Was ist der Unterschied zwischen 36er und 38er Standrohren?

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Nach Jahrzehnten von „steifer = besser“ konnten sich die Hersteller endlich darauf einigen, dass (definierter) Flex im Rahmen und den Anbauteilen etwas Gutes ist. Nicht zuletzt sorgt er dafür, dass das Bike angenehmer zu fahren ist und man mehr Grip hat. Zusätzlich ist es auch deutlich weniger anstrengend. Gleichzeitig ist Flex aber auch kein simples Thema. Je nach Einsatzbereich, Fahrerprofil und Fahrergewicht können sich die Anforderungen unterscheiden.

Wir möchten in diesem Bericht einen Faktor isoliert betrachten und den Flex der Gabel im Praxistest tiefer untersuchen. Zusammen mit SR Suntour haben wir zwei Gabeln mit gleicher Dämpfungskartusche, gleichem Federweg, aber unterschiedlichen Chassis gegeneinander getestet. Willkommen beim Praxis-Flex-Test zwischen DUROLUX und AURON.

Key Facts

Lastenheft für den Test

  • 1. Zwei Gabeln mit unterschiedlichen Standrohren
  • 2. Gleicher Federweg
  • 3. Gleiche Dämpfungskartusche
  • 4. Gleiche Laufradgröße
  • 5. Unterschiedliche Fahrergewichte
  • 6. Trails mit unterschiedlichen Ansprüchen

Wie eingangs erwähnt, haben wir diesen Test in Kooperation mit SR Suntour durchgeführt. Dadurch konnten wir zwei Federgabeln direkt miteinander vergleichen, die sich ausschließlich durch ihr Chassis unterscheiden. Beide nutzen identische Dämpfungskartuschen und Luftfedern und sind jeweils mit 160 mm Federweg erhältlich. Die SR Suntour AURON ist dabei das kompaktere Modell mit 36 mm Standrohren, während die DUROLUX als großer Bruder mit 38-mm-Standrohren antritt.

Für unseren Test stand uns sogar die nochmals steifere DUROLUX38 in der X-Variante zur Verfügung – ausgelegt für extreme Belastungen und den Einsatz an E-MTBs. An Krone und Casting kommt hier zusätzliches Material zum Einsatz, um die Steifigkeit weiter zu erhöhen. Besonders bei E-Bikes ist das aufgrund des höheren Systemgewichts sinnvoll: Die DUROLUX38 X ist für ein Systemgewicht von bis zu 150 kg freigegeben. Außerdem verfügt die E-MTB-Version über Montagepunkte für ABS-Systeme.

Mit der DUROLUX38 und 38X deckt SR Suntour das Gravity-Segment knapp unterhalb der Doppelbrückengabeln ab. In 10 mm Schritten bietet sie Federwege von 160 bis 180 mm – für harte Einsätze am E-MTB bis hin zu Freeride-Setups. Die AURON ist als All-Mountain- und Trail-Gabel positioniert und liefert je nach Airshaft 140, 150 oder 160 mm Federweg.

Beide Testgabeln waren mit der RC+-Dämpfungskartusche in identischer Größe ausgestattet. Die Unterschiede lagen beim Durchmesser der Standrohre, der Ausführung von Krone und Casting sowie der Dimensionierung der Luftkammer. Beide Gabeln wurden für den Test auf 160 mm Federweg eingestellt. 

DUROLUX und AURON decken gemeinsam 140 bis 180 mm Federweg ab. 160 mm sitzt genau in der Mitte des Spektrums. Man hat also die Wahl.

Suntour kommt dezent: DUROLUX und AURON unterscheiden sich zwar im Detail deutlich, aber der Look ist mit Schwarz-in-Schwarz sehr zurückhaltend.

Beim Bikefestival in Freiburg bekamen wir die beiden Federgabeln übergeben und durften zuschauen, wie im SR Suntour Race-Truck der Airshaft der DUROLUX getauscht wurde. Der geübte Schrauber kann das auch zu Hause machen – und wenn man weiß, wie, benötigt es dank des halboffenen Ölbads nicht einmal einen Schmierölwechsel. Christoph zog die Gabel auf der Werkbank liegend auseinander. Dadurch blieb das Öl im Casting und es ersparte uns die Sauerei. Ist die Gabel bereits gefahren, kann man ihr auch gleich frisches Öl spendieren. Aber – das nur als Sidefact. Kommen wir zum eigentlichen Thema zurück und gehen erst einmal auf die technischen Merkmale der beiden Federgabeln ein.

