. Im Fokus stehen zwei Kernfunktionen:
Smart Assist
Das Herzstück des Updates ist Smart Assist – ein zusätzlicher, automatischer Modus, der die Unterstützung nicht mehr starr vorgibt, sondern dynamisch anpasst. Im Gegensatz zu klassischen Modi, die feste Unterstützungsprofile bieten, ist Smart Assist situations- und kraftabhängig. Das System analysiert mehrere Parameter in Echtzeit – darunter die Fahrerleistung, die Trittfrequenz, die Geschwindigkeit und die Geländeneigung. Daraus errechnet es in Echtzeit die optimale Unterstützung. Das Ergebnis: Du fährst ohne manuelles Umschalten zwischen Level 1, 2 und 3. Das System steigert zudem die Effizienz, da Leistung nur bereitgestellt wird, wenn sie benötigt wird. Dadurch verlängert sich die Akku‑Reichweite.
Konfiguration und Fahrgefühl:
Entscheidend für das Gefühl ist die Wahl des Kraft-Inputs durch den Fahrer, über den die Spitzenleistung getriggert wird. In den Motor Maps (über die MySmartBike-App oder das Display konfigurierbar) lässt sich einstellen, ob die volle Power eher bei hoher Fahrerleistung (für fitte Fahrer, die selbst stark reintreten) oder bereits bei geringerer Eigenleistung (für mehr Unterstützung) abgerufen wird. Die dazugehörige Grafik zeigt, wie sich die Motorleistung dynamisch an die Fahrerleistung anpasst – je nach gewählter Charakteristik (Hohe, reguläre oder niedrige Unterstützung).
Mit wie viel Kraftaufwand bekommt man die maximale Unterstützung? Der Smart Assist lässt sich individuell konfigurieren.
Einmal konfiguriert, arbeitet Smart Assist offline und autonom – eine dauerhafte App-Verbindung ist nicht nötig. Mahle hat die Abstimmung speziell fürs Mountainbiken optimiert, was ein besonders feinfühliges Ansprechverhalten im technischen Gelände verspricht.
Mit dem neuen Software-Update wird ein zusätzliches 4. Level auswählbar sein – das ist für Smart Assist. Level 1 bis 3 werden wie bisher zur Verfügung stehen und individuell konfigurierbar sein.
Traction Control
Das zweite große Update ist die Traction Control. Wer schon mal auf nassem Wurzelteppich oder losem Schotter den Antrieb durchdrehen ließ, weiß um die Wirkungslosigkeit klassischer Motorleistung in solchen Situationen. Mahle verspricht hier Abhilfe, ohne den Fahrfluss zu unterbrechen.
Technische Umsetzung:
Das System nutzt die bereits vorhandene hochauflösende Sensorik des M40 – bestehend aus Geschwindigkeits- und Drehmomentsensor. Der entscheidende Unterschied: Die Lesefrequenz dieser Sensoren wurde verdoppelt. Erkennt die Steuereinheit einen Schlupf (die Geschwindigkeit des Hinterrads steigt unverhältnismäßig zur Trittfrequenz und zum Drehmoment), reduziert sie blitzschnell die Motorleistung, um wieder Traktion herzustellen.
Das Besondere ist die Anpassung an den eingelegten Gang. Die Traction Control weiß, ob du im kleinen Klettergang oder im schweren Gang unterwegs bist – und passt die Leistungsreduktion entsprechend an. Laut Mahle geschieht das alles in Millisekunden und bleibt für den Fahrer im Idealfall unsichtbar – bis auf den Effekt, dass man den Berg sauber hochkommt. Besonders auf rutschigem Untergrund oder bei Off-Camber-Passagen soll dies für deutlich mehr Kontrolle sorgen. Das Feature ist automatisch aktiv und greift nur bei Bedarf ein.
Traction Control regelt den Schlupf beim Uphill und bei rutschigen Bedingungen.
Mahle Interview
Alex Boyce setzte sich mit Alberto (Mahles Software-Ingenieur) zusammen. Alex möchte Antworten zu technischen Motor-Details und Klarheit schaffen. Alberto beantwortete all seine Fragen zu E-Bike-Motoren und gibt Einblicke in die Funktionsweise von Motoren und insbesondere deren Software.
Auf dem Trail
Beim BCW in Massa Marittima hatte ich die Möglichkeit, Mahles M40-Motor mit dem neuen Software-Update zu fahren. Die Testzeit war begrenzt, der Fokus lag daher auf der Funktion des neuen Smart Assists, der das Unterstützungs-Level dynamisch an die Fahrsituation und den Fahrer-Input anpasst.
Über den Trio Remote an der linken Lenkerseite schaltete ich zwischen den Fahrleveln 1 bis 4 – Level 4 ist der Smart Assist. Die Level 1 bis 3 lassen sich aufsteigend als Eco, Trail und Turbo bezeichnen. Diese Modi konnte ich über die App oder den Bildschirm individuell anpassen. Die Bildschirm-Navigation steuerte ich über den Trio Remote, eine Touch-Funktion gibt es nicht. Nachdem ich das Prinzip verstanden hatte, klickte ich mich recht schnell durch die Unterpunkte – auch wenn es viele waren.
