Formnext 2024 Frankfurt – Neue Fertigungsmethoden für Bikes und Komponenten

Dieser Artikel enthält Fußnoten. Er dient als Einstieg und als Überblick. Wer bestimmte Begriffe nicht kennt oder die Hintergründe dazu erfahren möchte, findet am Ende die Liste (*1–*9) zum Aufklappen mit weiteren Informationen.

Lesezeit: 12 Minuten

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Während wir uns in den letzten Jahren sehr an den Look von glatten Carbon-Rahmen ohne Schweißnähte gewöhnt haben, kommt neuerdings Varianz in den Rahmenmaterialien und Fertigungsmethoden. Materialien, die in Nischen verschwunden waren, rücken wieder ins Rampenlicht. Titan und Stahl erfährt eine Renaissance. Nicht nur als alleiniges Material, sondern auch in Kombination mit Carbon. Gemuffte Rahmen und Träume aus Titan und Stahl, wie in den 80er und 90er Jahren, holen die Menschen auf die Stände der Messen wie den Craft-Bikedays. Trek zeigte ein Konzeptbike mit Stahl-Rahmendreieck von Industriedesigner Kyle Neuser, Neko Mulally zeigt mit Frameworks jeden Entwicklungsschritt live im Worldcup, Thadeus Tisch legt ebenfalls mit einem privat entwickelten Stahlbike vor und Atherton … Ja, Atherton ist fast schon so etwas wie „normal“ geworden, mit ihrer Kombination aus Titanmuffen und Carbonrohren. Wer aufmerksam die Mountainbikeszene verfolgt, wird die Liste an Tüftlern, kleinen und Kleinstherstellern leicht in einen mittleren zweistelligen Bereich führen können. Warum ist das aktuell so bemerkenswert?

Es ist nach der Covid-Pause erneut Bewegung in die Bikebranche gekommen. Einige Fertigungsprozesse, worüber Automobiler schon deutlich länger nachdenken, sind plötzlich auch in Kleinstserien realisierbar. Die Türen für die Möglichkeiten, einen Rahmen oder eine Komponente herzustellen, wurden weit aufgestoßen. Frische Ideen in der Bikebranche erblicken das Licht und sind bereit, es mit den etablierten Marken aufzunehmen. 

Auf der Formnext-Messe in Frankfurt ging es um die neuesten Technologien im Bereich der additiven Fertigungsmethoden. Was die meisten Menschen umgangssprachlich als „3D-Druck“ bezeichnen, ist bei näherer Betrachtung deutlich komplexer und vielschichtiger (pun intended). Bringt etwas Zeit mit und taucht mit ein in einen Überblick über alte wie auch neue Fertigungsmethoden und wie die Kombination beider unsere geliebten Fahrräder beeinflussen wird.

Man betrat die erste Halle und begrüßte eine lebensgroße Nachbildung/Drucke von Gundam, Ironman und den neuesten Charakteren aus Filmen und Streaming-Serien. Schon lange hat die Cosplay-Szene begriffen, welches Potenzial 3D-Druck für die kostengünstige Realisation im Hobbykeller hat. Wobei diese Anwendungen im ersten Moment wenige Berührungspunkte mit Bikes haben, sollte man sich dennoch nicht gleich von diesen Ständen abwenden und weiterziehen. Die Anforderungen an Miniaturen – nicht nur aus dem 40K Universum – sind extrem hoch. Details wie Gesichter, Rüstungen und/oder vorgeformte und mit gedruckten Gelenken an Miniaturen sollen realisierbar sein. Diese Anforderungen liegen weit über denen eines Fahrradrahmens, und dennoch sind sie relevant. Nicht nur im Bereich des Prototypings.

Die aktuell höchstmögliche Auflösung von Resin-Druckern (also 3D-Druckern, die mit photopolymerem Harz arbeiten) ist stark von der verwendeten Technologie und dem Modell des Druckers abhängig. Im Jahr 2024 gibt es bereits einige sehr hochauflösende Drucker auf dem Markt, die außergewöhnliche Detailgenauigkeit bieten. 

Konkret bedeutet das für Resin-Drucker (*1) in der XY-Ebene bis zu 8K (16K steht in den Startlöchern) und in der z-Achse liegen wir bei einer Schichthöhe von 0,005 mm (5 µm). (*2) 

Wo man noch primär dental- und andere medizinische Anwendungen findet, so relevant kann dies für Bikes werden, wenn man in Richtung hydraulischen Bremsen und Dämpfertechnologie sieht. Warum genau? Dazu später mehr, wenn wir zu den rasant entwickelnden Auflösungen der Systeme kommen.