Hier beide Modelle in detaillierter Gegenüberstellung:

SR Suntour DUROLUX38 EVO SR Suntour AURON36 EVO
Einsatzbereich Enduro (DUROLUX38); E-Enduro (DUROLUX38 X) Aggressives Trailriding / AllMountain
Standrohr-Durchmesser 38 mm 36 mm
Federweg 160 / 170 / 180 mm – anpassbar über Airshaft 140 / 150 / 160 mm – anpassbar über Airshaft
Einstellmöglichkeiten Luftdruck, Lowspeed-Druckstufe, Lowspeed-Zugstufe, Volumenspacer Luftdruck, Lowspeed-Druckstufe, Lowspeed-Zugstufe, Volumenspacer
Federung AIR EQ AIR EQ
Dämpfung RC+ PCS RC+ PCS
Laufradgrößen 29″ 29″ / 27,5″
Max. Reifenbreite 2,6″ 2,6″
Achsmaß 15 x 110 mm Boost 15 x 110 mm Boost
Bremsscheibe Postmount 203 mm (max. 220 mm) Postmount 180 mm (max. 220 mm)
Offset 44 mm 44 mm
Axle-to-Crown-Maß 580 mm bei 160 mm Federweg 580 mm bei 160 mm Federweg und 29″
Gabelschaft Tapered 1,5–1 1/8″ Tapered 1,5–1 1/8″
Casting Magnesium Magnesium
Abstreifer SKF SKF
Fender Lange und kurze Version; anschraubbar Lange und kurze Version; anschraubbar
Farbe Metallic Slate; Gloss Black Metallic Slate; Gloss Black
Gewicht DUROLUX38 = 2.450 g (Herstellerangabe)
DUROLUX38 X = 2.656 g (Testpilot-Messung) / 2.680 g (Herstellerangabe)
AURON36 29″ = 2.245 g (Testpilot-Messung) / 2.120 g (Herstellerangabe)
Garantie 2 Jahre 2 Jahre
Preis (UVP) 899,00€ 889,00€
Webseite https://www.srsuntour.com/ https://www.srsuntour.com/

Technologien

RC+

Mit Einführung der 2025er-Modelle stellte SR Suntour ihre neue RC+-Kartusche vor. Sie wurde zusammen mit dem SR Suntour WERX-Programm entwickelt. Die Kartusche setzt auf einen erhöhten Ölfluss und kommt mit größeren Ventilöffnungen daher – das reduziert interne Strömungswiderstände. Mit dieser Dämpfungseinheit verabschiedet sich Suntour von den externen High-Speed-Einstellern und verringert auf lediglich einen Low-Speed-Druckstufen- sowie Zugstufenknopf – die Drehknöpfe steuern ganz klassisch ein Nadelventil im Inneren. Die High-Speed-Einstellungen finden ab sofort über einen fixen und auf schnelle wie harte Schläge optimierten Shim-Tune im Inneren der Gabel statt. Ein Schritt in Richtung Einfachheit für den Nutzer.

Piston Compensator System

Das Piston Compensator System, kurz CPS, ist bei Suntour altbekannt. Über einen per Feder vorgespannten Trennkolben wird die Ölmenge beim Einfedern verdrängt. Gleichzeitig werden das Dämpfungsöl und die Luft voneinander separiert – das verhindert Kavitation. Kavitation bedeutet, dass sich Luftblasen im Dämpfungsöl bilden. Das passiert, wenn sich der Druck im Öl sehr schnell verändert, zum Beispiel bei:

  • schnellen, harten Schlägen

  • vielen Unebenheiten hintereinander

  • langen Abfahrten mit hoher Belastung

Wenn sich Luft mit dem Öl vermischt, hat man einen Druckaufbau im Öl, die Dämpfung wird unkontrollierbar und die Gabel fühlt sich plötzlich weich, schwammig oder unruhig an. Hat deine Gabel oder dein Dämpfer schon einmal schmatzende Geräusche gemacht? Das ist Kavitation.

Semi-Open Oil Bath (SOBA)

Im Zuge der Überarbeitung setzen die Suntour-Entwickler nun auf ein halboffenes Ölbad. Das SOBA-System kombiniert die geschlossene RC+ PCS-Dämpfungskartusche mit einem zusätzlichen, definierten Schmierölbad in den Tauchrohren. Dämpfungsöl und Schmieröl vermischen sich nicht. Dadurch arbeitet die Dämpfung gekapselt und das Öl in den Tauchrohren dient zur Schmierung der Buchsen und Dichtungen. Das reduziert die Reibung, Wärme wird besser abgeführt und es gewährleistet eine konstante Federungsperformance – auch bei langen Abfahrten. Über die Lubrication Bleed Ports auf der Rückseite der Standrohre kann man die Gabel ganz einfach mit einer kleinen Menge Öl nachschmieren.