Der Trio Remote hat drei Tasten – oben und unten zum Steuern durch die Menüs und die kleine mittlere Taste zum Bestätigen.
Die standardmäßige Display-Anzeige (ohne Touch) – über die App lässt sich die Anzeige individualisieren.
Auch der Smart-Assist-Modus ließ sich über die gleichen fünf Parameter wie die Level 1 bis 3 feintunen: Max Power, Ratio, Acceleration, Overrun & Cut-off.
Das waren die jeweiligen Funktions- bzw. Verhaltensweisen auf dem Trail:
Die Motorleistung entsprach in den Motor-Maps-Einstellungen bei 100 % der maximalen Unterstützung und konnte dementsprechend nur nach unten korrigiert werden.
Über den Punkt „Ratio“ legte ich fest, bei welchem Leistungs-Input ich wie einfach oder eben schwer die volle Power erhalte. Weniger Prozent entsprachen einem natürlichen Fahrgefühl mit mehr eigenem Kraftaufwand, mehr Prozent boten ein motorisiertes Fahrverhalten mit weniger Anstrengung. Das war deutlich spürbar und ließ mich genau das richtige Setting finden. Je nach Anspruch an die Ausfahrt ließ sich so das Fahrgefühl schnell anpassen.
Auf den engen, hakeligen Uphill-Trails pushte mich der Motor manchmal zu sehr nach vorne. Das bekam ich über „Acceleration“ in den Griff. Ein paar Prozent runter, und schon schob es mich entspannt um die Kurve, anstatt hinaus.
Wie viel der M40 von allein nachschiebt, wenn ich aufhörte zu pedalieren, konnte ich über den „Overrun“ individualisieren – bis zu zwei Meter sind möglich. Diese Funktion war gerade beim technischen Klettern ein großer Vorteil und half mir, Hindernisse zu erklimmen, die ich ansonsten nicht hochgekommen wäre. Je nachdem, wie sanft oder hart ich die letzte Kurbelumdrehung stoppte, lief der Motor mit weniger oder mehr Unterstützung nach. Darauf musste ich mich bei den ersten Hindernissen zuerst einstellen, empfand es aber nach dem Verständnis, wie ich es auf dem Trail einzusetzen hatte, als ein wirklich cooles Feature.
Mit dem letzten Menüpunkt „Cut-off“ ließ sich bestimmen, wie schnell oder langsam die Motorunterstützung aufhörte. Ein hoher Wert stoppte sehr abrupt, ein niedriger Wert sorgte für einen smoothen Übergang. In Kombination mit der Overrun-Funktion ließ sich eine sehr angenehme Balance finden – aus wie sehr schiebt er nach und wie sanft schaltet er ab.
Die verschiedenen Parameter lassen sich für jedes Unterstützungs-Level in Prozent anpassen.
Die Traction Control testete ich an mehreren kurzen, steilen, steinübersäten Anstiegen. Hier war ein wirklicher Unterschied spürbar: Das System regelte das Durchdrehen des Hinterrads gekonnt ab. Am Pedal fühlte ich keinen Unterschied – ich pedalierte einfach in gleicher Kadenz weiter und überließ den Rest dem M40. Ein wertvolles neues Feature, das ich im Anschluss immer anhatte und das unauffällig im Hintergrund seinen Job verrichtete.
Traction Control verhindert das Durchdrehen des Hinterrads …
und Dynamic Overrun liefert den benötigten Boost für technische Hindernisse.
Auto Hold brachte Ruhe beim Anfahren am Hang – und das, ohne die Bremse zu ziehen. Ein Fuß aufs vordere Pedal, und das Bike hielt sich von allein. Sobald ich den zweiten Fuß aufs Pedal setzte und Druck auf das vordere Pedal gab, schnurrte der M40 mit direkter Unterstützung nach vorne. Gerade für Fahrer, die in solchen Situationen mit dem richtigen Timing von Reintreten und Öffnen der Bremsen kämpfen, ist das eine tolle Erleichterung.
Anfahren am Hang ist mit Auto Hold ein Kinderspiel – und das, ohne die Bremse betätigen zu müssen.
Auto Hold und Traction Control lassen sich generell an- oder ausschalten.
Fazit
Das neue Software-Update zeigt, dass Mahle den M40 nicht als statisches Produkt versteht, sondern als Plattform, die über die Zeit reift. Auch wenn Mahle nicht auf den Zug von noch mehr Power aufspringt, kann das Software-Update begeistern. Der neue Smart Assist überzeugt durch ein stimmiges, dynamisches Fahrgefühl, das individuell angepasst werden kann. Durch Funktionen wie Traction Control und Auto Hold erleichtert der M40 dem Fahrer das Leben und bringt die Power auch wirklich auf den Boden. Und ganz ehrlich: Auf den toskanischen Trails hätte ich nicht mehr Power benötigt.
Ihr wollt mehr Tests?
Autor – YANNICK NOLL
Größe: 178 cm
Gewicht: 75 kg
Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert.
Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.