3D-Druck in der Fahrradbranche

Filament – Gedruckt von der Rolle

Auch heute noch zeigen Entwicklungsabteilungen in der Bikebranche stolz ihre 3D-Drucker. Oft sind diese mit Filament (*3) PLA (Polylactid) bestückt. Entsprechend grobschlächtig wirken die erstellten Bauteile. Die Anforderungen für ein solches Muster sind auch nicht die bestmögliche Oberflächenqualität. Hier geht es eher um ein schnelles Prototyping. Man muss sich ebenfalls bewusst machen, dass diese Bespiele nur die kleinste Spitze des Eisberges der additiven Fertigung ist.

Andere Filamente ermöglichen komplett andere Eigenschaften des späteren Bauteils. Eine Kettenführung oder einen Pedalkörper würde man aus einem Material drucken, welches deutlich höhere Schlagzähigkeit aufweißt. Spannend dabei – das kann teilweise im gleichen Drucker realisiert werden. Vom Filament gibt es also deutlich mehr Varianten und während dieses Rohmaterial ständig weiterentwickelt wird, gibt es auch diverse Kombinationen, die andere Eigenschaften mit sich bringen. Spannend ist in jedem Fall die Richtung Metall. Metallfilament wird ebenfalls von der Rolle gedruckt. Nach dem Druck durchläuft das Werkstück eine Hitzebehandlung, um Trägermaterial auszubrennen und die Festigkeit über das Sintern (*4) zu erreichen.

Filamente werden konstant weiterentwickelt und sind in der Lage, unterschiedlichsten Anforderungen zu entsprechen. Kleinere Anwendungen findet man bereits in Halterungen für Garmin, Wasserflaschen, Tools, Lampen, AirTags und vieles mehr. Drucker für dieses Material sind mit wenigen hundert Euro sehr erschwinglich und ermöglichen gleichermaßen kostengünstige Basteleien im Hobbykeller. Wenn es um die Maßhaltigkeit geht, stehen sie anderen Methoden etwas nach. 

PLA Filament ist das wohl bekannteste Grundmaterial (Foto: Extrudr)

Resin – von der Flüssigkeit zum festen Objekt

Was Detailtreue und Genauigkeit angeht, hat diese Technik die Nase vorn. Anders als beim Filament wird das Werkstück nicht aufgeschmolzen, sondern ausgehärtet. Mit Lasern fokussiert man bei diesem Vorgang einen Punkt im Raum bzw. einer Flüssigkeit. Das sogenannte Resin gibt es ähnlich dem Filament in unterschiedlichsten Ausführungen (*5). In der Fahrradbranche haben wir bereits diverse Angebote für Produkte, welche mit diesem Verfahren gefertigt wurden. 

Specialized verwendet bei ihren Mirror-Sätteln eine 3D-gedruckte Matrix, welche sich so nur in diesem Verfahren fertigen lässt. Zusammen mit Technologien wie Carbonrails und Carbonunterschale ermöglicht man Produkteigenschaften für mehr Komfort und eine präzise ausgerichtete Funktion. Es muss aber nicht nur gummiartig oder flexibel sein. Man hat Optionen auf transparentes Resin und metallhaltiges Resin. Dieses Verfahren kann kostspielig werden, aber auch Werkstücke in einer Qualität erstellen, welche ohne Weiteres im Massenmarkt abgesetzt werden können. Hierbei ist in der Fahrradbranche wichtig zu beachten, dass die Kosten pro Stück aufgrund der Kosten für das Resin und die Druckdauer relativ hoch ausfallen können. Ist man von Designseite her nicht auf das Verfahren angewiesen, so kann es sinnvoll sein, auf andere Verfahren wie Spritzguss/Injection Molding (*6) zu setzen. 

Fahrradgriffe, Sattelschalen, bis hin zu Kleinteilen oder Die-Cast (*7) Aluminium Pedalkörper sind vom Fahrrad kaum mehr wegzudenken. Da dieses Verfahren aber bereits sehr etabliert ist, möchten wir es an dieser Stelle nicht zu unendlich vertiefen.

HeyGears bietet Resin für unterschiedlichste Anwendungen an. Von dental bis hin zu transparenten und extrafesten Teilen.

PASTE – Laminated Object Manufacturing

Werkstücke haben unterschiedlichste Anforderungen und diese können mit verschiedensten Techniken realisiert werden. Schmieden, CNC-Fräsen, Laminieren … beim LOM (Laminated Object Manufacturing), bei dem Metallpaste auf den Werkstückträger aufgebracht und in mehreren Schichten verarbeitet wird. Dabei enthält die Paste Metallpartikel, die nach dem Auftragen jeder Schicht durch einen Sinterprozess gehärtet werden.