Die Schrauben lassen sich mit einem 2,5 mm Inbus herausdrehen. Direkt in die Öffnung kann man dann eine Spritze einführen.

EQ Equalizer™ System

Das EQ Equalizer™-System ist bei den Taiwanesen nichts Neues und war bei den Vorgängermodellen bereits zu finden. Es sorgt für einen automatischen Druckausgleich zwischen Positiv- und Negativluftkammer. Die beiden Luftkammern sind durch den Luftfeder-Kolben voneinander getrennt. Beim Einfedern fährt dieser über den Transfer Port (s. Bild unten, Nr. 2).

Der Transfer Port ist eine kleine Vertiefung im Standrohr, über die die positive und negative Luftkammer miteinander verbunden ist. Setzt man sich jetzt aufs Bike, findet bei jedem Einfedern ein Druckausgleich statt. Dadurch passt sich die Luftfeder automatisch an Fahrergewicht und Sag an. Ein manuelles Ausgleichen über mehrmaliges Einfedern ist damit hinfällig. Das verringert schon einmal die Fehlerquote beim Setup und sorgt für eine individuelle Negativkraft.

Flex, Komfort, Sicherheit?

Wenn in ein Bauteil Kraft eingeleitet wird, dann muss diese Kraft irgendwo hin. Wir haben Federgabel und Dämpfer, um die Schläge abzufangen – und wenn etwas nachgibt, dann sollte das doch nur meine Federung sein, oder? So einfach ist es leider nicht, denn die Krafteinwirkung geht nicht immer genau in die geplante Richtung. Bremsen verzieht das Chassis der Gabel und auch sonst flext euer Komfortgeber teilweise stark Richtung Tretlager. Die Zeitlupenfunktion eurer Smartphonekamera kann euch hier beeindruckende Aufnahmen liefern!

Taucht man neu in dieses Thema ein, so merkt man schnell, dass man es in seiner Tiefe unterschätzt. Ein Mountainbike ist ein komplexes Sportgerät und jedes Bauteil trägt zum gesamten Fahrgefühl bei. 

Nicht nur die Federgabel und der Dämpfer sorgen für Komfort und Sicherheit. Auch die Reifen, deren Karkasse sowie der Reifendruck helfen maßgeblich, die Kontrolle im Gelände zu behalten. 

Nach den Reifen kommen die Felgen, Speichen und die Nabe ins Spiel. Über das Steuerrohr, den Lenker und die Griffe setzt sich diese Kette fort. Alles zusammen in Kombination mit dem Setup eurer Federungselemente definiert am Ende das, was bei euch an Vibrationen und Kräften in den Händen und Füßen ankommt. 

Aber was ist Flex eigentlich?

Vorm Spiegel die Muskeln spielen lassen oder die Motorhaube an der Tankstelle öffnen? Nope – das sind andere Sportarten und beinhaltet eine andere Art von Flexen.

Achtung, in unserem Segment wird es bei der Beschreibung trocken:

Im Bereich Mountainbike verstehen wir unter Flex die gezielte, elastische Verformung einer einzelnen Komponente (wie Rahmen, Lenker, Vorbau, Sattelstütze oder sogar Laufräder) unter Belastung. Bremsvorgänge, Lenkimpulse und Schläge wären solche Parameter.

Unter diesen Kräften verwinden sich die strukturellen Bauteile einer Federgabel, abhängig von ihren Dimensionen, Wandstärken, Materialien usw. Dadurch kann es u.a. zu ungewollter Reibung in den Buchsen, den Dichtungen und den restlichen beweglichen Teilen kommen. 


Flex = schlecht? Nicht immer, denn er kann auch erwünscht sein, da er kleinere Stöße dämpft und Komfort bietet. Dieser Nachgiebigkeitseffekt ist nicht mit der Bewegung eines Federungselements wie einem Dämpfer zu verwechseln, sondern eine material- und konstruktionsbedingte Biegeweichheit. 

Die Optimierung des Flexverhaltens ist daher ein zentraler Aspekt im Komponenten- und Rahmen-Design, um den Spagat zwischen Effizienz, Komfort und Kontrolle zu finden.

In Summe beeinflusst der Flex also die Interaktion des Fahrers mit dem Untergrund und trägt auch zur Rückmeldung der Schläge am Lenker und damit an die Hände bei. Und – Flex ist unabhängig von der Dämpfung eurer Federgabel. Aber – verwindet sich die Federgabel unter Krafteinwirkung, kann es dazu führen, dass man unkontrollierte Dämpfung in Form von zusätzlicher Reibung in den Buchsen bekommt.

Auf dem Trail federt eine Mountainbike-Gabel nicht nur geradlinig. Krafteinflüsse aus allen Richtungen wirken auf sie ein.

Lateraler Flex (seitliches Verbiegen) – ORANGE IM BILD

Die Gabel biegt sich nach links oder rechts, wenn seitliche Kräfte wirken – z. B. beim harten Anbremsen in Kurven oder wenn der Reifen seitlich auf ein Hindernis trifft.

Axialer Flex (Längsbiegung / Vor-Zurück-Flex) – GRÜN IM BILD

Die Gabel „arbeitet“ nach vorne und hinten, wenn Kräfte entlang der Fahrtrichtung wirken – etwa beim Aufprall auf eine Wurzel oder beim starken Bremsen.

Torsionaler Flex (Verdrehung um die Längsachse) – MAGENTA IM BILD

Die beiden Gabelholme verdrehen sich gegeneinander, wenn unterschiedliche Kräfte links und rechts wirken – z. B. wenn das Vorderrad schräg in ein Loch fährt oder eine Seite mehr Grip hat.

Wie kann man Flex am Bike spüren?

Wie sehr sich eine Gabel in ihrem Verhalten unter Querkräften verzieht, ist nicht immer einfach zu verstehen. Reine Zahlen vom Prüfstand geben eine Idee und helfen bei der Entwicklung, aber die Komplexität in der Praxis lässt sich leider nicht abbilden. Man übertreibt nicht, wenn man sich vorstellt, wie sich eine Gabel beim Bremsen verzieht, während sie in einer Kompression gleichzeitig das Federwegsende erreicht, oder wie seitliche Schläge auf das Laufrad einhämmern und die Gabel sprichwörtlich anfängt zu vibrieren.  

Aber auch der Pilot hat einen Einfluss: Stellt euch vor, euer Kollege hat ein Bike mit einer Gabel mit 36 mm Standrohren, während ihr auf einer massiveren Plattform mit 38-mm-Standrohren unterwegs seid. Je nach Körpergewicht und Fahrstil leitet ihr unterschiedliche Belastungen ein.

Könnt ihr also einfach das Bike tauschen und dadurch feststellen, welche Gabel sich im Gelände besser anfühlt? Leider nein. Ihr solltet im Idealfall folgende Parameter nicht ändern und nur die Gabel tauschen:

  • Federweg

  • Reifen

  • Reifendruck

  • Laufrad

  • Rahmen

  • Vorbau

  • Lenker 

  • Griffe

  • und das passende Setup für euren Fahrstil und euer Körpergewicht

Welche Vorteile bietet Flex im Gelände?

Durch eine Federgabel, die sich auch etwas „wegdreht“, kann der Komfort für euch auf dem Trail steigen. Stellt euch verschiedene Trailtools oder Gartenwerkzeuge vor. Je dicker der Stil, desto unangenehmer kann es sich anfühlen, wenn ihr auf einen Stein trefft. Verschiedene Holzarten oder gar die Metallstile von manchen Werkzeugen können starke Unterschiede machen.

Ihr solltet euch nun kein Gabelchassis aus Esche schnitzen, um eure Pfoten vor ermüdenden Vibrationen zu schützen. Das funktioniert auch mit Metall ganz gut. Hierfür optimieren die Hersteller die Bauteile. Dünnere Wandstärken und ausgeklügelte FE-Berechnungen helfen zu verstehen, wo mehr Material notwendig ist und wo man etwas mehr abtragen kann. Weniger Material lässt sich einfacher verwinden. So ergibt sich die Möglichkeit, die Fahreigenschaften ab Werk entsprechend anzupassen. 

Auch die Krafteinleitung vom Fahrer spielt eine Rolle. Jemand, der sehr aktiv und kraftvoll unterwegs ist, nimmt möglicherweise Vorlieb mit einer Gabel, die diesen Input auch direkter umsetzt – also die steifere Variante. Der Fahrer, der lange Abfahrten in Angriff nimmt und dort Hilfe vor vorzeitiger Ermüdung wünscht, wird gegebenenfalls lieber etwas mehr Nachgiebigkeit bevorzugen. Wie bereits erwähnt ist das Thema komplex und auch andere Bauteile wie Laufräder (Anm. d. R.: e*thirteen FLUX Testbericht) tragen einen wichtigen Teil dazu bei. Heute beschränken wir uns aber rein auf die Federgabel.