Der Prozess beginnt mit dem Auftragen einer dünnen Schicht Metallpaste auf die Oberfläche des Werkstücks, die dann in einem Ofen oder durch einen anderen Sintermechanismus erhitzt wird. Durch diesen Vorgang verbinden sich die Metallpartikel, und die Schicht verfestigt sich. Nach dem Aushärten der Schicht wird die nächste Schicht aufgetragen und ebenfalls gesintert. Auf diese Weise wird das Bauteil Schicht für Schicht aufgebaut. Diese Technik eignet sich besonders gut für die Herstellung dickerer Bauteile und ermöglicht die Fertigung von komplexen, hochdichten Metallkomponenten. Im Vergleich zu anderen 3D-Drucktechniken bietet das Verfahren den Vorteil, dass auch dickere und größere Werkstücke mit hoher Materialdichte erzeugt werden können. Der Prozess ist besonders in der Prototypenfertigung und für kleine Serien von Metallteilen von Interesse, da er es ermöglicht, Bauteile ohne die Notwendigkeit traditioneller Fertigungstechniken wie Fräsen oder Gießen zu produzieren.

Pulver – Laser macht aus lose fest

Gegenüber den anderen bereits genannten Verfahren wird hier mit einem Pulver gearbeitet. Später gehen wir noch auf diese Methodik ein und wie Atherton-Bikes dies mit Titan umsetzt. Stahl oder andere Metalle sind aber ebenfalls möglich. Ähnlich dem Verfahren mit Resin, härtet ein punktuell ausgerichteter Laser das Pulver aus. Nach dem jeweiligen Durchlauf einer Schicht wird die nächste Schicht Pulver eingebracht und der Laser beginnt mit der Fixierung der nächsten Lage usw. 

Vorteil dieser Methode ist das Ausformen von komplexen Strukturen innerhalb von Hohlkörpern, die mit einer spanabhebenden Bearbeitung nicht möglich wären. Je nach den Anforderungen für die Oberfläche muss man aktuell noch mit einer CNC Bearbeitung Montagepunkte oder Gewinde einbringen. 

Die Ausrichtung des Werkstücks in der Maschine spielt eine wichtige Rolle. Stützstrukturen müssen teilweise verwendet werden, um Formstabilität während des Druckvorgangs zu gewährleisten. Die Temperatur beim Lasern spielt ebenfalls eine Rolle und Anbieter wie Trumpf oder Renishaw arbeiten ununterbrochen an der Optimierung einer Vor-Druck-Simulation, damit keine ungewollten Ergebnisse den Werkstisch verlassen.

Atherton Bikes setzt auf Titanpulver. Lagersitze werden zusätzlich nach dem Drucken noch via CNC bearbeitet.

Während Titan als Material preislich recht hoch angesiedelt ist, so gibt es eben auch die günstigeren Optionen von Stahl und Aluminium. Aus Pulver gesinterte Aluminium- und Stahlteile sind für die Serienfertigung von Fahrrädern und Komponenten (noch) nicht relevant. Für die meisten Bauteile kommt man mit regulären Schmiedeteilen (*9) kostengünstiger und mit besseren Bauteileigenschaften aus dem Werk.

Auch hier sollte man die Augen mit Neugier in Richtung kleiner Hersteller, Enthusiasten und Konzeptbikes richten. In der Kernszene erleben – wie bereits erwähnt – Aluminium, Stahl und Titan eine neue Faszination. Individualisten sehen in diesen Bikes eine spannende Alternative zu dem, was die großen Hersteller – in Carbon – von der Stange anbieten. Auch wenn die neuen Rahmen aus Metall oftmals schwerer ausfallen, so bringen sie dennoch Eigenschaften mit sich, die man nicht unbedacht lassen sollte.

Carbon kann über eine entsprechende Planung der Form des Rahmens und der Menge, wie auch Ausrichtung der Lagen, die Fahreigenschaften recht genau beeinflussen. Vergleicht man die Frequenzen und Flexeigenschaften davon mit denen eines Stahlrahmens, so wird es spannend. Wo Stahl und Titan schon in der Vergangenheit den Ruf hatten verzeihender und schonender für den Fahrer zu sein, da es nachgiebiger ist, so unterkomplex ist die Reduktion auf diese Eigenschaften.