Welche Nachteile hat Flex am Mountainbike?

Wie so oft bei allen Themen am Bike: Es gibt immer Licht- und Schattenseiten. Alles ist ein Kompromiss. Ein höherer Flex kann das Fahrverhalten unberechenbar und unpräzise machen. Fahrerinput kommt nicht direkt am Kontaktpunkt zwischen Boden und Bike – dem Reifen – an. Während des Bremsens verdreht sich die Gabel zusätzlich nach links. 

Leichte, und damit weichere Federgabeln, geben Lenkimpulse nicht direkt weiter und man kämpft mit einem undefinierten Lenkverhalten. In gewissem Rahmen zeigen Lenker und Vorderrad nicht in die gleiche Richtung. Ebenso kann die grundsätzliche Funktion leiden, wenn sich Stand- und Tauchrohreinheit so stark verbiegen, dass in den Buchsen die bereits erwähnte, ungewollte Reibung entsteht. 

Deshalb ist die steifere Gabel nicht zwangsläufig besser. Sie kann dafür sorgen, dass ihr schneller ermüdet, wenn die Gabel durch ihre steife Bauweise viel Vibration durchreicht.

Wird es wurzelig und schmierig, kann eine steife Federgabel etwas leichter verspringen oder für Gripabriss sorgen.

Nicht nur Federgabeln sind davon betroffen. Auch Rahmen geben nach. In der Vergangenheit waren sie noch populärer, aber aus Gründen gibt es nun weniger davon … Rahmen mit sogenanntem Clevis-Design – bei Dämpfern mit dünnen Kolbenstangen sorgte das oftmals zu früher Materialermüdung. Mehr Flex beschleunigt ebenfalls den Verschleiß. Wer jetzt anfängt, sich tiefer für das Thema zu interessieren, sollte sich in das Thema „Dauerschwingfestigkeit“ einlesen.

Links und rechts seht ihr unterschiedliche ältere Lösungen für Kinematiken und Dämpferanlenkungen: Wird ein Dämpfer über einen Yoke oder eine „Clevis“ (Gabel) angelenkt, kann es zu erhöhten Lasten kommen, für die er nicht unbedingt ausgelegt ist. In der Mitte seht ihr Schnittbilder von sphärischen SKF‑Lagern. Diese helfen, Drehkräfte vom Dämpfer zu isolieren. Allerdings sollte das Design des Rahmens darauf ausgelegt sein. (Illustration: SKF)

Was passiert auf dem Trail, wenn meine Gabel flext?

Exemplarisch die Ansicht aus einer ausgemusterten alten Federgabel. Die beiden Ringe nennt man Bushings. Sie sorgen für geraden Lauf der Standrohre beim Einfedern. Stellt euch vor, der untere Teil eurer Gabel wird verdreht. Dadurch fluchten die Buchsen nicht mehr ideal mit den Standrohren. Es entsteht ungewollte Reibung. Eure Gabel kann den Schlag nicht ideal aufnehmen.

Die Lenkwinkel wurden über die letzten Jahrzehnte immer flacher und sorgten dafür, dass der von vorne kommende Stein oder die Kante effektiv aufgenommen werden kann. Da wir Mountainbiker aber gerne über kreuz- und querliegende Wurzeln und Steine rumpeln, hat man es nicht nur mit Krafteinwirkung direkt von vorne zu tun. 

Aufs Vorderrad wirken Kräfte aus diversen Richtungen, und hält man den Lenker nicht entsprechend fest, so schlägt es einem die Kontrolle sprichwörtlich aus der Hand. Nun wollen wir das natürlich nicht und halten entsprechend dagegen. Das Resultat: Die Gabel verdreht sich in dem Maße, wie es ihre Struktur zulässt. 

Klingt schlecht? Ist es aber nicht. Durch dieses Verdrehen kann die Gabel helfen, die Kräfte, die vom Untergrund wirken, herauszufiltern. Natürlich gilt es hier, eine gesunde Balance zu finden. Euer Lenker sollte nicht gerade ausgerichtet bleiben, während sich die Gabel 10° von eurer Spur wegdreht. 

Hersteller haben unterschiedliche Philosophien, wie viel axiale und laterale Verwindung je nach Einsatzzweck noch okay ist. Da dies eben stark davon abhängt, wie der jeweilige Fahrer unterwegs ist, oder was er wiegt, gibt es auch verschiedene Gabelmodelle mit Federwegsüberlappung. 

Praxistest – SR Suntour AURON36 versus Suntour DUROLUX38 X

Ihr habt noch nicht genug vom Generde? Prima! Dann lasst uns in die Fahrpraxis eintauchen. Flex ist ein Faktor, der sehr komplex ist. Prüfstände können nicht alle Richtungen und Belastungen abbilden, welche auf dem Trail – und somit in der echten Welt – auftreten. Wir taten uns mit SR Suntour zusammen, um das Thema praxisnah für euch zu beleuchten.

Auf dem Trail

Wir fuhren die Gabeln in einem Banshee Titan, Pivot Firebird, Kavenz VHP und Reichmann Senduro. Fahrergewichte variierten von 70 bis 100 kg. Die Gabeln wurden im Detail auf die jeweiligen Fahrergewichte und Vorlieben angepasst. In diesem Bericht legen wir den Fokus auf das Chassis. Ein ausführlicher Test mit den Eindrücken zur Dämpfung folgt.

Moderate Trails

2.656 g brachte die DUROLUX X auf die Waage. Mit der AURON war bei 2.245 g Schluss. Das entspricht einem zusätzlichen Gewicht von 407 g zwischen DUROLUX X und AURON – das konnte man am Lenker spüren. Insbesondere bei direkten Vergleichsfahrten. An jeder Welle abziehen und Wellen doubeln? Mit der leichteren AURON stieg die Motivation durch das geringere Gewicht. 

Volumenspacer nachrüsten ist für jeden Heimschrauber kein Problem.

Das gleiche Fahrgefühl wird man mit einer schwereren Gabel, nur mit mehr Nachdruck und Krafteinsatz erhalten. Denn, solange man mit wenig Nachdruck auf dem Trail unterwegs war, schien sich die DUROLUX38 X fast schon zu langweilen. „Was machen wir hier eigentlich?“, schien sie zu fragen – und so galt es, die Geschwindigkeit nach oben zu schrauben. Wer das kann und will, wird von der DUROLUX X mit Präzision belohnt. Wer dann in den Kurven mehr Gegenhalt braucht, kann bei gleichem Luftdruck simpel Volumenspacer in der Luftkammer nachrüsten.

Beeindruckend ist in diesem Vergleich die AURON und wie sie auch unter schweren Piloten immer noch eine solide und berechenbare Fahrqualität abliefert. Sie ist zwar weicher als ihre große Schwester, wobei man hier den Begriff „weicher“ nicht falsch verstehen darf, denn die Gabel ist in keinster Weise überfordert, wenn es heftiger wird. Suntours Mitbewerber FOX hat die 36 über die Jahre immer weiter im Gewicht gedrückt. Das hat auch deren Einsatzbereich verschoben, weg von Enduro und hin zu Trail. Gewichtsreduktion wirkt sich immer auch auf die Fahrdynamik und den Flex aus. Wo ein FOX 36 Nutzer zwischenzeitlich lieber zur 38 greift, kann man bei Suntour unseren Eindrücken nach immer noch bei der AURON bleiben.

Flowtrails

Anlieger. Alles berechenbar. Keine Schläge. Flowtrails bedeuten trotzdem nicht zwangsläufig, dass diese Trails langweilig sein müssen. Sie stellen auch einen gewissen Anspruch an deine Federelemente.

Steigt der Speed, steigen auch die Kräfte – an der Federgabel merkt man das. 

Drückte man in Kurven rein und zog raus, während man auf der letzten Rille des Reifens durch den Anlieger brannte, war die DUROLUX38 Xdavon wenig beeindruckt. Man profitierte deutlich von der Präzision, mit der jeder Input umgesetzt wurde, und man konnte auch auf mit Brechsand verseuchten Strecken genau spüren, ob der Grip noch reichen würde. 

Das Zusatzgewicht der DUROLUX38 X gegenüber einer AURON war hier gleichermaßen spürbar. Wiederholt durch Wellen surfen und aus Sharkfins herausziehen kostete Körner. Stellt euch vor, ihr trainiert mit einer Hantel und hebt sie 50 Mal an. Dann packt ihr 0,4 kg (der Gewichtsunterschied der beiden Gabeln) darauf und hebt die Hantel erneut 50 Mal. Das Gleiche macht ihr ebenfalls auf dem Trail, wenn ihr am Lenker zieht. 