Die wenigsten unter uns hatten das Privileg, zwei Rahmen mit identischer Geometrie aus zweierlei Materialien gefertigt zu fahren. Einige hatten vielleicht schon mal die Möglichkeit, zumindest zwei Bikes aus einer Kategorie (z.B. Enduro oder Allmountain), aber von zwei Herstellern zu fahren. Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass hier bereits Unterschiede spürbar sind, wenn man zwei verschiedene Carbonrahmen auf dem Trail vergleicht. Jede Marke interpretiert das Fahrverhalten für ihre Bikes unterschiedlich. Größer werden die Diversitäten beim Ändern des Rahmenmaterials von Carbon zu Stahl. Während manche die Nachgiebigkeit sehr schätzen, so verwirrt sind Andere bei den ersten Fahrten durch Anlieger oder über Querfahrten über Wurzeln. Bei Stahl verwindet sich oftmals deutlich mehr. Das kann Vor- wie auch Nachteile mit sich bringen.

Das dies ein Trend ist, zeigt jetzt auch Trek mit dem Konzeptbike von Industriedesigner Kyle Neuser. Er fertigte sich eine Stahlversion des TopFuel.

Rank, schlank, elegant. (Foto: Trek)

Wir Mountainbiker wollen natürlich nicht nur das sehen, was die großen Hersteller realisieren, wenn sie auf einen Zug aufspringen. Wir wollen die wirklich neuen Ideen sehen. Uns eint die Schwäche für die Tüftler, welche komplett außerhalb der Norm denken und das Herzblut haben, das in ein Bike umzusetzen. Thadeus Tisch (Instagram: @thadeustisch), in seinem Dayjob für Norco tätig, hat seine Vision eines Park-Bikes aus Stahl umgesetzt. Am besten zitieren wir ihn hier selbst:

This is my home made Singlespeed Park Bike. It is rather short travel with 160mm/R  and 170mm/F and made from 3D printed 309L parts and CrMo tubes. The main goal as always is to make the bike as silent as possible, so for a singlespeed drivetrain the belt drive was an obvious choice. Some parts are still placeholders and I don’t have a weight yet.
— Thadeus Tisch

Am Ende ist so ein Bike oftmals ähnlich kostspielig wie eines von der Stange. Die Frage nach der rein finanziellen Sinnhaftigkeit stellt sich nicht. Zumal man seine Abende und Wochenenden ebenfalls investieren muss. Es ist nur schlicht und ergreifend so, dass es diese Bikes nicht am Markt gibt und man hier mit neuen Fertigungsmöglichkeiten die Schwelle für den Einstieg für ein solches Projekt deutlich niedriger gesetzt hat.

Thadeus nutzte gedruckte Stahlteile für die komplexen Bestandteile seines Konzeptbikes. Diese verschweißte er selbst mit den restlichen Stahlrohren. (Fotos: Thadeus Tisch)

Nicht nur aus Fertigungssicht ein spannendes Projekt. (Foto: Thadeus Tisch)

Gemuffte Rahmen? Oldschool oder Newschool?

2013 begann in Monmouth mit Robot-Bikes etwas, was zuerst nach Science-Fiction mit Retro-Einschlag klang. Ex Dirt-Mag Schreiber Ed Haythornthwaite, Andy Hawkins und Ben Robarts-Arnold hatten eine Vision. (Damals noch) futuristische Fertigungsmethoden aus dem Flugzeugbau wollten sie auf Fahrräder übertragen. 

Rohre mit Muffen zu verbinden ist fast so alt wie der Radsport selbst. Sei es an gelöteten Rennradrahmen um 1880 von Alexandre Leduc, 100 Jahre später die gemuffte Zukunftsvision von Kestrel, Ende der 1980er oder später im Jahr 1998 das GT DH Lobo. Wer hier nicht alles gesehen hat, sollte sich darauf einstellen, für ein paar Stunden tief im Kaninchenbau der Fahrrad-Geschichte einzutauchen.

Robot-Bikes wurde 2018 zu Atherton Bikes. Rachel, Gee und Dan Atherton bauten die Möglichkeiten der additiven Fertigung mit Titanmuffen „gedruckt“ auf Renishaw Maschinen weiter aus und erweiterten das Portfolio um ein reines, aber ebenfalls gemufftes, Aluminium-Bike. A Range bezeichnet dabei die „additiven Bikes“ (gedruckten) und S die „subtraktiven“ (CNC gefrästen)

Das Prinzip scheint sich durchzusetzen. Es macht Prototyping eines Fahrradrahmens deutlich erschwinglicher, da der Gesamtaufwand geringer ausfällt. Mit der Option auf weniger teure Pulver wie Stahl und dessen steigende Popularität bei kleineren Firmen und Tüftlern, kann man zusätzlich auch komplett auf Carbon verzichten. Gedruckte Metallbauteile lassen sich mit regulären Rohren verschweißen. Ein Druckvorgang benötigt ebenfalls eine sogenannte Vorstufe, bei dem die Datei für den Drucker vorbereitet wird. In Summe fällt dieser aber weniger aufwändig aus als für eine CNC-Maschine.