Bevorzugten wir also die leichtere AURON? So einfach ist das leider nicht. Die AURON reagierte sprichwörtlich leichter auf jeden Fahrinput, der das Heben beinhaltet. In Steinfeldern wurde sie dafür mehr abgelenkt und verdrehte sich leichter. Somit kommen wir zum nächsten Punkt …

Wie reagierten AURON und DUROLUX in Stein- und Wurzelfeldern? 

Verdrehen einer Gabel? Klingt dramatisch! Im Fahrbetrieb ist das aber vollkommen normal. Erinnert ihr euch an unsere Empfehlung, die Slowmotion-Funktion eurer Handykamera zu nutzen? Hier nochmal der Aufruf, dass ihr das probiert. Bremst mal stark mit der Vorderradbremse ab oder filmt das Steinfeld auf eurem Hometrail – ihr könntet erstaunt sein, wie stark ein Bike und alle Komponenten sich in verschiedene Richtungen verwinden, wenn es unter euch zur Sache geht.

Eine Gabel, die sich mehr verdreht und verbiegt, kehrt auch in ihre Ursprungslage zurück. Das spürt man am Lenker und ihr müsst diesen entsprechend festhalten. Am Ende kann das ermüdend sein, genauso wie der Mehraufwand, wenn sich die Gabel mal in eine ungewollte Linie einschlängelt. 

Ballert ihr also mit der dickeren Gabel über Steinfelder, KANN es kraftschonender sein, da die Gabel eben die Linie hält und sauber arbeiten kann. Da wir aber auch seitliche Schläge bekommen, können diese, dadurch, dass die Gabel sich eben nicht so stark „wegdreht“, bis zu euren Händen durchgereicht werden. 

Kann kraftschonender sein? Muss aber nicht? An dieser Stelle sollte man jedoch hervorheben: Ihr könnt vom Flexen einer Gabel ebenfalls profitieren. Schafft es die Gabel, die groben Schläge zu umschlängeln, anstatt die Linie über sie zu halten, kann es auch entspannter für die Unterarme werden. Zurecht kommen jetzt die Aufschreie: „Ich will aber, dass mein Vorderrad genau die Linie fährt, die ich ansteuere!“ Und ganz schnell landen wir bei dem Punkt: Vorliebe. Hier werden die Meinungen stark auseinandergehen und somit gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“, was durch „mehr ist besser“ belegbar wäre. 

Es kommt – wie auch bei der Druckstufendämpfung – auf euren Trail, euren Fahrstil und das Gewicht (von euch sowie vom Bike) an. 

Bezogen auf SR Suntour stellten wir fest, dass die DUROLUX38 X vor allem die leichteren Tester bei langen Abfahrten und Lap-Days im Bikepark etwas mehr Körperkraft abverlangte. Die AURON war aber nicht weit abgeschlagen. In direkten Vergleichsfahrten zeigte sie sich zwar nachgiebiger als ihre große Schwester, glich das aber durch die gesparte Kraft bei aktiver Fahrweise mit vielen Manövern, die ein Ziehen am Lenker erforderten, wieder aus. 

Besonders deutlich wurde das im direkten Vergleich, wenn man den Bikepark-Vormittag mit der DUROLUX X im Bike verbrachte. Nach dem Gabel-Tausch am Nachmittag punktete das Rad plötzlich mit einer neu gewonnenen Leichtfüßigkeit und Agilität. Jeder Input wurde schneller umgesetzt. Richtungswechsel fielen einfacher.

Spürte man die leichtere Bauweise? Ja – wobei die AURON auch unter viel Nachdruck und auch bei schweren Testern nicht unberechenbar wurde. Ähnlich wie ein Rahmen mit einem gesunden Flex half die AURON sich in Anlieger hineinzulegen und den „Rebound“ so zu nutzen, dass man das Bike wieder leichter aus der Kurve aufrichten konnte.

Wer sein Bike mit 160 mm an der Front fährt, muss sich bei der Linienwahl im Bikepark auch mit der leichteren AURON nicht zurückhalten.

Technische Trails 

Steine und Wurzeln unter Hochgeschwindigkeit verprügeln ist eine Sache. Stark abbremsen kommt aber auch irgendwann hinzu. Hierbei punkten vor allem Upside-Down-Federgabeln, da die höchsten Biegekräfte oben auftreten und da sind sie am voluminösesten. Auch eine DUROLUX38 X hält hier noch nicht mit, aber bei Right-Side-Up spielt sie vorne mit. Unauffällig. Denn auch bei starkem Anbremsen war noch eine solide Funktion gegeben und Schläge wurden sauber aufgenommen. 