Atherton setzt Alu-CNC-Teile mit Alurohren oder gedruckte Ti-Muffen mit Carbonrohren zusammen. (Foto: Atherton-Bikes)

Finite-Elemente – Reduziert auf das was notwendig ist

Betrachtet man selektives Lasersintern und kombiniert es mit Finite-Elemente-Software (*8) tun sich völlig neue Formen und Möglichkeiten auf. Auf der Formnext konnte man hochoptimierte Fahrzeugbauteile, Dronen-Rahmen und auch Fahrradpedale sehen. Die Software führt komplexe physikalische Berechnungen durch, welche die Form des Bauteils beeinflussen. Eindrucksvoll wurde das an Beispielen auf der Messe demonstriert. Egal, ob für Raketentriebwerke oder eben Mountainbikes.

Spannend ist der Umstand, dass die Formen komplett organisch ausfallen und die Parallelen zur Biomechanik verdeutlicht werden. 

Nicht ohne Grund wirken diese Bauteile wie Knochenstruktur. Beides ist hochgradig auf eine Ratio aus Gewicht und Stabilität ausgelegt.

Warum ist Biomechanik so spannend für Fahrräder?

Jedes Lebewesen hat gewisse körperliche Fähigkeiten, die auf den jeweiligen Lebensraum angepasst sind. Diese Fähigkeiten lösen Problemstellungen über Mechanik. Einfacher gesagt: Die mechanischen Eigenschaften von Knochen, Muskeln, Sehnen und Bändern muss man genau verstehen und diese in die Finite-Elemente-Modelle einzubeziehen. Die Natur hat es geschafft, hochoptimierte Strukturen „zu bauen“. Je nach Belastungsrichtung verfügen diese Strukturen über unterschiedliche mechanische Eigenschaften und reagieren auf Belastungen unterschiedlich. 

In der biomechanischen Forschung werden die spezifischen Materialeigenschaften dieser Gewebe untersucht, etwa die Zugfestigkeit oder Biegesteifigkeit, und die gewonnenen Daten fließen direkt in die FE-Berechnungen ein. Lässt man überall dort Material weg, wo die Lasten geringer ausfallen, und addiert dort Material, wo höhere Kräfte wirken, so erhält man knochenartig anmutende Formen. 

Kein Gramm zu viel und kein Gramm zu wenig. Gewichtsoptimiert auf den Einsatzzweck. Genau das, wonach wir bei der Bikeentwicklung unentwegt suchen.

Ein Beispiel dafür, wenn die Optimierung via FE auf die Spitze getrieben wird. Sehen Bikes bald so aus?

Was bedeutet das für die Zukunft der Fahrradentwicklung?

Die Kombination von Technologien wie Biomechanik, Finite-Elemente-Berechnungen, additiver Fertigung und Entwicklung neuer Materialien werden die Funktionsweise und das Aussehen von Bikes und Anbauteilen stark beeinflussen. 

Durch den Einsatz von FE-Berechnungen können Fahrräder präzise und individuell auf die körperlichen und fahrerischen Anforderungen der Nutzer abgestimmt werden, indem Rahmengeometrien und Belastungen optimiert werden. 

Gleichzeitig ermöglicht die additive Fertigung die Herstellung von komplexen, leichten und funktionalen Strukturen, die mit traditionellen Fertigungsmethoden nicht möglich wären. Materialien wie Carbonfasern oder Metallmatrixkomposite generieren leichtere und gleichzeitig robustere Komponenten. 

Insgesamt wird die Kombination all dieser Technologien zu leichteren, effizienteren und ergonomischeren Fahrrädern führen. Bikes werden effizienter werden und gleichzeitig Komfort und Sicherheit erhöhen.

Willkommen in der Zukunft, und sie passiert gerade vor unseren Augen.

Appendix Links

 

Autor – Jens Staudt

Größe: 191 cm

Gewicht: 87 kg

Fahrstil: Mit seinem Race-Hintergrund sind die Linien geplant, auch wenn es mal rumpelt. Wenn möglich, werden Passagen übersprungen. Die ganze Breite eines Trails sollte man nutzen. Andere würden sagen – kompromisslos.

Motivation: Ein Produkt sollte sorgenfrei und möglichst lange funktionieren. Wenn man weniger schrauben muss, kann man mehr fahren. Er bastelt gerne und schaut, wie das Bike noch optimiert werden kann.


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