Mit der AURON eine Spitzkehre so stark anbremsen, dass man auf dem Vorderrad drumherumfahren kann? Diese Fähigkeit ist (auch bei uns) nicht an jedem Tag sauber umsetzbar, zeigte aber hier die 36er Plattform von ihrer nachgiebigen Seite. Die 38 X hatte hier klar die Nase vorne.

Welche Gabel mit welchem Standrohr-Durchmesser sollte ich fahren?

Flex oder Nachgiebigkeit sind eines der komplexesten Themen am Bike. Wir hoffen, wir konnten für euch beleuchten, dass es hier keine Standardlösung gibt. Welche Gabel für euch am besten funktioniert, hängt von den Faktoren ab, die wir im Artikel beschrieben haben. 

SR Suntour hat mit der DUROLUX und der AURON zwei grundsolide Gabeln im Programm, die sich trotz der Federwegsüberlappung deutlich unterscheiden. Die AURON hat im Test mit einem überraschend breiten Einsatzbereich gepunktet und konnte auch in heftigem Gelände noch sehr gut mithalten. Ihr Chassis begeisterte hier selbst schwere Fahrer mit Ausgewogenheit zwischen Präzision und kraftschonender Nachgiebigkeit. Das hat für uns die DUROLUX38 X deutlich in Bereiche wie Super-Enduro, Freeride oder Long-Travel E-MTB verschoben – also alles ab 170 mm. Wer nur gelegentlich in Bikeparks mit einem 160er Bike unterwegs ist, kann unserer Meinung nach getrost zur AURON greifen.

SR Suntour kommt dezent solide: DUROLUX und AURON unterscheiden sich im optischen Detail deutlich. Der Look ist mit Schwarz-in-Schwarz sehr zurückhaltend. Auf dem Trail bieten sie ein klar definiertes Spektrum von Trail bis Freeride. Im Überlappungsbereich kann man nach persönlichem Geschmack entscheiden, wobei man die AURON in ihrer Fahrqualität, selbst in grobem Gelände, nicht unterschätzen sollte

SR Suntour AURON36 SR Suntour DUROLUX38 X
Du bist selbst eher leicht und möchtest auch dein Bike leicht halten Du fährst ein E-Bike oder bist vom Körpergewicht nah an den 0,1 t
Du legst Wert auf maximalen Grip Deine Linienwahl kann als durchaus rabiat bezeichnet werden
Du möchtest viel Komfort gegen vorzeitiges Ermüden Lenkpräzision ist dir wichtiger als Komfort
Dein Fahren findet eher auf Trails statt als im Bikepark Schnelle, ruppige Abfahrten, Bikepark und große Freeride-Lines sind dein Zuhause

Wie geht es weiter?

Dieser Artikel sowie der CTS-Artikel über Fahrwerks-Dämpfung, sind der Wegbereiter für den kommenden Suspension-Vergleichstest. Dort beleuchten wir Dämpfungs-Performance, Chassis und Bauweise jeder einzelnen Gabel – so auch für die Suntour DUROLUX38 X. Natürlich widmen wir uns auch dem Thema Upside-Down-Federgabeln.

 

Autor – Jens Staudt

Größe: 191 cm

Gewicht: 95 kg

Fahrstil: Mit seinem Race-Hintergrund sind die Linien geplant, auch wenn es mal rumpelt. Wenn möglich, werden Passagen übersprungen. Die ganze Breite eines Trails sollte man nutzen. Andere würden sagen – kompromisslos.

Motivation: Ein Produkt sollte sorgenfrei und möglichst lange funktionieren. Wenn man weniger schrauben muss, kann man mehr fahren. Er bastelt gerne und schaut, wie das Bike noch optimiert werden kann.

AUTOR – YANNICK NOLL

Größe: 178 cm

Gewicht: 75 kg

Fahrstil: Als ehemaliger Racer darf es gerne schnell und flüssig sein. Größere Sprünge und steile Rampen dürfen aber auch nicht fehlen. Das Bike ist etwas straffer und schneller abgestimmt, dass es entsprechend schnell auf Input vom Fahrer reagiert. 

Motivation: Es soll Spaß machen. Ein Bike sollte nicht langweilig, alles platt bügeln. Der Charakter darf etwas lebendiger sein. Bei der Abstimmung, wie auch beim Fahrstil. Das Produkt sollte haltbar sein und auch auf längeren Biketrips sorgenfrei funktionieren.


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What’s different between 36 and 38 mm stanchions?

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